{"Signatur": "VS_BZG_999", "Spider": "VS_Gerichte", "Datum": "2007-05-04", "PDF": {"Datei": "VS_Gerichte/VS_BZG_999_A1-06-236_2007-05-04.pdf", "URL": "https://api-justsearche.vs.ch/api/documents/1865643c743460546332c0819d794a6d/file/", "Checksum": "13a4df88711045d9ce05aeb848c14c94"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["A1 06 236"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 04.05.2007 A1 06 236"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Valais Autre tribunal Autre chambre 04.05.2007 A1 06 236"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Vallese Altro tribunale Altro camera 04.05.2007 A1 06 236"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Valais Autre tribunal Autre chambre"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Vallese Altro tribunale Altro camera"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "KGVS A1 Oeffentliches Recht ordentlich"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Opferhilfe  Aide aux victimes d’infractions  KGE vom 4. Mai 2007 i.S. A.B. c. Staat  Verwirkung der Ansprüche infolge Zeitablaufs  – Umfang der Opferhilfe.  – Frist für Entschädigungs- und Genugtuungsbegehren (E.2 - 3.2).  – Der Strafverteidiger muss auch fristgerecht allfällige Begehren nach Opferhilfe-  gesetz geltend machen.  Péremption du droit aux prestations d’aide  – Etendue de l’aide.  – Délai pour faire valoir des prétentions en indemnité et en tort moral (consid.   2-3.2).  – Il incombe au mandataire chargé d’agir u pénal de faire valoir à temps les préten-  tions fondées sur la LAVI.  40  RVJ/ZWR 2008  KGVS A1 06 236"}], "ScrapyJob": "446973/52/2024", "Zeit UTC": "21.01.2026 02:07:12", "Checksum": "27cbe62ad1a0bd0548998a7103c4203e", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 04.05.2007 A1 06 236\nRegeste:\nOpferhilfe  Aide aux victimes d’infractions  KGE vom 4. Mai 2007 i.S. A.B. c. Staat  Verwirkung der Ansprüche infolge Zeitablaufs  – Umfang der Opferhilfe.  – Frist für Entschädigungs- und Genugtuungsbegehren (E.2 - 3.2).  – Der Strafverteidiger muss auch fristgerecht allfällige Begehren nach Opferhilfe-  gesetz geltend machen.  Péremption du droit aux prestations d’aide  – Etendue de l’aide.  – Délai pour faire valoir des prétentions en indemnité et en tort moral (consid.   2-3.2).  – Il incombe au mandataire chargé d’agir u pénal de faire valoir à temps les préten-  tions fondées sur la LAVI.  40  RVJ/ZWR 2008  KGVS A1 06 236\n\n40 RVJ / ZWR 2008\n\nOpferhilfe\nAide aux victimes d’infractions\n\nKGVS A1 06 236\nKGE vom 4. Mai 2007 i.S. A.B. c. Staat\nVerwirkung der Ansprüche infolge Zeitablaufs\n– Umfang der Opferhilfe.\n– Frist für Entschädigungs- und Genugtuungsbegehren (E.2 - 3.2).\n– Der Strafverteidiger muss auch fristgerecht allfällige Begehren nach Opferhilfegesetz geltend machen.\nPéremption du droit aux prestations d’aide\n– Etendue de l’aide.\n– Délai pour faire valoir des prétentions en indemnité et en tort moral (consid.\n2-3.2).\n– Il incombe au mandataire chargé d’agir u pénal de faire valoir à temps les prétentions fondées sur la LAVI.\nRVJ / ZWR 2008 41\n\nGekürzter Sachverhalt\n\nDer Täter A. drang am 5. März 2001 in die Wohnung des Ehepaars\nY. und Z. ein, worauf es zu einem Handgemenge kam, bei dem sich\nFrau Z. verletzte. Am 2. März 2001 erteilte Frau Z. den Rechtanwälten\nD. und E. Vollmacht, ihre Interessen in der Strafsache gegen A. zu vertreten. Das Strafverfahren führte zu einer erst- (23. Januar 2004) und\nzweitinstanzlichen (26. November 2004) Verurteilung von A.\nAm 18. August 2005 stellte Advokat D. beim Verwaltungs- und Rechtsdienst des Departements für Volkswirtschaft und Sicherheit (jetzt Departement für Finanzen, Institutionen und Sicherheit ; DFIS) gestützt auf das\nOpferhilfegesetz das Gesuch um Bezahlung einer Genugtuung in der Höhe\nvon Fr. 2’500.– und am 4. Oktober 2006 um Bezahlung einer Entschädigung\nvon Fr. 3’108.–. Das DFIS wies am 10. November 2006 diese Begehren\nwegen Verwirkung ab und das Kantonsgericht bestätigte am 4. Mai 2007\nauf Verwaltungsgerichtsbeschwerde hin diesen Entscheid.\n\nErwägungen\n(....)\n2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Behörden hätten ihre\ngesetzliche Pflicht, sie über ihre opferrechtlichen Ansprüche zu informieren, nicht erfüllt und damit Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom\n4. Oktober 1991 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opferhilfegesetz,\nOHG ; SR 312.5) verletzt. Deshalb könne ihr die Nichteinhaltung der Verwirkungsfrist zur Anmeldung der opferrechtlichen Ansprüche nicht entgegengehalten werden. Aus dem OHG ergebe sich auch keine direkte\nInformationspflicht Dritter, weshalb es nicht Aufgabe ihres Rechtsanwalts gewesen sei, sie «betreffend den Bestand und Inhalt des OHGs zu\ninformieren». Deshalb gehe es nicht an, ihrem Rechtsanwalt die behördlich zu erfüllende Informationspflicht aufzubürden und anzulasten, dass\ner die opferrechtlichen Ansprüche nicht früher angemeldet habe.\n\n2. 1. Am 20. März 2001, also 15 Tage nach der eingangs geschilderten Straftat, erteilte die Beschwerdeführerin den Rechtsanwälten D. und\nE. die Vollmacht sie in der Strafsache Z. c/ A. zu vertreten. Die Frage, ob\ndie Rechtsanwälte bereits ab diesem Zeitpunkt auch mit der Geltendmachung opferrechtlicher Ansprüche beauftragt worden sind, ist vom\nRegelungsgedanken von Art. 33 Abs. 3 OR erfasst. Diese Vorschrift kann\nauch im Verfahrensrecht zum Tragen kommen (vgl. Urteil des Bundesgerichts P.745/1983 vom 31. Januar 1984 E. 3, publ. in SJ 1984 S. 305). Nach\n42 RVJ / ZWR 2008\n\nArt. 33 Abs. 3 OR beurteilt sich der Umfang einer Ermächtigung, die vom\nVollmachtgeber einem Dritten mitgeteilt wird, diesem gegenüber nach\nMassgabe der erfolgten Kundgebung. Dies bedeutet, dass der Vertretene\nunter Anwendung des Vertrauensprinzips auf einer bestimmt gearteten\nÄusserung zu behaften ist, wenn der gutgläubige Dritte, demgegenüber\nder Vertreter ohne resp. mit einer weniger weit gehenden Vollmacht handelt, sie in guten Treuen als Vollmachtskundgabe verstehen durfte und\ndarauf vertraute (BGE 120 II 197 E. 2a ; Roger Zäch, Berner Kommentar,\nN. 124 zu Art. 33 OR). Die Vollmachtskundgabe bedarf keiner besonderen Form ; sie kann ausdrücklich oder stillschweigend erfolgen. Häufig\nerfolgt die Mitteilung durch Ausstellung einer Vollmachtsurkunde. Passives Verhalten (Dulden, Unterlassen) kann als Kundgabe gelten, wenn\nzusätzliche, vom Vertretenen gesetzte Umstände vorliegen, die den Dritten berechtigen, auf eine Vollmacht zu schliessen (Urteil [des Bundesgerichts] 1A.114/2006 vom 7. März 2007 E. 5.3 ; BGE 120 II 197 E. 3b ; Rolf\nWatter, Basler Kommentar, N. 31 zu Art. 33 OR).\n\n"}