{"Signatur": "SH_OG_001", "Spider": "SH_OG", "Datum": "2021-02-15", "PDF": {"Datei": "SH_OG/SH_OG_001_10-2012-19_2021-02-15.pdf", "URL": "https://obergerichtsentscheide.sh.ch/CMS/get/file/651c7577-45fc-49f1-ac20-dd61ba4bd3cf", "Checksum": "1e6e6ecb5c527768defa9df4c18ca348"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["10/2012/19"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht 15.02.2021 (publiziert) 10/2012/19"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht 15.02.2021 (publié) 10/2012/19"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht 15.02.2021 (pubblicato) 10/2012/19"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Schaffhausen Obergericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Schaffhouse Obergericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Sciaffusa Obergericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Obergerichtskanzlei"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 272 und Art. 317 Abs. 1 ZPO. | Novenrecht im Berufungsverfahren bei Geltung des Untersuchungsgrundsatzes"}], "ScrapyJob": "446973/57/1618", "Zeit UTC": "04.12.2024 02:26:10", "Checksum": "8496aa0267c2e5a63dde0f25a8739702", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Schaffhausen Obergericht 15.02.2021 (publiziert) 10/2012/19\nRegeste:\nArt. 272 und Art. 317 Abs. 1 ZPO. | Novenrecht im Berufungsverfahren bei Geltung des Untersuchungsgrundsatzes\n\nvorträgen vorhanden waren, aber trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorher vorgebracht werden konnten (unechte Noven; Abs. 2 lit. b). Hat das Gericht den\nSachverhalt von Amtes wegen abzuklären, so berücksichtigt es neue Tatsachen und Beweismittel bis zur Urteilsberatung (Abs. 3). Das Novenrecht\nwar in den parlamentarischen Beratungen bis zuletzt umstritten. Der Mehrheitsantrag der nationalrätlichen Kommission sah vor, dass bei der Berufung\nneue Tatsachenbehauptungen, Beweisanträge, Bestreitungen und Einreden\nunbeschränkt vorgebracht werden können.12 Eine Minderheit wollte hingegen\ndem Ständerat folgen.13 Dieser hatte vorgesehen, dass in der zweiten Instanz\nnicht mehr der ganze Prozess wiederholbar sein soll. Dies zum einen im Interesse der Verfahrensdisziplin, zum andern zwecks Verfahrensbeschleunigung. Unterstützt wurde der Minderheitsantrag auch von Bundesrätin\nEveline Widmer-Schlumpf, mit dem Argument, dass ein unbeschränktes Novenrecht vor der oberen Instanz das erstinstanzliche Verfahren entwerten und\nunsorgfältiges Prozessieren belohnen würde. Äusserst knapp, mit 85 zu 83\nStimmen, setzte sich im Rat schliesslich der Minderheitsantrag durch.14 Auch\ndie historische Auslegung steht somit klar einer sinngemässen Anwendung\nvon Art. 229 Abs. 3 ZPO im Berufungsverfahren entgegen.\nZum gleichen Ergebnis führt die Gesetzessystematik. Art. 229 Abs. 3\nZPO sieht für erstinstanzliche Verfahren mit Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen ein uneingeschränktes Novenrecht bis zur Urteilsberatung vor,\nwährend für das Berufungsverfahren eine entsprechende Regelung fehlt.\nAuch Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung sind klar. Verfahren mit\nSachverhaltsabklärung von Amtes wegen werden zum Teil als vereinfachte\n(Art. 247 Abs. 2 ZPO) und summarische Verfahren (Art. 255 und Art. 272\nZPO) geführt. Ein wichtiges Ziel beider Verfahren ist es, das Verfahren zu\nbeschleunigen.15 Ein uneingeschränktes Novenrecht würde dies in Frage stellen. Auch kann der Untersuchungsgrundsatz nicht zum Zweck haben, das\nVersäumte in der zweiten Instanz nachzuholen und so den Instanzenzug zu\nverkürzen.\nAls Auslegungsergebnis kann somit festgehalten werden, dass die in\nArt. 317 Abs. 1 ZPO vorgesehene Beschränkung des Novenrechts auch in\nVerfahren zu gelten hat, in denen der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist.\nAuch das Bundesgericht hat in einem neuesten zur Publikation in der\namtlichen Sammlung vorgesehenen Entscheid in diesem Sinn festgehalten:\n\n12\nAmtliches Bulletin des Nationalrats, AB 2008 N 971.\n13\nAB 2008 N 1632, Art. 314 Abs. 1, Fluri Kurt (RL, SO).\n14\nAB 2008 N 1632, 1634, Art. 314 Abs. 1, Widmer-Schlumpf Eveline.\n15\nBotschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), BBl 2006 7345 und 7349.\n\n3\n2012\n\n\"… Il résulte clairement de la systématique de la loi que l'art. 229 al. 3 CPC\nne s'applique qu'à la procédure de première instance. L'art. 317 CPC concerne\nla procédure d'appel et ne contient aucun renvoi, ni aucune règle speciale pour\nla procédure simplifiée ou pour les cas où le juge établit les faits d'office.\nQu'un renvoi ait été prévu dans le projet du Conseil fédéral et qu'il ait été éliminé lors des traveaux parlementaires incite plutôt à penser que le législateur\nn'en a pas voulu.\"16\nEs sind damit im Berufungsverfahren nur noch Noven zu berücksichtigen, welche ohne Verzug vorgebracht werden und welche trotz zumutbarer\nSorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317\nAbs. 1 ZPO).\n\n16\nBGer 4A_228/2012 vom 28. August 2012, E. 2.2.\n\n4\n"}