{"Signatur": "SZ_KG_001", "Spider": "SZ_Gerichte", "Sprache": "de", "Datum": "2017-02-28", "HTML": {"Datei": "SZ_Gerichte/SZ_KG_001_ZK1-2016-16_2017-02-28.html", "URL": "https://gerichte.sz.ch/tribunavtplus/loadTable", "Checksum": "7a6d026210d45e7a796223dfcec24eda"}, "PDF": {"Datei": "SZ_Gerichte/SZ_KG_001_ZK1-2016-16_2017-02-28.pdf", "URL": "https://gerichte.sz.ch/tribunavtplus/ServletDownload/ZK1_2016_16_eb9cb516b72ea9d822b390383b5bf9d2d82b9dd8a2d812d0b6f773f1a3f006fb0354fb10a4628c74ccd8b2806bd1faa614d532a1ff89c1e06afa183624e91176ea2e94432a3f2899a2ba69cf3333726b?path=eb9cb516b72ea9d822b390383b5bf9d2d82b9dd8a2d812d0b6f773f1a3f006fb0354fb10a4628c74ccd8b2806bd1faa614d532a1ff89c1e06afa183624e91176ea2e94432a3f2899a2ba69cf3333726b&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=ZK1_2016_16", "Checksum": "0f138735489142966d276121165241e9"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["ZK1 2016 16"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schwyz Kantonsgericht 1. 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Dezember\n2015 die Örtlichkeit fest, an welcher die Klägerin gestürzt sein soll. Es handle\nsich um eine 3.6 m breite Stufe, die sich vom Strassenrand bis zum beklagtischen Gebäude erstrecke und deren Höhe von Null am Rand der Strasse kontinuierlich und gleichmässig zunehme bis zur Maximalhöhe von 37.5 cm an\nder Hausmauer. Bei einer Entfernung von 1.54 m von der Strasse betrage die\nHöhe der Stufe 16 cm, bei einer solchen von 2.4 m (2/3 der Gesamtbreite ab\nder Strasse) 26 cm. Im Bereich, wo die Klägerin gemäss ihrer Behauptung die\nSchwelle vor dem Sturz überschritten habe, betrage deren Höhe zwischen\n31.5 cm und 36 cm (angef. Urteil, E. 1b S. 8). Diese Feststellungen sind – mit\nAusnahme des Sturzes – zum einen aktenmässig erstellt (vgl. Vi-act. D8,\nS. 6 f. und 9) und zum anderen unbestritten (vgl. KG-act. 1 und 7).\nKantonsgericht Schwyz 5\n\n3. Gemäss Art. 58 Abs. 1 OR haftet der Werkeigentümer für den Schaden,\nder durch fehlerhafte Anlage oder Herstellung oder durch mangelhaften\nUnterhalt des Werks verursacht wird. Ob ein Werk fehlerhaft angelegt ist,\nhängt vom Zweck ab, den es zu erfüllen hat. Ein Werkmangel liegt vor, wenn\ndas Werk beim bestimmungsgemässen Gebrauch keine genügende\nSicherheit bietet (BGE 130 III 736 E. 1.3 S. 741 f.; BGer, Urteil 4A_521/2013\nvom 9. April 2014, E. 3.1). Ausschlaggebend ist somit die Zweckbestimmung\ndes Werkes sowie jenes, was sich nach der Lebenserfahrung am fraglichen\nOrt zutragen kann (BGer, Urteil 45/2005 vom 18. Mai 2005, E. 2.1; BGer,\nUrteil 4A_612/2010 vom 14. Februar 2011, E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 122 III\n229 E. 5a/bb S. 235; BGer, Urteil 4A_521/2013 vom 9. April 2014, E. 3.1). An\ndie Sicherheit öffentlicher Gebäude oder privater Gebäude mit\nPublikumsverkehr sind höhere Anforderungen zu stellen (BGE 118 II 36 E. 4a\nS. 38; BGE 117 II 399 E. 2 S. 400; BGer, Urteil 4A_521/2013 vom 9. April\n2014, E. 3.2). Auch ältere oder behinderte Personen müssen sich in solchen\nGebäuden ohne Aufwendung besonderer Aufmerksamkeit sicher und\ngefahrlos bewegen können (BGE 117 II 399 E. 2 S. 400). Der\nWerkeigentümer muss aber nicht jeder erdenklichen Gefahr vorbeugen. Er\ndarf Risiken ausser Acht lassen, die von den Benützern des Werks oder von\nPersonen, die mit dem Werk in Berührung kommen, mit einem Mindestmass\nan Vorsicht vermieden werden können. Ein ausgefallenes,\nunwahrscheinliches Verhalten muss nicht einberechnet werden (BGE 130 III\n736 E. 1.3 S. 742; BGer, Urteil 4A_521/2013 vom 9. April 2014, E. 3.2).\nSolches Vertrauen auf durchschnittliche Vernunft und Vorsicht ist aber nicht\nmehr angebracht, wenn aufgrund der Beschaffenheit des Werks augenfällig\nist, dass Unvernunft und Unvorsichtigkeit zu schweren Schädigungen führen\nkönnen. Diesfalls ist den vom Werk ausgehenden Gefahren vielmehr mit allen\nzumutbaren Schutzvorkehren zu begegnen (BGer, Urteil 4A_521/2013 vom 9.\nApril 2014, E. 3.2). Die Sicherung des Werkes muss jedoch auch zumutbar\nsein. Die Beseitigung allfälliger Mängel oder das Anbringen von\nKantonsgericht Schwyz 6\n\nSicherheitsvorrichtungen muss technisch möglich sein und die\nentsprechenden Kosten müssen in einem vernünftigen Verhältnis zum\nSchutzinteresse der Benützer und dem Zweck des Werks stehen (BGE 130 III\n736 E. 1.3 S. 742; BGE 117 II E. 2 S. 400; BGer, Urteil 4A_521/2013 vom 9.\nApril 2014, E. 3.3; BGer, Urteil 4A_382/2012, E. 3.1). Dem Werkeigentümer\nsind Aufwendungen nicht zuzumuten, die in keinem Verhältnis zur\nZweckbestimmung des Werks stehen (BGE 130 III 736 E. 1.3 S. 742). Die\nVerpflichtung des Werkeigentümers, ein mängelfreies Werk zu errichten und\nzu unterhalten, ist umso strenger zu beurteilen, je grössere Risiken das Werk\nmit sich bringt (BGE 106 II 209 E. 1a S. 211 = Pra 70, 1981, Nr. 56; BGE 126\nIII 113 E. 2b S. 116 = Pra 89, 2000, Nr. 185), je grösser der Grad der\nGefährdung, die Bedeutung des gefährdenden Rechtsgutes und die Schwere\nmöglicher Verletzungen (Fischer/Iten, in: Fischer/Luterbacher,\nHaftpflichtkommentar, 2016, N 42 zu Art. 58 OR; BGE 126 III 113 E. 2b S. 116\n= Pra 89, 2000, Nr. 185) bzw. je grösser der Grad der Wahrscheinlichkeit und\ndas Ausmass des zu erwartenden Schadens (BGer, Urteil 4A_521/2013 vom\n9. April 2014, E. 3.3) sowie je tiefer der Grad der Wirksamkeit der Massnahme\nund je kostengünstiger die Sicherheitsvorkehrungen und deren Nachteile sind\n(BGE 106 II 209 E. 1a S. 211 = Pra 70, 1981, Nr. 56; BGE 117 II E. 3e S. 403;\nBGE 126 III 113 E. 2b S. 116 = Pra 89, 2000, Nr. 185; BGer, Urteil\n4A_521/2013 vom 9. April 2014, E. 3.3 und 4.2). Ein Mangel darf nicht schon\ndann angenommen werden, wenn beispielsweise bereits früher Personen\nwegen eines Tritts gestürzt sind. Indessen können gehäufte Vorkommnisse\nals Indizien für die Gefährlichkeit der Stufe und somit für das Vorliegen eines\nWerkmangels gewertet werden (BGE 117 II 399 E. 3b S. 401). Der Hinweis\ndes Werkeigentümers, dass bisher noch nie etwas passiert sei, stellt ein Indiz\nfür eine genügende Verkehrssicherungspflicht dar, vermag die Mängelfreiheit\ndes Werks aber keinesfalls zu beweisen (Fischer/Iten, a.a.O., N 42 zu Art. 58\nOR).\nKantonsgericht Schwyz 7\n\n"}