{"Signatur": "UR_OG_005", "Spider": "UR_Gerichte", "Datum": "2026-04-22", "PDF": {"Datei": "UR_Gerichte/UR_OG_005_2026-OG-Z-26-5_2026-04-22.pdf", "URL": "https://www.ur.ch/_rte/publikation/42049", "Checksum": "df3e569dd34f855dc83edcc51c92e0bd"}, "Scrapedate": "2026-10-02", "Scrapetime": "05:06:00", "Num": ["2026_OG Z 26 5"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Uri Obergericht Zivilrechtliche Abteilung 22.04.2026 2026_OG Z 26 5"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Uri Obergericht Zivilrechtliche Abteilung"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Uri  Zivilrechtliche Abteilung"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Uri  Zivilrechtliche Abteilung"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Ausstand im Verfahren OG Z 26 3. 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Jede Konstellation, bei der eine Gerichtsperson mit der Sache in unterschiedlichen Verfahren oder\nim vom Verfahrensrecht klar getrennten Verfahrensabschnitten befasst war, ist als konkreter Einzelfall\nzu untersuchen. Die Würdigung einer allfälligen Vorbefassung richtet sich danach, ob sich die Gerichtsperson durch ihre Mitwirkung an früheren Entscheidungen in einzelnen Punkten bereits in einem Mass\nfestgelegt hat, welche sie nicht mehr als unvoreingenommen und damit das Verfahren nicht mehr als\noffen erscheinen lässt (Marc Weber, in Basler Kommentar ZPO, 4. Aufl., 2024, N. 25 zu Art. 47, m.w.H.;\nsiehe auch: BGer 5A_489/2017 vom 29. November 2017 E. 3.2). Im Übrigen ist auf Art. 34 Abs. 2 BGG\nhinzuweisen: Eine «blosse Mitwirkung» an einem früheren Verfahren des Bundesgerichts begründet\nallein keinen Ausstandsgrund (Isabelle Häner, in Basler Kommentar BGG, 3. Aufl. 2018 N. 22 zu Art. 47\nBGG). Dieselbe Regelung findet sich auf kantonaler Ebene auch in Art. 7 Abs. 2 AuG.\n\n2.3.3\nSchliesslich spricht die Formulierung in Art. 47 Abs. 1 lit. b ZPO ausdrücklich davon, dass die Gerichtsperson «in der gleichen Sache» tätig wird. Die Identität der «gleichen Sache» ist dabei formell auszulegen und impliziert die Identität der Personen, des Streitgegenstandes und des Verfahrens (BGer\n6B_621/2011 vom 19.12.2011 E. 2.3.1: «La notion de ‘même cause’ (…) s’entend de manière formelle»). Dazu stellt das Bundesgericht fest: «Die Wendung ‘in der gleichen Sache’ (‘dans la même\ncause’; ‘alla medesima causa’) in Art. 34 Abs. 1 lit. b BGG (…) meint das Verfahren, welches zum angefochtenen Entscheid führt» (BGer 6F_29/2014 vom 17.02.2015 E. 3.4.2), womit umgekehrt kein Ausstandsgrund vorliegt, wenn zwei getrennte Verfahren (…) in zwei eigenständigen Entscheiden münden\n(BGer 1B_137/2013 vom 17.05.2013 E. 3.2: «Non si tratta quindi della medesima causa, ma di due\nprocedure distinte (…) e sfocanti in due decisioni specifiche»).\n\nKonsequenterweise werden daher getrennte oder vorgelagerte Verfahren, die sich auf dieselbe Angelegenheit im weiteren Sinne bzw. auf denselben Sachverhalts- und Rechtskomplex mit denselben Parteien beziehen, von der Formulierung «in der gleichen Sache» nicht erfasst (BGE 143 IV 69 E. 3.1: «Elle\nn’englobe en revanche pas une procédure distincte ou préalable se rapportant à la même affiare au\n\nSeite 7 von 16\nsens large, soit au même ensemble de faits et de droits concernant les mêmes parties»). Ausdrücklich\nnicht davon erfasst ist nach bundesgerichtlicher Praxis auch eine Gerichtsperson, welche über aufeinanderfolgende Rechtsmittel entschieden hat (BGer 1B_137/2013 vom 17.05.2013 E. 3.2: «Non e per\nesempio considerato tale il giudice che ha statuito su ricorsi successivi»). Ein neues Verfahren in einer\nKette von Auseinandersetzungen ist ebenso wenig die «gleiche Sache» im Sinne des Ausstandsrechts\n(Peter Diggelmann, in Kommentar ZPO, 3. Aufl. 2025 N. 14 zu Art. 47).\n\n2.3.4\nDie Frage, in welchen konkreten Fällen die Vorbefassung eine Pflicht zum Ausstand begründet, beantwortet das Bundesgericht nicht pauschal. Als Auslegungskriterium stellt es bei der Formulierung «in\nder gleichen Sache» unter anderem darauf ab, ob zwischen den Verfahren ein «enger Zusammenhang»\nbestand oder nicht (BGer 6F_29/2014 vom 17.02.2015 E. 3.4.2; siehe auch: BGer 2C_755/2008 vom\n07.01.2009 E. 3.1.1). Bei Konstellationen mit «engem Zusammenhang» kann eine Vorbefassung zusätzlich unter dem Ausstandsgrund nach Art. 47 Abs. 1 lit. f ZPO geprüft werden (OG Zürich NG240005-\nO/U vom 11.03.2025 E. 3.2.5).\n\n2.4\nOb eine unzulässige Vorbefassung vorliegt, ist daher in jedem Einzelfall anhand aller tatsächlichen und\nverfahrensrechtlichen Umständen zu prüfen (BGer 5A_489/2017 vom 29.11.2017 E. 3.2; m.w.H. auf\nBGE 133 I 1 E. 6.2; BGE 126 I 68 E. 3c). Entscheidend ist «ob in den verschiedenen Verfahrensabschnitten, bei denen der Richter mitgewirkt hat, eine ähnliche oder qualitativ gleiche Frage geprüft wurde»\n(BGer 5A_489/2017 vom 29.11.2017 E. 3.2; BGE 117 Ia 157 E. 2a, mit Hinweis auf BGE 116 Ia 34 E. 3a).\nWesentlich ist dabei, welche Fragen in den verschiedenen Verfahren zu entscheiden sind bzw. waren.\nZu beachten ist auch der Umfang des Entscheidungsspielraums bei der Beurteilung der sich in den\nverschiedenen Verfahren stellenden Rechtsfragen (OG Zug BZ 2024 70 vom 22.10.2024 E. 3.1).\nSchliesslich ist massgebend, mit welcher Bestimmtheit sich die Gerichtsperson bei ihrer ersten Befassung zu den betreffenden Fragen ausgesprochen hat (BGer 2D_18/2023 vom 05.03.2024 E. 5.3.1).\n\n"}