{"Signatur": "UR_OG_005", "Spider": "UR_Gerichte", "Datum": "2026-04-22", "PDF": {"Datei": "UR_Gerichte/UR_OG_005_2026-OG-Z-26-5_2026-04-22.pdf", "URL": "https://www.ur.ch/_rte/publikation/42049", "Checksum": "df3e569dd34f855dc83edcc51c92e0bd"}, "Scrapedate": "2026-10-02", "Scrapetime": "05:06:00", "Num": ["2026_OG Z 26 5"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Uri Obergericht Zivilrechtliche Abteilung 22.04.2026 2026_OG Z 26 5"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Uri Obergericht Zivilrechtliche Abteilung"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Uri  Zivilrechtliche Abteilung"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Uri  Zivilrechtliche Abteilung"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Ausstand im Verfahren OG Z 26 3. 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Mit diesem Ausstandsgrund soll verhindert werden, dass eine\nPerson denselben Fall in verschiedenen Funktionen beurteilt (Peter Diggelmann, in Kommentar ZPO,\n3. Aufl. 2025 N. 10 zu Art. 47). Eine Gerichtsperson hat demnach wegen Vorbefassung in den Ausstand\nzu treten, wenn sie zwar in einer anderen Funktion oder Stellung, aber in der gleichen Sache tätig war\n(Marc Weber, in Basler Kommentar ZPO, 4. Aufl., 2024, N. 24 zu Art. 47). Das Bundesgericht verlangt\nunter Vorbehalt des Nichteintretens von Rechtssuchenden konkrete Angaben zu möglichen Ausstandsgründen. Lediglich Fragen zu formulieren und die Möglichkeit einer fehlenden Unabhängigkeit in den\nRaum zu stellen reicht nicht aus (BGer 6B_529/2014 vom 10.12.2014 E. 2).\n\nDer Ausstandsgrund der Vorbefassung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. b ZPO bzw. Art. 7 Abs. 1 lit. b\nAuG beinhaltet mehrere Formulierungen, die zunächst im Lichte der bundesgerichtlichen Praxis zu\nkonkretisieren sind. Danach hat in den Ausstand zu treten, wer eine «Gerichtsperson» ist und als «Mitglied einer Behörde» in der «gleichen Sache» bereits in einer «anderen Stellung» tätig war.\n\nSeite 5 von 16\n2.3.1\nSofern die Norm von der «Gerichtsperson» spricht, sind damit, in Anlehnung an die Definition in Art.\n34 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz BGG, SR 173.110), unter\nanderem «Richter, Richterinnen, Gerichtsschreiber und Gerichtsschreiberinnen» gemeint (Peter Diggelmann, in Kommentar ZPO, 3. Aufl. 2025 N. 8 zu Art. 47). Als «Gerichtsperson» gelten damit alle\nPersonen, welche an der Willensbildung des Gerichts mitentscheidend oder beratend beteiligt sind\n(Stephan Wullschleger, in Kommentar ZPO, 4. Aufl. 2025, N. 1 zu Art. 47 m.w.H.) Unter dem Begriff\neiner «Behörde» sind sowohl gerichtliche als auch in der Verwaltung angesiedelte Einheiten zu verstehen. Insbesondere Vorinstanzen sind deshalb unter den Behördenbegriff zu subsumieren (BGE 114 Ia\n50 E. 3c; BGer 4A_370/2012 vom 04.12.2012 E. 2.2 sowie BGer 5A_84/2008 E. 3.2).\n\n2.3.2\nWeiter erwähnt Art. 47 Abs. 1 lit. b ZPO die vorangehende Tätigkeit der Gerichtsperson in einer «anderen Stellung» und meint damit, dass die Gerichtsperson mit demselben Fall bereits in unterschiedlicher Funktion befasst war. Erstinstanzliche Richterinnen oder Richter dürfen nach ihrer Wahl ans Obergericht nicht in «gleicher Sache» am Berufungsverfahren mitwirken (Peter Diggelmann, in Kommentar\nZPO, 3. Aufl. 2025 N. 10 zu Art. 47). Diesbezüglich hält das Bundesgericht fest, es wäre mit der Verfas-\nsungs- und Konventionsgarantie auf einen unvoreingenommenen Richter kaum vereinbar, dass ein\nRichter einer untern Instanz nach seiner Wahl in die obere Instanz am Rechtsmittelverfahren in derselben Sache mitwirkt (BGE 114 Ia 50 E. 3d). Bereits die Beteiligung als Gerichtschreiberin oder Gerichtsschreiber am vorinstanzlichen Verfahren genügt (Marc Weber, in Basler Kommentar ZPO,\n4. Aufl., 2024, N. 26 zu Art. 47; BGer 4A_370/2012 vom 04.12.2012 E. 2.2: «Il faut relever préalablement que la même personne a fonctionné comme greffier de première instance et comme greffier\nd’appel, ce qui paraît correspondre au motif de récusation prévu par l’art. 47 al. 1 let. B CPC»). In seiner\njüngeren Praxis legt das Bundesgericht den Fokus nicht auf den Funktionswechsel der Gerichtsperson,\nsondern auf die allgemeine Gefahr einer unzulässigen Vorbefassung (BGer /7B_322/2023,\n7B_323/2023, 7B_324/2023 vom 27. Dezember 2023 E. 4.3 ff.).\n\nDemgegenüber verlangt die Garantie des unparteiischen Richters den Ausstand einer Gerichtsperson\nnicht allein deshalb, weil sie in einem früheren Verfahren und unter Umständen sogar in derselben\nSache zum Nachteil der gesuchstellenden Partei entschieden hat (BGer 1B_362/2015 vom 10.12.2015\nE. 3.2.1: «En particulier, la garantie du juge impartial ne commande pas la récusation d’un juge au motif\n(…) qu’il a, dans une procédure antérieure – voire dans la même affaire – tranché en défaveur du re-\n\nquérant», m.w.H. auf BGer 4A_151/2012 vom 04.06.2012 E. 2.2; BGE 129 III 445 E. 4.2.2.2: «D’une\nmanière générale, un juge ne peut pas être récusé pour le simple motif que, dans une procédure\n\nSeite 6 von 16\nantérieure, il s’était déja occupé de la partie qui comparaît devant lui»; BGE 119 Ia 221 E. 3; Stephan\nWullschleger, in Kommentar ZPO, 4. Aufl. 2025, N. 68 zu Art. 47 m.w.H.).\n\n"}