{"Signatur": "ZH_KSG_001", "Spider": "ZH_Obergericht", "Datum": "2004-07-05", "PDF": {"Datei": "ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AA040020_2004-07-05.pdf", "URL": "https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/101CF3437FDE7329C1256F200052F972_AA040020.pdf", "Checksum": "11623032b5ace5c7a585c1851075f9e1"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AA040020"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Zürich Kassationsgericht 05.07.2004 AA040020"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Zurich Kassationsgericht 05.07.2004 AA040020"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Zurigo Kassationsgericht 05.07.2004 AA040020"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Zürich Kassationsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Zurich Kassationsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Zurigo Kassationsgericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "-"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Recht auf Beweisführung - Abgrenzung Kognition Bundesgericht / Kassationsgericht - richterliche Fragepflicht"}], "ScrapyJob": "446973/28/2354", "Zeit UTC": "05.09.2025 22:35:48", "Checksum": "a51d596921ed6a14ab57fdff7f9056a9", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Zürich Kassationsgericht 05.07.2004 AA040020\nRegeste:\nRecht auf Beweisführung - Abgrenzung Kognition Bundesgericht / Kassationsgericht - richterliche Fragepflicht\n\n b) Gemäss der – im vorliegenden Verfahren geltenden – Verhandlungsmaxime (§ 54 Abs. 1 ZPO) ist es Sache der Parteien, dem Gericht das Tatsächliche\ndes Rechtsstreits darzulegen, wobei dieses seinem Verfahren (bzw. Entscheid)\nnur behauptete Tatsachen zugrunde legt. In Konkretisierung der (bei Ansprüchen\ndes Bundesprivatrechts durch Art. 8 ZGB verteilten) Behauptungslast bestimmt\n§ 113 ZPO sodann, dass im Hauptverfahren das Streitverhältnis darzustellen und\ndas Rechtsbegehren zu begründen ist, wobei die Parteien ihre Behauptungen bestimmt und vollständig aufzustellen und sich im Einzelnen über das Vorbringen\ndes Gegners auszusprechen haben; überdies sollen Beweismittel schon im\nHauptverfahren vorgelegt oder bezeichnet werden (wobei der diese Obliegenheit\nstatuierende Satz 3 von § 113 ZPO im ordentlichen Verfahren eine blosse Ordnungsvorschrift darstellt; vgl. Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. A., Zürich 1997, N 18 zu § 113 ZPO).\n\nMit der Behauptungslast in engem Zusammenhang steht die Substanzierungslast. Sie besagt, dass diejenige Partei, die Rechte geltend macht, die relevanten Tatsachen so umfassend (detailliert, \"substanziert\") und klar darlegen (be-\n- 7 -\n\nhaupten) muss, dass darüber Beweis abgenommen werden kann (vgl. Schmid,\nEinleitungsartikel des ZGB und Personenrecht, Zürich 2001, Rz 455; Hausheer/\nJaun, Die Einleitungsartikel des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, Stämpfli-\nSkripten zum schweizerischen Privatrecht, 2. A., Bern 2001, Rz 7.26 und 7.58;\nBGE 108 II 338 ff., insbes. 341).\n\nNach § 133 ZPO wird (unter anderem) Beweis erhoben über erhebliche\nstreitige Tatsachen. Das damit angesprochene, durch die genannte Vorschrift\ngewährte und bei Ansprüchen des Bundes(privat)rechts bereits aus Art. 8 ZGB\nfolgende Recht auf Beweisführung (vgl. BGE 126 III 317; Frank/Sträuli/Messmer,\na.a.O., N 1 vor §§ 133 ff. ZPO; Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Zürich 1992, Rz 104; Hausheer/Jaun, Die Einleitungsartikel\ndes ZGB, Stämpflis Handkommentar, Bern 2003, N 36 und 76 zu Art. 8-10 ZGB;\nSchmid, a.a.O., Rz 464 m.w.Hinw.; Lieber, Die neuere kassationsgerichtliche\nRechtsprechung zum Beweisrecht im Zivilverfahren, in: Festschrift 125 Jahre\nKassationsgericht des Kantons Zürich, Zürich 2000, S. 221 m.w.Hinw.) stellt einen\nAusfluss des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs (§ 56 Abs. 1 ZPO, Art. 29 Abs.\n2 BV) dar (Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O., N 3 zu § 56 ZPO und N 1 vor §§ 133 ff.\nZPO). Es gibt der beweisbelasteten Partei einen Anspruch auf Abnahme formund fristgerecht anerbotener Beweise zu rechtlich erheblichen strittigen Behauptungen (vorab tatsächlicher Natur).\n\nAus der Vorschrift von § 134 ZPO, wonach die Beweiserhebung (auch dann,\nwenn sie in Anwendung von § 142 Abs. 2 ZPO ausnahmsweise von Amtes wegen\nerfolgt) in der Regel nach Abschluss des Hauptverfahrens durchgeführt wird, erhellt ferner, dass – was das kantonale Prozessrecht vorsehen kann (vgl. BGE 108\nII 341 f.) – nur im Hauptverfahren behauptete, d.h. genügend substanziert aufgestellte Tatsachenbehauptungen Gegenstand des Beweisverfahrens sein können.\nLetzteres darf mithin nicht dazu dienen, eine im Rahmen der Parteivorträge ungenügend gebliebene Sachdarstellung nachträglich zu vervollständigen, sondern\ndessen Durchführung setzt gegenteils genügend konkrete, zum Beweis verstellbare tatsächliche Behauptungen des Beweisführers voraus (Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O., N 5 zu § 113 ZPO und N 8 zu § 133 ZPO m.w.Hinw.; Lieber, a.a.O.,\n- 8 -\n\nS. 225 mit Anm. 22; s.a. Hausheer/Jaun, a.a.O. [Handkommentar], N 81 zu Art.\n8-10 ZGB; dies., a.a.O. [Skriptum], Rz 7.58; Brönnimann, Die Behauptungslast,\nin: Leuenberger [Hrsg.], Der Beweis im Zivilprozessrecht, Bern 2000, S. 53 und\n64 f.; ders., Die Behauptungs- und Substanzierungslast im schweizerischen Zivilprozessrecht, Bern 1989, S. 14, 197 ff.). Dabei richtet sich das Ausmass der erforderlichen Substanzierung der betreffenden Behauptungen bei Rechtsverhältnissen, die dem Bundesprivatrecht unterstehen – um ein solches dreht sich der\nvorliegende Rechtsstreit –, ausschliesslich nach materiellem Bundeszivilrecht\n(Art. 8 ZGB); dies unabhängig davon, ob es um die Subsumtion des Sachverhalts\nunter die betreffende Norm des materiellen Rechts oder um die Schaffung der\nVoraussetzungen für die beweismässige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts geht (ZR 102 Nr. 8; RB 1988 Nr. 44; s.a. BGE 127 III 368; 123 III 188;\n108 II 338 ff.; 98 II 117; ZR 93 Nr. 19, Erw. 5/a; Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O.,\nN 1 zu § 113 ZPO, N 13d zu § 285 ZPO und N 6 zu § 54 ZPO; Schmid, a.a.O., Rz\n455; Hausheer/Jaun, a.a.O. [Skriptum], Rz 7.26 und 7.58; dies., a.a.O. [Handkommentar], N 81 zu Art. 8-10 ZGB; Messmer/Imboden, a.a.O., Rz 87; Münch, in:\nGeiser/Münch [Hrsg.], Prozessieren vor Bundesgericht, 2. A., Basel/Frankfurt a.M.\n1998, Rz 4.57; Brönnimann, a.a.O. [Behauptungs- und Substanzierungslast],\nS. 226 und 227).\n\n"}