{"Signatur": "SH_OG_001", "Spider": "SH_OG", "Datum": "2022-03-03", "PDF": {"Datei": "SH_OG/SH_OG_001_10-2020-1-und-10-202_2022-03-03.pdf", "URL": "https://obergerichtsentscheide.sh.ch/CMS/get/file/9db76c0b-4e8f-4236-a698-aa2b8a4fb5f9", "Checksum": "cadbb58e7d7c219e76d19d9b078139eb"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["10/2020/1 und 10/2020/9"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht 03.03.2022 (publiziert) 10/2020/1 und 10/2020/9"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht 03.03.2022 (publié) 10/2020/1 und 10/2020/9"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht 03.03.2022 (pubblicato) 10/2020/1 und 10/2020/9"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Obergerichtskanzlei"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Materiell-rechtliche Wirkung des kantonalrechtlichen amtlichen Inventars; Abgrenzung zum bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar – Art. 5 Abs. 1 sowie Art. 553 Abs. 1 und Abs. 3 ZGB; aArt. 73 Abs. 1 und aArt. 84 Abs. 1 EG ZGB; § 20 Abs. 1 und 4 a Erbschaftsverordnung. | Dem kantonalrechtlichen amtlichen Inventar i.S.v. Art. 553 Abs. 3 ZGB kommt im Unterschied zum bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar i.S.v. Art. 553 Abs. 1 ZGB materiell-rechtliche Wirkung zu: Gest&uuml;tzt auf den erm&auml;chtigenden Vorbehalt in Art. 553 Abs. 3 ZGB liegt eine kantonalrechtliche Ausdehnung des Inventars zu zivilrechtlichen Zwecken vor, um sich anl&auml;sslich der Teilung direkt darauf zu st&uuml;tzen (E. 3.7). Der Erbe bleibt an seine unterschriftlich best&auml;tigte Zustimmungserkl&auml;rung zum kantonalrechtlichen Inventar gebunden (E. 4.1).<br>(Eine Beschwerde in Zivilsachen gegen diesen Entscheid hiess&nbsp;das Bundesgericht mit Urteil 5A_1036/2020 vom 14. 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Der Erbe bleibt an seine unterschriftlich best&auml;tigte Zustimmungserkl&auml;rung zum kantonalrechtlichen Inventar gebunden (E. 4.1).<br>(Eine Beschwerde in Zivilsachen gegen diesen Entscheid hiess&nbsp;das Bundesgericht mit Urteil 5A_1036/2020 vom 14. Juli 2021 gut.)\n\n3.1. Das Inventar i.S.v. Art. 553 ZGB bezweckt die behördliche Feststellung aller beim Erbgang (vgl. Art. 537 Abs. 1 ZGB) vorhandenen Vermögenswerte (Frank\nEmmel, in: Abt/Weibel [Hrsg.], Praxiskommentar Erbrecht, 4. A., Basel 2019,\nArt. 553 N. 1, S. 1094; Karrer/Vogt/Leu, in: Geiser/Wolf [Hrsg.], Basler Kommentar,\nZivilgesetzbuch II, Art. 457–977 ZGB, Art. 1–61 SchlT ZGB, 6. A., Basel 2019,\nArt. 553 N. 2, S. 513; Wolf/Genna, Schweizerisches Privatrecht IV/2, Erbrecht, Basel 2015, S. 39). Bundesrechtlich erforderlich ist die Inventarisierung einzig der Aktiven, nicht aber der Passiven, und dies überdies ohne eine Schätzung, zumal\nZweck des bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventars lediglich die Bestandesfeststellung per Todestag, nicht aber die Wertermittlung des Nachlasses ist (Emmel, Art. 553 N. 2, S. 1095; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 2 ff., S. 513 f.; Wolf/\nGenna, S. 41 f.); das kantonale Recht kann gestützt auf Art. 553 Abs. 2 ZGB den\nerforderlichen Inhalt des Inventars allerdings erweitern (Emmel, Art. 553 N. 2 und\n4, S. 1095 f.; Karrer/ Vogt/Leu, Art. 553 N. 3, S. 514; Wolf/Genna, S. 42). Das bundeszivilrechtliche Sicherungsinventar kann jederzeit abgeändert oder ergänzt werden, sofern es sich als unrichtig oder unvollständig erweist (BGer 5A_434/2012\nvom 18. Dezember 2012 E. 3.2.2; Emmel, Art. 553 N. 8, S. 1099; Karrer/Vogt/Leu,\nArt. 553 N. 16, S. 516).\nErben sind gegenüber der Inventarbehörde im gleichen Umfang wie nach Art. 607\nAbs. 3 und Art. 610 Abs. 2 ZGB auskunftspflichtig (Peter Breitschmid, Vorsorgliche\nMassnahmen im Erbrecht, successio 2009 S. 107; Emmel, Art. 553 N. 12, S. 1100;\nRené Strazzer, Überblick über die erbrechtlichen Sicherungsmassnahmen, Anwaltsrevue 2011 S. 471; Stephan Wolf, Die Sicherungsmassregeln im Erbgang\n[Art. 551–559 ZGB], ZBJV 1999 S. 196); die Ausgestaltung der Auskunftspflicht\nwird durch das kantonale Recht geregelt (Emmel, Art. 553 N. 13, S. 1100). Forderungen gegenüber Dritten sind zu inventarisieren (BGer 5A_434/2012 vom 18. Dezember 2012 E. 3.2.2; ZR 69/1970 Nr. 6; Breitschmid, successio 2009 S. 107; Emmel, Art. 553 N. 3a, S. 1096), ebenso – mit einem entsprechend zu vermerkenden\nVorbehalt – Vermögenswerte, deren Zugehörigkeit zum Nachlass nicht klar feststeht oder umstritten ist (BGer 5A_434/2012 vom 18. Dezember 2012 E. 3.2.2;\nEmmel, Art. 553 N. 3, S. 1095; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 3, S. 513). Eine Zustimmung der Erben zum bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar bedeutet hin-\n\n2\n2020\n\nsichtlich inventarisierter Passiven keine Schuldanerkennung gegenüber den Gläubigern, und zwar weder in Bezug auf den Bestand noch auf die Höhe der Schulden.\nDie Erben können sowohl untereinander wie auch gegenüber Dritten im bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar inventarisierte Schulden bestreiten (Wolf, ZBJV\n1999 S. 198).\n\n"}