{"Signatur": "SG_VSG_001", "Spider": "SG_Gerichte", "Datum": "2012-10-11", "PDF": {"Datei": "SG_Gerichte/SG_VSG_001_AHV-2011-12-KZL-2011_2012-10-11.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=677&type=1563347022&cHash=97d63951562b0741914e8f2e8b193976", "Checksum": "4ecd84081fe836dda388ef4b43bdac73"}, "Scrapedate": "2026-05-12", "Scrapetime": "20:16:22", "Num": ["AHV 2011/12+KZL 2011/2"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Versicherungsgericht 11.10.2012 AHV 2011/12+KZL 2011/2"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Versicherungsgericht 11.10.2012 AHV 2011/12+KZL 2011/2"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Versicherungsgericht 11.10.2012 AHV 2011/12+KZL 2011/2"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Versicherungsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Versicherungsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Versicherungsgericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "AHV - Alters- und Hinterlassenenversicherung"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 52 AHVG. Schadenersatzverfahren; Haftung des nicht-geschäftsführenden Mitglieds des Verwaltungsrats für entgangene bundesrechtliche und kantonalrechtliche Beiträge bejaht. (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 11. Oktober 2012, AHV 2011/12 + KZL 2011/2).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Miriam Lendfers undMarie Löhrer; a.o. Gerichtsschreiberin Karin KastEntscheid vom 11. Oktober 2012in SachenA.___,Beschwerdeführer,Rekurrent,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Thalhammer, Schmiedgasse 28, Postfach 546, 9004 St. Gallen,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse und Familienausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,Vorinstanz,betreffendSchadenersatzforderung (i.S. 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Stefan Thalhammer, Schmiedgasse 28, Postfach 546, 9004 St. Gallen,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse und Familienausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,Vorinstanz,betreffendSchadenersatzforderung (i.S. B.___ AG)bundesrechtlicher Streitwert: Fr. 26'803.85kantonalrechtlicher Streitwert: Fr. 3'907.95Sachverhalt:\n\n© Kanton St.Gallen 2026 Seite 4/15\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nC.e Auf entsprechende Anfrage des Versicherungsgerichts vom 14. März 2012\nbetreffend Angaben zum Lohnfluss der B.___ AG in Liquidation im Jahr 2008 teilte das\nKonkursamt am 15. März 2012 mit, dass keine Geschäftsakten archiviert seien. Die\nArchivierungspflicht für die Geschäftsakten obliege den Organen der Konkursitin (act.\nG 10).\n\nC.f Auf die gleiche Anfrage des Versicherungsgerichts vom 19. März 2012 hin teilte\nE.___ mit, dass er über keinerlei Unterlagen betreffend Lohnfluss im Jahr 2008 verfüge.\nDiese seien alle zur Verfügung seiner Geschäftsnachfolger im Büro zurückgelassen\nworden (act. 12).\n\nC.g In Beantwortung des Schreibens des Versicherungsgerichts vom 4. April 2012\nteilte der nachfolgende Geschäftsführer der B.___ AG in Liquidation, F.___, telefonisch\nmit, dass er ebenfalls über keine Buchhaltungsunterlagen des in Frage stehenden\nZeitraums verfüge (act. G 14).\n\nC.h Mit Schreiben vom 11. Juni 2012 unter Fristansetzung eröffnete das Gericht dem\nBeschwerdeführer die Gelegenheit, sich zu den eingereichten Stellungnahmen\n(act. G 10, 12 und 14) zu äussern. Diese Frist liess der Beschwerdeführer unbenutzt\nverstreichen (act. G 15).\n\nC.i Am 14. August 2012 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die vom\nGericht eingeforderten Steuerunterlagen und Lohnausweise ein (act. G 17). Die\nBeschwerdegegnerin nahm dazu keine Stellung.\n\nErwägungen:\n\n1.\n\nDa das Beschwerdeverfahren AHV 2011/12 und das Rekursverfahren KZL 2011/12 den\ngleichen Sachverhalt betreffen und gestützt auf die gleichen bzw. analoge rechtliche\nErwägungen zu entscheiden sind, sind die Verfahren zu vereinigen (vgl. BGE 123 V 215\nE. 1).\n\n2.\n\n© Kanton St.Gallen 2026 Seite 5/15\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nIn den vorliegenden Verfahren streitig ist die Schadenersatzpflicht des\nBeschwerdeführers/Rekurrenten (nachfolgend Beschwerdeführer) als ehemaliger\nVerwaltungsrat der am 21. Mai 2010 aufgelösten B.___ AG für nichtgeleistete bundesund kantonalrechtliche Beitragsforderungen im Jahr 2008 (inkl. Nebenkosten).\n\n3.\n\n3.1 Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von\nVorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen (Art. 52\nAbs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG;\nSR 831.10]). Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, können subsidiär\ngegebenenfalls die verantwortlichen Organe belangt werden (BGE 129 V 11; 123 V 15\nE. 5b mit Hinweisen; seit 1. Januar 2012 verankert Art. 52 Abs. 2 AHVG diesen\nGrundsatz im Gesetz). Der Beschwerdeführer war unbestrittenermassen als im\nHandelsregister eingetragener Verwaltungsrat verantwortliches Organ der B.___ AG.\n\n3.2 Die Familienzulagen ausserhalb der Landwirtschaft richten sich für den hier\nstreitigen Zeitraum nach kantonalem Recht, nämlich nach dem Kinderzulagengesetz\ndes Kantons St. Gallen (KZG; sGS 371.1, in der bis 31. Dezember 2008 geltenden\nFassung). Art. 52 AHVG stellt keine unmittelbare gesetzliche Grundlage für die\nErhebung von Schadenersatz für entgangene kantonalrechtliche Beiträge dar (vgl. BGE\n124 V 146 E. 1). Gemäss Art. 47 KZG (in der bis 31. Dezember 2008 geltenden\nFassung) werden die Bestimmungen der Bundesgesetzgebung über die Alters- und\nHinterlassenenversicherung sachgemäss angewendet, soweit dieses Gesetz keine\nRegelung enthält. Dies gilt insbesondere für die Arbeitgeberhaftung und\nSchadenersatzpflicht (lit. d). Der ausdrückliche Verweis des kantonalen Rechts auf die\nAHV-rechtliche Haftungsbestimmung des Art. 52 AHVG ist hinreichend klar und\neindeutig. Das kantonale Recht bietet gestützt auf Art. 47 Abs. 1 lit. d KZG eine\ngenügende gesetzliche Grundlage für die Schadenersatzpflicht für entgangene\nkantonale Beiträge.\n\n4.\n\n4.1 Art. 52 Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor.\nDamit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle\n\n© Kanton St.Gallen 2026 Seite 6/15\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nHaftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein,\nder auf ein widerrechtliches und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs\nzurückzuführen ist. Wie es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.\n\n"}