{"Signatur": "SZ_KG_002", "Spider": "SZ_Gerichte", "Sprache": "de", "Datum": "2017-12-15", "HTML": {"Datei": "SZ_Gerichte/SZ_KG_002_ZK2-2017-62_2017-12-15.html", "URL": "https://gerichte.sz.ch/tribunavtplus/loadTable", "Checksum": "93e0ac15f8399a9f6204e72b8daf3703"}, "PDF": {"Datei": "SZ_Gerichte/SZ_KG_002_ZK2-2017-62_2017-12-15.pdf", "URL": "https://gerichte.sz.ch/tribunavtplus/ServletDownload/ZK2_2017_62_eb9cb516b72ea9d822b390383b5bf9d2165eb8417192fd1453891dd8dbd70ac28a498951eccd7c901cae8764044b7f6a97328ab44a1f8d905ba92b23dd3f1154ea2e94432a3f2899a2ba69cf3333726b?path=eb9cb516b72ea9d822b390383b5bf9d2165eb8417192fd1453891dd8dbd70ac28a498951eccd7c901cae8764044b7f6a97328ab44a1f8d905ba92b23dd3f1154ea2e94432a3f2899a2ba69cf3333726b&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=ZK2_2017_62", "Checksum": "ef7f04721e73a4959a8f5a0394219635"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["ZK2 2017 62"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Schwyz Kantonsgericht 2. 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Indem der Vorderrichter das Sistierungsgesuch dem Beschwerdeführer\nerst zusammen mit der Verfügung vom 19. Juni 2017 zur Orientierung zugestellt habe, ohne dass er vorher darüber in Kenntnis gesetzt worden sei und\nEinwände hätte anbringen können, habe dieser sein rechtliches Gehör in\nschwerwiegender Weise verletzt (KG-act. 1, S. 7).\n\n3. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nach ständiger Rechtsprechung\ndes Bundesgerichts formeller Natur. Bei Verletzung des Anspruches leidet der\nEntscheid grundsätzlich an einem schweren Mangel und ist aufzuheben (vgl.\nBGE 126 V 130, E. 2b; BGE 121 I 230, E. 2a; BGE 121 III 331, E. 3c; BGE\n121 V 150, E. 6). Dies gilt unabhängig davon, ob das Urteil ohne die Verletzung anders ausgefallen wäre (Sutter-Somm/Chevalier, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, N 26 zu Art. 53 ZPO, Gehri, in: Spühler/Tenchio/Infanger\n[Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2017,\nN 33 zu Art. 53 ZPO; vgl. dazu BGE 127 V 431, E. 3d/aa; BGE 126 I 19,\nE. 2d/bb; BGE 126 V 130, E. 2b). Aus diesem Grund ist zunächst zu prüfen,\nKantonsgericht Schwyz 5\n\nob der Vorderrichter den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches\nGehör verletzte.\n\na) Der Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet das Recht auf gleichmässige und beidseitige Anhörung der Parteien vor einem Entscheid und stellt\nein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht bei richterlichen Verfahren dar\n(Sutter-Somm/Chevalier, a.a.O., N 6 zu Art. 53 ZPO; Gehri, a.a.O., N 7 zu\nArt. 53 ZPO; Hurni, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, Band I, 2012, N 13 zu Art. 53 ZPO). Zum Recht,\nvor einer Entscheidung gehört zu werden, zählt zunächst, dass die Parteien\nüber jeden Verfahrensschritt und über alle Äusserungen, Eingaben und Anträge zu orientieren sind (Orientierungsrecht, vgl. Sutter-Somm/Chevalier, a.a.O.,\nN 6 zu Art. 53 ZPO; Hurni, a.a.O., N 16 zu Art. 53). Weiter haben die Parteien\ndas Recht, sich vor dem Erlass eines Entscheides sowie allfälligen Zwischenentscheiden, die selbstständig angefochten werden können, zu äussern\n(Äusserungsrecht, vgl. Sutter-Somm/Chevalier, a.a.O., N 6 zu Art. 53 ZPO;\nHurni, a.a.O., N 37 zu Art. 53 ZPO). Auch für die Bewilligung eines Sistierungsantrags sind die Parteien vorgängig anzuhören, konkret durch Zustellung\ndes Sistierungsgesuchs an die Gegenpartei (Staehelin, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, N 4 zu Art. 126 ZPO). Die Nichtgewährung der Möglichkeit\nzur vorgängigen Stellungnahme verletzt den Anspruch auf rechtliches Gehör\n(vgl. BGer 4A_307/2016 vom 8. November 2016, E. 2.2–2.4; vgl. LGVE 2017 I\nNr. 7, E. 4.2; LGVE 2017 I Nr. 8, E. 6.1).\n\nDie Verletzung des rechtlichen Gehörs kann vor der Rechtsmittelinstanz ausnahmsweise geheilt werden, sofern die Verletzung nicht besonders schwer\nwiegt, der Rechtsmittelinstanz die gleiche Prüfungsbefugnis wie der unteren\nInstanz zusteht – d.h. wenn sowohl der Sachverhalt als auch die Rechtslage\nfrei überprüft werden können –, der betroffenen Partei dadurch kein Nachteil\nerwächst und die gleichen Mitwirkungsrechte wie vor der Vorinstanz bestehen\nKantonsgericht Schwyz 6\n\n(Sutter-Somm/Chevalier, a.a.O., N 27 zu Art. 53 ZPO; BGer 2C_356/2010\nvom 18. Februar 2011, E. 2.2; BGE 127 V 431, E. 3d/aa; BGE 133 I 201,\nE. 2.2; BGE 126 I 68, E. 2). Selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des\nAnspruchs auf rechtliches Gehör ist es unter den genannten Voraussetzungen\nmöglich, von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen,\nwenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache (Art. 29 Abs. 1\nBV) nicht zu vereinbaren wären (Hurni, a.a.O., N 83 zu Art. 53 ZPO; BGE 133\nI 201, E. 2.2). Die nachträgliche Heilung der Gehörsverletzung soll aber die\nAusnahme bilden, zumal dadurch eine Gerichtsinstanz verloren geht (Gehri,\na.a.O., N 34 zu Art. 53 ZPO; Sutter-Somm/Chevalier, a.a.O., N 27 zu Art. 53\nZPO; vgl. BGE 127 V 431, E. 3d/aa; BGE 126 II 111, E. 6b/aa). Nach Ansicht\nin der Lehre hat jedoch die Beschwerdeinstanz – wegen der beschränkten\nKognition der Beschwerdeinstanz und des Fehlens eines Beweisverfahrens –\nbei einer Verletzung des rechtlichen Gehörs in der Regel die Streitsache an\ndie Vorinstanz zurückzuweisen (Freiburghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, N 11 zu Art. 327 ZPO).\n\n"}