{"Signatur": "ZG_OG_001", "Spider": "ZG_Obergericht", "Datum": "2022-11-24", "PDF": {"Datei": "ZG_Obergericht/ZG_OG_001_Z1-2021-30_2022-11-24.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.ch/zg_helper/download.php?pfad=/tribunavtplus/ServletDownload/Z1_2021_30_fdd7631f3f812fe9da3ea4c19349bdaaddc28f61a078fb35fc026b37da56b5ae954f40b6d15f0bd33f8c0fc65820189962a9d0eae4f2b5c9a2508f8db7c98c02?path=fdd7631f3f812fe9da3ea4c19349bdaaddc28f61a078fb35fc026b37da56b5ae954f40b6d15f0bd33f8c0fc65820189962a9d0eae4f2b5c9a2508f8db7c98c02&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=Z1_2021_30", "Checksum": "52c6b1159d42bd3471059c77bcee4324"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["Z1 2021 30"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Zug Obergericht Zivilabteilung 24.11.2022 Z1 2021 30"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Zoug Obergericht Zivilabteilung 24.11.2022 Z1 2021 30"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Zugo Obergericht Zivilabteilung 24.11.2022 Z1 2021 30"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Zug Obergericht Zivilabteilung"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Zoug Obergericht Zivilabteilung"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Zugo Obergericht Zivilabteilung"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "I. 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Demzufolge sind – wie die\nKlägerin entgegen der Auffassung der Beklagten zu Recht vorbringt (act. 90 Rz 9 und 40-44) –\ndie Auslegungsregeln des schweizerischen Rechts samt der dazugehörigen Rechtsprechung\nnicht massgebend (vgl. vorne E. 3.1). Dies gilt im Übrigen auch für ausländische Urteile, soweit\nsie hinsichtlich der Auslegung nicht in Anwendung des russischen Rechts ergingen.\n\n8.2 Wie die Übergangsbestimmungen in Art. 13 Ziff. 13, 14 und 19 des Gesetzes Nr. 409-FZ und\nin Art. 52 Ziff. 4 und 5 des Gesetzes Nr. 382-FZ zeigen (vgl. vorne E. 3.2.1 f.), ist für die vor\nder Gesetzesänderung abgeschlossene Schiedsvereinbarung das im Zeitpunkt der Unterzeichnung geltende Recht – vorliegend mithin das am 23. April 2010 bestehende Recht –\nmassgebend (vgl. vorne Sachverhalt Ziff. 2). Das damals geltende Gesetz Nr. 5338-1 sah in\nArt. 7 keine Auslegungsregeln – wie z.B. den Grundsatz \"favor validitatis\" – vor. Vielmehr\nrichtete sich die Auslegung einer Schiedsvereinbarung nach den für alle Verträge geltenden\nAuslegungsgrundsätzen gemäss Art. 431 des russischen ZGB. Diese Bestimmung lautet wie\nfolgt (gemäss Solotych, Das Zivilgesetzbuch der Russischen Föderation, Erster Teil, 2. A.\n1997, S. 237):\n\nArtikel 431. Auslegung des Vertrags\n\nBei der Auslegung eines Vertrags hat das Gericht die buchstäbliche Bedeutung der\nin ihm enthaltenen Wörter und Formulierungen in Betracht zu ziehen. Bei Unklarheit über die buchstäbliche Bedeutung einer Vertragsbedingung wird ihr Sinn aus\nihrem Zusammenhang mit anderen Bedingungen und dem Sinn des Vertrags als\nGanzem ermittelt.\n\nIst die Bestimmung des Vertragsinhalts nach der im ersten Absatz enthaltenen\nRegel nicht möglich, ist der tatsächliche gemeinsame Wille der Parteien unter\nBerücksichtigung des Vertragszwecks zu ermitteln. Dabei werden alle erheblichen\nUmstände in Betracht gezogen, einschliesslich der Verhandlungen und des Schriftwechsels, die dem Vertrag vorausgingen, der zwischen den Parteien üblichen Gepflogenheiten, der Handelsbräuche und des späteren Verhaltens der Parteien.\n\nArt. 431 des russischen ZGB knüpft zur Auslegung eines Vertrags somit in erster Linie an die\nbuchstäbliche Bedeutung des Vertragsinhalts, d.h. an den Wortlaut des Vertrags, an. Dies ist\neine schon lange bestehende Besonderheit des russischen Rechts. Nur wenn die Auslegung\nSeite 32/38\n\nnach dem Wortlaut zu keinem Ergebnis führt, dürfen andere Umstände – wie z.B. der tatsächliche Parteiwille – herangezogen werden (vgl. Schramm, in: Nussberger, Einführung in das\nrussische Recht, 2010, S. 151; Lentz, Die internationale Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit\nin der Russischen Föderation, 2000, S. 185-187; Yuryev, a.a.O., S. 619 N 45; Kotelnikov/\nKurochkin/Skvortsov, a.a.O., S. 43 f.; Iffland, a.a.O., S. 148; Plavec, a.a.O., S. 16 f.).\n\n8.3 Vorliegend haben die Vertragsparteien nach dem klaren Wortlaut der Schiedsklausel vereinbart, allfällige Streitigkeiten dem \"Schiedsgericht M.________\" zur Beurteilung vorzulegen.\nDa die Auslegung nach dem Wortlaut gemäss Art. 431 Abs. 1 des russischen ZGB zum klaren Ergebnis führt, dass die Parteien allfällige Streitigkeiten vor dem \"Schiedsgericht\nM.________\" austragen wollten, verbietet es sich, nach einem allenfalls anderslautenden,\ntatsächlichen Parteiwillen zu forschen. Damit lässt sich der Schiedsklausel mittels Auslegung\nkeine Vereinbarung eines ad-hoc-Schiedsgerichts bzw. ad-hoc-Schiedsverfahrens in\nJ.________ entnehmen. Ergänzend bleibt hinsichtlich der Durchsetzbarkeit der Schiedsklausel Folgendes festzuhalten:\n\n"}