{"Signatur": "VS_BZG_999", "Spider": "VS_Gerichte", "Datum": "2008-04-17", "PDF": {"Datei": "VS_Gerichte/VS_BZG_999_A1-07-199_2008-04-17.pdf", "URL": "https://api-justsearche.vs.ch/api/documents/1e220e854d26e701a48ef21acc498729/file/", "Checksum": "bd1277b306fd232a14b766772152a415"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["A1 07 199"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 17.04.2008 A1 07 199"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Valais Autre tribunal Autre chambre 17.04.2008 A1 07 199"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Vallese Altro tribunale Altro camera 17.04.2008 A1 07 199"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Valais Autre tribunal Autre chambre"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Vallese Altro tribunale Altro camera"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "KGVS A1 Oeffentliches Recht ordentlich"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "11  KGVS A1 07 199   KGE (öffentlichrechtliche Abteilung) vom 17. April 2008 i.S. Zermatt   Bergbahnen AG und Saas-Fee Bergbahnen AG c. KBK und Staatsrat   Baubewilligung für Gletscherabdeckungen   − Verhältnis zwischen bundes- und kantonalrechtlichen Anforderungen   hinsichtlich Baubewilligungspflicht. Kantonalrechtliche Bestimmungen sind   nur   dann   relevant,   wenn   nicht   bereits   das   Bundesrecht   eine   Baubewilligungspflicht verlangt (Art. 22 Abs. 1, 24 ff.; Art. 19 Abs. 2 BauV).   − Gletscherabdeckungen ab einer bestimmten Grösse sind sowohl nach   Bundesrecht wie auch nach kantonalem Recht baubewilligungspflichtig.   Autorisation de bâtir pour dispositifs de couverture d'un glacier   − Assujettissement à autorisation de bâtir: relations entre les règles prévues à   cet égard par le droit fédéral et le droit cantonal. 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Kantonalrechtliche Bestimmungen sind   nur   dann   relevant,   wenn   nicht   bereits   das   Bundesrecht   eine   Baubewilligungspflicht verlangt (Art. 22 Abs. 1, 24 ff.; Art. 19 Abs. 2 BauV).   − Gletscherabdeckungen ab einer bestimmten Grösse sind sowohl nach   Bundesrecht wie auch nach kantonalem Recht baubewilligungspflichtig.   Autorisation de bâtir pour dispositifs de couverture d'un glacier   − Assujettissement à autorisation de bâtir: relations entre les règles prévues à   cet égard par le droit fédéral et le droit cantonal. Ces dernières ne sont   déterminnates que si le droit fédéral ne prévoit pas lui-même l'obligation de   requérir une autorisation (art. 22 al. 1, 24 ss LAT.; art. 19\n\n 3. 1. Nach der Rechtsprechung gelten als \"Bauten und Anlagen\"\njedenfalls jene künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten\nEinrichtungen, die in bestimmter fester Beziehung zum Erdboden\nstehen und geeignet sind, die Vorstellung über die Nutzungsordnung zu\nbeeinflussen. Dies kann dadurch geschehen, dass sie den Raum\näusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die\nUmwelt beeinträchtigen (BGE 123 II 256 E. 3; 120 Ib 379 E. 3c; 113 Ib\n314 E. 2b). Dazu gehören gemäss bundesgerichtlicher Praxis auch\nFahrnisbauten, welche über nicht unerhebliche Zeiträume ortsfest\nverwendet werden (BGE 123 II 256 E. 3 mit Hinweisen). Gewisse\nVorhaben können sodann wegen ihres Betriebs und weniger wegen\nihrer konstruktiven Anlage baubewilligungspflichtig sein (Peter Hänni,\nPlanungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 4. Aufl., S. 288).\nDie Baubewilligungspflicht soll der Behörde ermöglichen, das\nBauprojekt in Bezug auf seine räumlichen Folgen vor seiner Ausführung\nauf die Übereinstimmung mit der raumplanerischen Nutzungsordnung\nund der übrigen einschlägigen Gesetzgebung zu überprüfen (BGE 119\nIb 222 E. 3a). Massstab dafür, ob eine bauliche Massnahme erheblich\ngenug ist, um sie dem Baubewilli-\n13\n\ngungsverfahren zu unterwerfen, ist daher, ob damit im Allgemeinen und\nnach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge so wichtige räumliche Folgen\nverbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn\nan einer vorgängigen Kontrolle besteht (BGE 114 Ib 312 E. 2b). Das\nBundesgericht hat in seinem Entscheid zur Weihnachtsbeleuchtung\n(Urteil 1A.202/2006 vom 10. September 2007 E. 4) allerdings auch die\nMöglichkeit offen gelassen, in Grenzfällen statt einer präventiven\nbehördlichen Kontrolle eine nachträgliche zuzulassen, bei der die\nBaubewilligungsbehörde anhand der konkreten, bereits installierten\nDekoration prüft, ob die massgeblichen bau- und\numweltschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Als\nBegründung führte es den unverhältnismässigen administrativen\nAufwand sowohl für den Betreiber der Beleuchtung als auch für die\nBaubehörden an, wenn jedes Jahr aufs Neue ein ordentliches\nBaubewilligungsverfahren für die Weihnachtsbeleuchtung durchgeführt\nwerden müsste (E. 5).\n\n3. 2. Art. 22 Abs. 1 RPG ist unmittelbar anwendbar und garantiert\neinen bundesrechtlichen Minimalstandard, den die Kantone nicht\nunterschreiten dürfen (Urteil [des Bundesgerichts] 1C_433/2007 vom\n11. März 2008 E. 4). Den Kantonen bleibt es vorbehalten, über den\nbundesrechtlichen Mindeststandard hinauszugehen und weitere\nVorgänge der Bewilligungspflicht zu unterstellen. Sie können ferner für\nbestimmte Bauvorhaben ein vereinfachtes Verfahren vorsehen (sog.\nkleine Baub ewilligung) sowie Kleinstbauten nur einer Anzeigepflicht\nunterstellen oder überhaupt von der Bewilligungspflicht ausnehmen,\nsofern sie keine nennenswerten Einflüsse auf Raum, Erschliessung und\nUmwelt bewirken (EJPD/BRP, Erläuterungen RPG, N. 7 zu Art. 22 RPG;\nWalter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, 3.\nAufl. Zürich 1999, Band I, Rz. 512-522 S. 144 ff.). Hingegen können die\nKantone nicht von der Bewilligungspflicht ausnehmen, was nach Art. 22\nRPG einer Bewilligung bedarf. Der Ausschluss der Bewilligungspflicht ist\nin Art. 22 RPG und damit bundesrechtlich geordnet (Bernhard\nWaldmann/Peter Hänni, Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 22 Rz. 9\nff.; Alexander Ruch, Kommentar RPG, Art. 22 Rz. 4; Urteil [des\nBundesgerichts] 1C_414/2007 vom 22. Februar 2008 E. 2.2).\nDas kantonale Recht ist somit für die Beantwortung der Frage, ob\ndie Gletscherabdeckungen einer Baubewilligung bedürfen, insoweit\nirrelevant, als bereits das Bundesrecht eine solche verlangt. Erst wenn\nfeststeht, dass das Vorhaben nicht unter die bundesrechtliche\nBaubewilligungspflicht fällt, stellt sich allenfalls die subsidiäre Frage, ob\nnicht das kantonale, in diesem Fall strengere Recht, eine solche\nvorsieht.\n14\n\n"}