{"Signatur": "SH_OG_001", "Spider": "SH_OG", "Datum": "2020-11-03", "PDF": {"Datei": "SH_OG/SH_OG_001_10-2020-1-und-10-202_2020-11-03.pdf", "URL": "https://obergerichtsentscheide.sh.ch/CMS/get/file/9db76c0b-4e8f-4236-a698-aa2b8a4fb5f9", "Checksum": "cadbb58e7d7c219e76d19d9b078139eb"}, "Scrapedate": "2025-08-01", "Num": ["10/2020/1 und 10/2020/9"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht 03.11.2020 10/2020/1 und 10/2020/9"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht 03.11.2020 10/2020/1 und 10/2020/9"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht 03.11.2020 10/2020/1 und 10/2020/9"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht "}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Materiell-rechtliche Wirkung des kantonalrechtlichen amtlichen Inventars; Abgrenzung zum bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar – Art. 5 Abs. 1 sowie Art. 553 Abs. 1 und Abs. 3 ZGB; aArt. 73 Abs. 1 und aArt. 84 Abs. 1 EG ZGB; § 20 Abs. 1 und 4 aErbschaftsverordnung. | Dem kantonalrechtlichen amtlichen Inventar i.S.v. Art. 553 Abs. 3 ZGB kommt im Unterschied zum bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar i.S.v. Art. 553 Abs. 1 ZGB materiell-rechtliche Wirkung zu: Gest&uuml;tzt auf den erm&auml;chtigenden Vorbehalt in Art. 553 Abs. 3 ZGB liegt eine kantonalrechtliche Ausdehnung des Inventars zu zivilrechtlichen Zwecken vor, um sich anl&auml;sslich der Teilung direkt darauf zu st&uuml;tzen (E. 3.7). Der Erbe bleibt an seine unterschriftlich best&auml;tigte Zustimmungserkl&auml;rung zum kantonalrechtlichen Inventar gebunden (E. 4.1).\n\n&nbsp;\n\n(Eine Beschwerde in Zivilsachen gegen diesen Entscheid hiess&nbsp;das Bundesgericht mit Urteil 5A_1036/2020 vom 14. 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Der Erbe bleibt an seine unterschriftlich best&auml;tigte Zustimmungserkl&auml;rung zum kantonalrechtlichen Inventar gebunden (E. 4.1).\n\n&nbsp;\n\n(Eine Beschwerde in Zivilsachen gegen diesen Entscheid hiess&nbsp;das Bundesgericht mit Urteil 5A_1036/2020 vom 14. Juli 2021 gut.)\n\n3.2. Abzugrenzen ist das Inventar i.S.v. Art. 553 ZGB einerseits vom öffentlichen Inventar (Art. 580 ff. ZGB) sowie vom Liquidationsinventar (Art. 595 Abs. 2\nZGB), welche eine möglichst genaue Ermittlung von Aktiven und Passiven bezwecken, damit über eine Ausschlagung oder eine Annahme der Erbschaft mit Haftungsbeschränkung entschieden bzw. die Frage geklärt werden kann, ob eine ordentliche oder konkursamtliche Liquidation des Nachlasses erforderlich ist (Emmel, Art. 553 N. 7, S. 1098). Zu unterscheiden ist es andererseits aber grundsätzlich auch vom Steuerinventar, dessen Aufnahme Art. 154 ff. des Bundesgesetzes\nüber die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG, SR 642.11) sowie\ngestützt auf Art. 54 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten\nSteuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (Steuerharmonisierungsgesetz, StHG, SR 642.14) das kantonale Recht für jeden Todesfall vorschreiben (vgl. § 9 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 20. November 2007 [SHR 642.111]). Das Inventar i.S.v. Art. 553 ZGB\nkann zwar mit dem vorgeschriebenen Steuerinventar zusammenfallen (vgl. auch\nArt. 3 der Verordnung über die Errichtung des Nachlassinventars für die direkte\nBundessteuer vom 16. November 1994 [InvV, SR 642.113]); sofern es sich dabei\nnicht um ein zu zivilrechtlichen Zwecken ergänztes, amtliches Inventar i.S.v.\nArt. 553 Abs. 3 ZGB handelt (vgl. hierzu eingehend E. 3.7), sind allfällig für das\nSteuerinventar vorgeschriebene Schätzungen der Vermögenswerte zivilrechtlich\nfür die Erbteilung nicht von Bedeutung (BGE 120 Ia 258 E. 1b S. 259; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 5). Ebenfalls keine materiell-rechtlichen Wirkungen hat\ndas bundeszivilrechtliche Sicherungsinventar für die Berechnung der Erb- und\nPflichtteile (BGE 120 Ia 258 E. 1b S. 259; BGE 120 II 293 E. 2 S. 296; Emmel,\nArt. 553 N. 8, S. 1099; BGE 118 II 264 E. 4b/bb S. 270; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553\nN. 16, S. 517); es bildet entsprechend kein Teilungsinventar, kann aber Ausgangspunkt für weitere Operationen darstellen (BGE 118 II 264 E. 4b/b S. 271; vgl. z.B.\nauch Peter Breitschmid, Die Stellung des Willensvollstreckers in der Erbteilung, in:\nDruey/Breitschmid [Hrsg.], Praktische Probleme der Erbteilung, Bern/Stuttgart/Wien 1997, S. 114 f., sowie Paul Eitel, Grundfragen der Erbteilung, in: Jürg\nSchmid [Hrsg.], Nachlassplanung und Nachlassteilung, Zürich 2014, S. 329). Entsprechend schafft das bundeszivilrechtliche Sicherungsinventar allein auch keine\nVermutung für oder gegen die Zugehörigkeit von Aktiven oder Passiven zum Nachlassvermögen (Emmel, Art. 553 N. 8, S. 1099; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 16,\nS. 517; Wolf/Hrubesch-Millauer, Grundriss des schweizerischen Erbrechts, Bern\n3\n2020\n\n2017, N. 1335, S. 354) und erbringt (wie Inventare im Allgemeinen) Beweis i.S.v.\nArt. 9 ZGB ausschliesslich dann, wenn ihr Inhalt durch eine Urkundsperson materiell geprüft worden ist (Lardelli/Vetter, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1–456 ZGB, 6. A., Basel 2018, Art. 9 N. 27, S. 155;\nvgl. z.B. BGE 118 II 264 Bst. B S. 265 i.V.m. BGE 120 Ia 258 E. 1b f. S. 259).\n\n3.3. Der Kanton Schaffhausen hatte bis zum Inkrafttreten der in der Volksabstimmung vom 8. März 2015 angenommenen Änderung des Einführungsgesetzes\nzum Zivilgesetzbuch vom 10. November 2014 (ABl 2014 1655 ff.) am 1. Mai 2016\n(ABl 2016 283) die ermächtigenden Vorbehalte zugunsten des kantonalen Rechts\nin Art. 553 Abs. 3 und Art. 609 Abs. 2 ZGB ausgeschöpft: aArt. 73 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 27. Juni\n1911 (EG ZGB, SHR 210.100) in der hier massgebenden früheren Fassung sah\nvor, dass die Erbschaftsbehörde \"in allen Fällen […] über die Erbschaft ein amtliches Inventar aufzunehmen\" hat. Weiter statuierte aArt. 84 Abs. 1 EG ZGB, dass\ndie Erbteilung unter Mitwirkung der Erbschaftsbehörde erfolge, falls die Erben nicht\nschriftlich darauf verzichteten. Diese Bestimmungen finden auf den vorliegenden\nFall weiterhin Anwendung, da die Übergangsbestimmungen in Art. II der angenommenen Änderung des EG ZGB statuieren, dass Nachlässe vor Inkrafttreten des\n(geänderten) Gesetzes nach bisherigem Recht abgewickelt werden (vgl. ABl 2014\n1657) und die Erblasserin am 4. April 2014 verstorben ist. Entsprechend beanspruchen für den vorliegenden Fall auch die §§ 18 ff. der zum Zeitpunkt des Todes der\nErblasserin geltenden Erbschaftsverordnung vom 6. September 1977 (aEV;\nSHR 211.231) Geltung (vgl. auch § 36 Abs. 2 der Erbschaftsverordnung vom\n16. Februar 2016 [SHR 211.231]).\n\n"}