{"Signatur": "SZ_KG_002", "Spider": "SZ_Gerichte", "Sprache": "de", "Datum": "2017-05-18", "HTML": {"Datei": "SZ_Gerichte/SZ_KG_002_ZK2-2016-38_2017-05-18.html", "URL": "https://gerichte.sz.ch/tribunavtplus/loadTable", "Checksum": "12bb1bc64c9621f1ca583175b6e5fca1"}, "PDF": {"Datei": "SZ_Gerichte/SZ_KG_002_ZK2-2016-38_2017-05-18.pdf", "URL": "https://gerichte.sz.ch/tribunavtplus/ServletDownload/ZK2_2016_38_eb9cb516b72ea9d822b390383b5bf9d292c28bc41f463b415d27da7ba0a7c42334e7620733853d932dbe11f3ede08803824d629e7a2c00db5762a43ed589ed52ea2e94432a3f2899a2ba69cf3333726b?path=eb9cb516b72ea9d822b390383b5bf9d292c28bc41f463b415d27da7ba0a7c42334e7620733853d932dbe11f3ede08803824d629e7a2c00db5762a43ed589ed52ea2e94432a3f2899a2ba69cf3333726b&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=ZK2_2016_38", "Checksum": "13a74db99fb390e9c02e508aac6fc017"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["ZK2 2016 38"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Schwyz Kantonsgericht 2. 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Generalversammlung); (EGV-SZ 2017 A 3.2) | Zivilprozessuale Fragen\n\nc) Örtlich und sachlich zuständig zur Entgegennahme und Behandlung\neines Revisionsgesuchs ist diejenige kantonale Gerichtsinstanz, welche den\nmit der Revision angegriffenen Endentscheid gefällt hat (Schwander, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar, 2016, N 20 zu Art. 328 ZPO; Freiburghaus/Afheldt, a.a.O., N 10 zu\nArt. 328 ZPO). Das Revisionsverfahren verläuft zweistufig. In einem ersten\nSchritt wird über das Revisionsgesuch als solches entschieden (Art. 330\nZPO), d.h., das Gericht prüft, ob die Revision zulässig, insbesondere rechtzeitig ist und ob ein Revisionsgrund gegeben ist. Wird die Revision im Grundsatz\ngutgeheissen, ergeht in einem zweiten Schritt der Entscheid in der Sache\nselbst (Art. 333 ZPO; Carcagni Roesler, in: Baker/McKenzie [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar, 2010, N 1 f. zu Art. 332 ZPO; Sterchi, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, ZPO, 2012, N 1 zu\nArt. 332 und Art. 333 ZPO; Freiburghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2016, N 3 zu Art. 332 ZPO).\n\nd) Das Gesetz äussert sich nicht explizit zur anwendbaren Verfahrensart\nim Revisionsverfahren.\n\naa) In der Lehre gehen die Meinungen diesbezüglich auseinander. Einerseits wird die Auffassung vertreten, die Verfahrensbestimmungen betreffend\ndas Revisionsrechtsmittel (Art. 330-334 ZPO) seien Sonderbestimmungen, die\nden verfahrensrechtlichen Besonderheiten des Erstverfahrens vorgehen würden (Herzog, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, ZPO,\n2013, N 7 zu Art. 330 ZPO). Für die erste Stufe des Revisionsverfahrens seien somit die allgemeinen Verfahrensvorschriften des ordentlichen Verfahrens\ngemäss Art. 219 ff. ZPO analog anzuwenden (Carcagni Roesler, a.a.O., N 2\nKantonsgericht Schwyz 5\n\nzu Art. 330 ZPO). Anderseits wird die Meinung vertreten, dass sich das gesamte Revisionsverfahren nach der Verfahrensart richte, die dem Entscheid,\nwelcher in Revision gezogen werde, zugrunde gelegen habe (Hofmann/Lüscher, Le Code de procédure civile, 2015, S. 308). Sodann äussert\nsich ein dritter Teil der Lehrmeinungen nicht direkt zur anwendbaren Verfahrensart, sondern hält allgemein fest, dass bei Gutheissung des Revisionsgrundes in der ersten Stufe für den anschliessenden neuen Entscheid in der\nHauptsache, also für die zweite Stufe, das seinerzeitige Prozessrechtsverhältnis wieder auflebe, wodurch dieselben Bestimmungen zur Anwendung gelangen würden, die auch beim damaligen Entscheid Geltung gehabt hätten (Sterchi, a.a.O., N 18 zu Art. 332 und Art. 333 ZPO; Freiburghaus/Afheldt, a.a.O.,\nN 4 zu Art. 333 ZPO; Schwander, a.a.O., N 7 zu Art. 333 ZPO).\n\nbb) Den Gesetzesmaterialien, d.h. dem Bericht zum Vorentwurf der Expertenkommission zum Bundesgesetz über die Zivilprozessordnung (Schweizerische Zivilprozessordnung, ZPO) vom Juni 2003 (nachfolgend Begleitbericht)\nist zu entnehmen, dass für das Revisionsverfahren die allgemeinen Vorschriften über das Entscheidverfahren gelten sollen, jedoch ein Schlichtungsversuch entfalle, weil die Revision durch direkte Eingabe an das Gericht hängig\ngemacht werde (Begleitbericht, S. 150). In der Botschaft zur Schweizerischen\nZivilprozessordnung (ZPO) vom 28. Juni 2006 lässt sich nichts Gegenteiliges\nfinden; ebenso wenig wurde die Frage im Rahmen der parlamentarischen Beratungen besonders thematisiert, so dass keine Anzeichen für eine vom Vorentwurf abweichende Regelung bestehen bzw. beabsichtigt waren. Dem Begleitbericht entsprechend ist die erste Stufe des Revisionsverfahrens somit als\nspezielles Vorverfahren zu betrachten, auf das die allgemeinen Verfahrensvorschriften des ordentlichen Verfahrens analog anzuwenden sind.\n\ncc) Letztere Lösung – die wie erwähnt auch von einem Teil der Lehrmeinungen vertreten wird – erscheint sachgerecht, zumal die Bestrebungen des\nvereinfachten Verfahrens nach einem einfachen, raschen und kostengünsti-\nKantonsgericht Schwyz 6\n\ngen (Sterchi, a.a.O., N 1 f. zu Vorbemerkungen zu Art. 243 ZPO) bzw. des\nsummarischen Verfahrens nach einem schnellen und einfachen Verfahren\n(Sterchi, a.a.O., N 3 zu Vorbemerkungen zu Art. 248-270 ZPO) bei der Revision in den Hintergrund treten und demgegenüber die materielle Wahrheit im\nVordergrund steht (vgl. auch Carcagni Roesler, a.a.O., N 1 zu Art. 328 ZPO).\n\ne) Gemäss Art. 99 ZPO kann die beklagte Partei unter den Voraussetzungen von Abs. 1 verlangen, dass die klagende Partei für ihre Parteikosten Sicherheit leistet. Im vereinfachten Verfahren mit Ausnahme der vermögensrechtlichen Streitigkeiten nach Art. 243 Abs. 1 ZPO, im Scheidungsverfahren\nund im summarischen Verfahren mit Ausnahme des Rechtsschutzes in klaren\nFällen gemäss Art. 257 ZPO ist keine Sicherheit zu leisten (Art. 99 Abs. 3\nZPO). Für das vorliegende Revisionsverfahren gelten bis zum Abschluss der\nersten Stufe, d.h. bis zum Entscheid über das Revisionsgesuch selber die\nVerfahrensregeln des ordentlichen Verfahrens analog. Dies bedeutet, dass bis\nzu einer allfälligen Gutheissung des Revisionsgesuchs eine Sicherheitsleistung für das Revisionsverfahren gesprochen werden kann. Die angefochtene\nVerfügung vom 8. Juli 2016 verstösst somit nicht gegen Art. 99 Abs. 3 ZPO.\n\n"}