{"Signatur": "SH_OG_001", "Spider": "SH_OG", "Datum": "2021-02-08", "PDF": {"Datei": "SH_OG/SH_OG_001_40-2002-6_2021-02-08.pdf", "URL": "https://obergerichtsentscheide.sh.ch/CMS/get/file/a3f5051b-2e90-4632-9274-3f98fd479b54", "Checksum": "572866e84b82cc1620fe0504f1c9a282"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["40/2002/6"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht 08.02.2021 (publiziert) 40/2002/6"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht 08.02.2021 (publié) 40/2002/6"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht 08.02.2021 (pubblicato) 40/2002/6"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Obergerichtskanzlei"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 132 Abs. 2 und Art. 218 Abs. 2 ZGB; Art. 297, Art. 354 Ziff. 5 und Art. 364 Abs. 2 ZPO. | Kantonales Rechtsmittel bei Sicherstellung k&uuml;nftiger Unterhaltsbeitr&auml;ge und g&uuml;terrechtlicher Beteiligungsforderungen"}], "ScrapyJob": "446973/57/1618", "Zeit UTC": "04.12.2024 02:22:22", "Checksum": "e8848f1490ac7043a08820141fa40ce6", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Schaffhausen Obergericht 08.02.2021 (publiziert) 40/2002/6\nRegeste:\nArt. 132 Abs. 2 und Art. 218 Abs. 2 ZGB; Art. 297, Art. 354 Ziff. 5 und Art. 364 Abs. 2 ZPO. | Kantonales Rechtsmittel bei Sicherstellung k&uuml;nftiger Unterhaltsbeitr&auml;ge und g&uuml;terrechtlicher Beteiligungsforderungen\n\n 2003\n\nArt. 132 Abs. 2 und Art. 218 Abs. 2 ZGB; Art. 297, Art. 354 Ziff. 5 und\nArt. 364 Abs. 2 ZPO. Kantonales Rechtsmittel bei Sicherstellung künftiger Unterhaltsbeiträge und güterrechtlicher Beteiligungsforderungen\n(Entscheid des Obergerichts Nr. 40/2002/6 vom 10. Januar 2003 i.S. B.).\n\nGegen erstinstanzliche Verfügungen betreffend Sicherstellung künftiger\nUnterhaltsbeiträge und güterrechtlicher Beteiligungsforderungen ist der Rekurs zulässig.\n\nAus den Erwägungen:\n\n1.– Gemäss Art. 354 Ziff. 5 der Zivilprozessordnung für den Kanton\nSchaffhausen vom 3. September 1951 (ZPO, SHR 273.100) ist der Rekurs\nzulässig gegen Verfügungen im summarischen Verfahren; davon ausgenommen sind jedoch unter anderem Verfügungen, mit denen über vorsorgliche\nMassnahmen vor Anhängigmachung eines Rechtsstreites entschieden wurde,\nsowie Verfügungen über Eheschutzmassnahmen (Art. 354 Ziff. 5 lit. c und d\nZPO). Nach Art. 364 Abs. 2 ZPO steht gegen Verfügungen, mit denen über\nvorsorgliche Massnahmen entschieden wurde, die Nichtigkeitsbeschwerde\noffen.\nAngefochten ist im vorliegenden Fall die von der Einzelrichterin verfügte\nSicherstellung künftiger Unterhaltsbeiträge und einer güterrechtlichen Beteiligungsforderung nach Art. 132 Abs. 2 und Art. 218 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 220). Derartige\nVerfügungen ergehen im summarischen Verfahren (Art. 291 Abs. 2 ZPO). Es\nstellt sich daher die Frage, ob sie gemäss Art. 354 Ziff. 5 ZPO durch Rekurs\nanfechtbar sind. Die Einzelrichterin verneint dies aufgrund der zitierten Vorschriften von Art. 354 Ziff. 5 lit. c und d und Art. 364 Abs. 2 ZPO sowie unter Hinweis auf die Zielrichtung der Revision der Zivilprozessordnung vom\n21. August 1995. Der Rekurrent ist hingegen der Auffassung, die streitigen\nSicherstellungen fielen unter keinen der in Art. 354 Ziff. 5 ZPO umschriebenen Ausschlussgründe, weshalb der Rekurs zulässig sei.\nBei der Sicherstellung geht es um die Sicherung der Erfüllung (Peter\nBreitschmid, Basler Kommentar, 2. A., Basel/Genf/München 2002, Art. 292\nZGB N. 2, S. 1558). Die Sicherstellung bildet – wie die Anweisung an die\nSchuldner – Teil der Vollstreckungssicherung nachehelicher periodischer Unterhaltsleistungen (vgl. Breitschmid, Art. 131/132 ZGB N. 2, S. 821) oder gü-\n\n1\n2003\n\nterrechtlicher Forderungen. Dementsprechend ist Art. 132 ZGB den Bestimmungen des Scheidungsrechts über die Vollstreckung zugeordnet (vgl. den\nRandtitel \"IV. Vollstreckung\" zu Art. 131 ff. ZGB). Demnach geht es um ein\nBefehlsverfahren i.S.v. Art. 297 Ziff. 1 ZPO zur \"Vollstreckung von Ansprüchen\". Im Unterschied zu vorsorglichen Massnahmen dient die Sicherstellung\nkünftiger Unterhaltsbeiträge (Art. 132 Abs. 2 ZGB) weder der Erhaltung des\nbestehenden Zustandes vor Anhängigmachung eines Rechtsstreites (Art. 297\nZiff. 2 ZPO) noch dem vorläufigen Rechtsschutz während des ordentlichen\nProzesses (vgl. Vogel/Spühler, Grundriss des Zivilprozessrechts, 7. A., Bern\n2001, 12. Kapitel N. 190, S. 348). Voraussetzung für ihre Anordnung ist ein\nvollstreckbarer Anspruch der berechtigten Person (Sutter/Freiburghaus,\nKommentar zum neuen Scheidungsrecht, Zürich 1999, Art. 132 ZGB N. 26,\nS. 369). Die Gläubigerin hat somit ihre Forderung nicht noch in einem Zivilprozess geltend zu machen. Was die Sicherstellung güterrechtlicher Ansprüche (Art. 218 Abs. 2 ZGB) anbetrifft, so besteht sie, \"sofern es die Umstände\nrechtfertigen\" (vgl. Heinz Hausheer, Basler Kommentar, 2. A., Basel/\nGenf/München 2002, Art. 218 ZGB N. 15, S. 1207). Eine Qualifikation als\nvorsorgliche Massnahme ist gleichfalls auszuschliessen. Die Sicherstellungen\nnach Art. 132 und Art. 218 ZGB fallen damit nicht unter Art. 354 Ziff. 5 lit. c\nund d ZPO.\nBei der Revision der Zivilprozessordnung vom 21. August 1995 ging es\ndarum, durch Straffung der prozessualen Vorschriften die Justiz zu entlasten\nund die Prozesse entsprechend zu beschleunigen. Dieses Ziel der damaligen\nGesetzesrevision kann jedoch eine Auslegung der massgebenden Vorschriften\ngegen den klaren Gesetzeswortlaut nicht rechtfertigen (BGE 126 III 54 E. 2d\nmit Hinweisen; OGE vom 8. September 2000 i.S. N., E. 1b aa, Amtsbericht\n2000, S. 84; nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts Nr. 4P.275/2000\nvom 31. Januar 2001 i.S. N., E. 3, S. 4 ff.).\nDer Rekurs ist demnach gegen erstinstanzliche Verfügungen, mit denen\neine Sicherstellung nach Art. 132 Abs. 2 oder Art. 218 Abs. 2 ZGB angeordnet wurde, aufgrund von Art. 354 Ziff. 5 ZPO zulässig.\n\n2\n"}