{"Signatur": "ZG_OG_001", "Spider": "ZG_Obergericht", "Datum": "2022-11-24", "PDF": {"Datei": "ZG_Obergericht/ZG_OG_001_Z1-2021-30_2022-11-24.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.ch/zg_helper/download.php?pfad=/tribunavtplus/ServletDownload/Z1_2021_30_fdd7631f3f812fe9da3ea4c19349bdaaddc28f61a078fb35fc026b37da56b5ae954f40b6d15f0bd33f8c0fc65820189962a9d0eae4f2b5c9a2508f8db7c98c02?path=fdd7631f3f812fe9da3ea4c19349bdaaddc28f61a078fb35fc026b37da56b5ae954f40b6d15f0bd33f8c0fc65820189962a9d0eae4f2b5c9a2508f8db7c98c02&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=Z1_2021_30", "Checksum": "52c6b1159d42bd3471059c77bcee4324"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["Z1 2021 30"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Zug Obergericht Zivilabteilung 24.11.2022 Z1 2021 30"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Zoug Obergericht Zivilabteilung 24.11.2022 Z1 2021 30"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Zugo Obergericht Zivilabteilung 24.11.2022 Z1 2021 30"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Zug Obergericht Zivilabteilung"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Zoug Obergericht Zivilabteilung"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Zugo Obergericht Zivilabteilung"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "I. 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F.________,\nBeklagte und Berufungsklägerin,\n\nbetreffend\n\nForderung / Vorfrage der Zuständigkeit\n(Berufung gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Zug, 3. Abteilung, vom 27. Juli 2021)\nSeite 2/38\n\nRechtsbegehren\n\nBeklagte und Berufungsklägerin\n\n1. Es sei der Entscheid des Kantonsgerichts Zug vom 27. Juli 2021 (Geschäfts-Nr. A3 2019 1) aufzuheben\nund es sei auf die Klage der Klägerin vom 3. Januar 2019 nicht einzutreten.\n\n2. Es seien die Kosten- und Entschädigungsfolgen für das vorinstanzliche Verfahren ausgangsgemäss zu\nregeln.\n\n3. Eventualiter sei der Entscheid des Kantonsgerichts Zug vom 27. Juli 2021 (Geschäfts-Nr. A3 2019 1)\naufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur Neuentscheidung im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen, allenfalls unter Einholung eines weiteren Gutachtens zum russischen Recht.\n\n4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten der Klägerin und Berufungsbeklagten.\n\nKlägerin und Berufungsbeklagte\n\n1. Es sei die Berufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.\n\n2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten und Berufungsklägerin.\n\nSachverhalt\n\n1. Die D.________ AG (nachfolgend: Beklagte) mit Sitz in G.________ bezweckt ________ und\ngehört zum russischen Konzern H.________. Der Hauptsitz der I.________, einer russischen\nAktiengesellschaft, befindet sich in J.________ (act. 1/9).\n\n2. Am 23. April 2010 schloss die Beklagte mit der in K.________ domizilierten L.________\n(nachfolgend: L.________ GmbH) einen Kaufvertrag ab, worin sich einerseits die L.________\nGmbH zur Lieferung von Metallprodukten und andererseits die Beklagte zur Annahme der\nWare, zur Vergütung des Kaufpreises und zum Export der Ware aus dem Zollgebiet der Russischen Föderation verpflichtete (nachfolgend: Stahlhandelsvertrag; act. 1/25 und 10/2 [deutsche Übersetzung]). In Ziff. 11 des Stahlhandelsvertrags findet sich folgende Schieds- und\nRechtswahlklausel:\n\n\"11. ARBITRATION AND GOVERNING LAW\n\n11.1 Any disputes, discrepancies or claims arising out of this Contract or in\nconnection hereto, including those related to execution, breach, termination,\nor invalidity of the Contract, shall be settled between the Parties by way of\nnegotiations.\n\n11.2 Should the disputes, discrepancies or claim be not settled within sixty (60)\ncalendar days from the date of receipt of the written claim or proposition\nto settle the dispute and/or discrepancy, such disputes, discrepancies or\nclaims shall be transferred for the settlement to the Court of Arbitration\nM.________, J.________ for consideration by the same to be settled\nin accordance with its Regulations in force as of the date when the\napplication for the dispute resolution is submitted.\nSeite 3/38\n\n11.3 This Contract shall be governed and construed in accordance with the\ncurrent substantial law of the Russian Federation, excluding the conflicts of\nlaw rules, and in accordance with the UN Convention on the Contracts of\nInternational Sale of Goods (Vienna, 11. April 1980).\"\n\n3.1 Gemäss Art. 1 der Schiedsordnung des \"Court of Arbitration M.________\" (nachfolgend:\n\"Schiedsgericht M.________\"), welche beim Abschluss des Stahlhandelsvertrags in Kraft\nwar, war dieses Schiedsgericht ein ständiges Schiedsgericht, welches in Übereinstimmung\nmit dem russischen Gesetz Nr. 102-FZ über die Schiedsgerichte in der Russischen Föderation\nvom 24. Juli 2002 (nachfolgend: Gesetz Nr. 102-FZ) errichtet wurde und Streitfälle zwischen\njuristischen Personen behandelte (act. 18/1/4 bzw. 22/4).\n\nAm 3. Oktober 2013 wurde die Schiedsordnung dahingehend geändert, dass das \"Schiedsgericht M.________\" nur noch Streitfälle zwischen \"Unternehmen von I.________\" behandelte (act. 18/1/4 bzw. 22/5). In einem Rundschreiben vom 3. Oktober 2013 wies der Generaldirektor der I.________ darauf hin, dass infolge dieser Änderung in Verträgen mit Unternehmen, welche nicht zur \"Unternehmensgruppe der I.________\" gehörten, keine entsprechende Schiedsklausel mehr aufgenommen werden solle (act. 74/6/Anhang Nr. 1).\n\n3.2 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die L.________ GmbH nicht der \"Unternehmensgruppe der I.________\" angehörte (act. 92 Rz 15; act. 94 Rz 4). Im Weiteren ist unbestritten,\ndass das \"Schiedsgericht M.________\" infolge einer Gesetzesänderung vom 29. Dezember\n2015 und mangels einer staatlichen Bewilligung seit dem 1. November 2017 nicht mehr existiert und nicht mehr befugt ist, Schiedsverfahren durchzuführen (act. 85 Rz 8 und 11; act. 90\nRz 14; act. 92 Rz 8, 18 und 37; act. 94 Rz 4; vgl. hinten E. 3.2.2).\n\n"}