{"Signatur": "SH_OG_001", "Spider": "SH_OG", "Datum": "2021-02-10", "PDF": {"Datei": "SH_OG/SH_OG_001_10-2014-29_2021-02-10.pdf", "URL": "https://obergerichtsentscheide.sh.ch/CMS/get/file/4c688d9c-b1fe-42b3-a28a-ec1d9efd4dba", "Checksum": "f19ba83ffd056feee8a775fe9ff3c64b"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["10/2014/29"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht 10.02.2021 (publiziert) 10/2014/29"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht 10.02.2021 (publié) 10/2014/29"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht 10.02.2021 (pubblicato) 10/2014/29"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Obergerichtskanzlei"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 56 Ziff. 2, Art. 63 und Art. 265a Abs. 4 SchKG; Art. 145 Abs. 1 lit. b und Abs. 4 ZPO. | Klage auf Bestreitung neuen Verm&ouml;gens; Anwendbarkeit der Bestimmungen &uuml;ber die Betreibungsferien auf die Klagefrist"}], "ScrapyJob": "446973/57/1618", "Zeit UTC": "04.12.2024 02:24:30", "Checksum": "b36a8e303545c3f4f4d14f5a064a0005", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Schaffhausen Obergericht 10.02.2021 (publiziert) 10/2014/29\nRegeste:\nArt. 56 Ziff. 2, Art. 63 und Art. 265a Abs. 4 SchKG; Art. 145 Abs. 1 lit. b und Abs. 4 ZPO. | Klage auf Bestreitung neuen Verm&ouml;gens; Anwendbarkeit der Bestimmungen &uuml;ber die Betreibungsferien auf die Klagefrist\n\nIn der Lehre wird der Anwendungsbereich von Art. 145 Abs. 4 ZPO nicht einheitlich\ndefiniert. Es herrscht jedoch im Grundsatz Einigkeit, dass vom Vorbehalt zumindest rein betreibungsrechtliche Verfahren betroffen sind (Adrian Staehelin, in: Sut-\nter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. A., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 145 N. 7, S. 1097;\nNina J. Frei, Berner Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Bern\n2012, Art. 145 N. 19, S. 1605; unklar Jurij Benn, in: Spühler/Tenchio/Infanger\n[Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilprozessordnung, 2. A., Basel 2013, Art. 145 N. 9,\nS. 796; vgl. dazu auch Jenny/Jenny, in: Gehri/Jent-Sørensen/Sarbach [Hrsg.], OF-\nKommentar, ZPO, 2. A., Zürich 2015, Art. 145 N. 6 f., S. 340). Ein Teil der Lehre\nwill entsprechend der Botschaft den Vorbehalt zusätzlich auf weitere Klagen im\nZusammenhang mit einer Betreibung anwenden, zum Beispiel auf Aberken-\nnungs-, Rückforderungs-, Kollokations-, Aussonderungs-, paulianische Anfech-\ntungs- und Arrestprosequierungsklagen (Barbara Merz, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar, 2. A.,\nZürich/St. Gallen 2016, Art. 145 N. 32 f., S. 1072; Tappy, in: Bohnet/Haldy/Jeandin/Schweizer/Tappy [Hrsg.], Code de procédure civile commenté, Basel 2011,\nArt. 145 N. 18, S. 588; Thomas Bauer, in: Staehelin/Bauer/Staehelin [Hrsg.], Basler\nKommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, 2. A., Basel\n2010, Art. 63 N. 8, S. 436; vgl. auch Urs. H. Hoffmann-Nowotny, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], ZPO Kurzkommentar, 2. A., Basel 2014, Art. 145 N. 11,\nS. 732 f.; Daniel Staehelin, in: Staehelin/Bauer/Staehelin [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, 2. A., Basel 2010, Art. 83\nN. 26 f., S. 746; siehe in diesem Zusammenhang auch Adrian Staehelin, Art. 145\nN. 9, S. 1098, wonach die zwanzigtägige Frist zur Einreichung der Aberkennungsklage als Bestandteil des Rechtsöffnungsverfahrens \"originär\" den Bestimmungen\nüber den Rechtsstillstand und die Betreibungsferien des SchKG untersteht).\n\nZusammengefasst ist davon auszugehen, dass vom Vorbehalt nach Art. 145\nAbs. 4 ZPO zumindest rein betreibungsrechtliche Klagen betroffen sind (vgl. dazu\nauch OGer LU 1B 15 16 vom 24. August 2015, CAN 2016 Nr. 14 S. 41 ff.).\n\n2.3.2. Das Bundesgericht und die überwiegende Meinung in der Lehre bewerten\ndie Klage auf Feststellung oder Bestreitung neuen Vermögens nach Art. 265a\nAbs. 4 SchKG als Klage rein betreibungsrechtlicher Natur (BGE 131 I 24 E. 2.3\nS. 29; BGer 5A_104/2010 vom 28. April 2010, E. 3.2.1; 5A_283/2007 vom 15. November 2007, E. 1.1; Amonn/Walther, § 4 N. 52, S. 29, und § 48 N. 44, S. 461;\nKren Kostkiewicz, Schuldbetreibungs- und Konkursrecht, 2. A., Zürich 2014, § 2\nN. 82 S. 23; Vock/Milani, SchKG-Klagen nach der Schweizerischen ZPO, Zürich/Basel/Genf 2012, § 13 S. 100). Der Kläger legt nicht näher dar, weshalb diese\n\n3\n2016\n\nAuffassung unrichtig wäre. Dass es sich nicht um eine Summarsache handelt, verleiht der Klage noch keinen materiellen Charakter (vgl. aber Staehelin/Staehelin/Grolimund, Zivilprozessrecht, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2013, § 7 N. 7 ff., S. 61\nf., die, ohne dies näher zu begründen, von einer betreibungsrechtlichen Streitigkeit\nmit Reflexwirkung auf das materielle Recht ausgehen). Jedenfalls ist nicht ersichtlich, weshalb im Verfahren betreffend Feststellung oder Bestreitung neuen Vermögens nach Art. 265a Abs. 4 SchKG vorfrageweise materielles Recht angewendet würde. Namentlich ist der Dritte, dessen Vermögenswerte für pfändbar erklärt\nwurden, auf das Widerspruchsverfahren nach Art. 106 ff. SchKG zu verweisen\n(Ueli Huber, in: Staehelin/Bauer/Staehelin [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II, 2. A., Basel 2010, Art. 265a N. 47,\nS. 2308). Von der konstanten Rechtsprechung des Bundesgerichts und der überwiegenden Meinung in der Lehre ist nicht abzuweichen. Demnach ist die Klage auf\nFeststellung oder Bestreitung neuen Vermögens nach Art. 265a Abs. 4 SchKG als\nrein betreibungsrechtliche Klage zu betrachten.\n\n2.3.3. Das Kantonsgericht hat ausgeführt, dass die rein betreibungsrechtlichen\nStreitigkeiten unter Art. 63 SchKG fallen. Dies darf jedoch nicht dahingehend verstanden werden, dass dann für alle Fristen im Verfahren Art. 63 SchKG anwendbar\nwäre. In ständiger Rechtsprechung verlangt das Bundesgericht für die Anwendbarkeit von Art. 63 SchKG nämlich eine Frist, welche durch eine Betreibungshandlung\nausgelöst wird (BGE 117 III 4 E. 3 S. 5; 115 III 6 E. 4 S. 9 f., BGer 5A_547/2014\nvom 1. September 2014, E. 3.2; weitere Hinweise auf die Rechtsprechung bei\nBauer, Art. 63 N. 7 S. 435; vgl. auch OGer LU 1B 15 16 vom 24. August 2015,\nE. 6.4, CAN 2016 Nr. 14 S. 43 f.). Mithin führt die Qualifikation einer Klage als rein\nbetreibungsrechtliche Streitigkeit noch nicht dazu, dass auf eine bestimmte Frist\nArt. 63 SchKG anwendbar ist.\n\n"}