{"Signatur": "SG_VSG_001", "Spider": "SG_Gerichte", "Datum": "2011-08-11", "PDF": {"Datei": "SG_Gerichte/SG_VSG_001_AHV-2010-27-und-KZL-_2011-08-11.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=4860&type=1563347022&cHash=5c29de1eb83734833ee0024ba9e165b0", "Checksum": "7f3662ab5cc638f2401e698834552acd"}, "Scrapedate": "2026-05-12", "Scrapetime": "20:29:36", "Num": ["AHV 2010/27 und KZL 2010/14"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Versicherungsgericht 11.08.2011 AHV 2010/27 und KZL 2010/14"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Versicherungsgericht 11.08.2011 AHV 2010/27 und KZL 2010/14"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Versicherungsgericht 11.08.2011 AHV 2010/27 und KZL 2010/14"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Versicherungsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Versicherungsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Versicherungsgericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "AHV - Alters- und Hinterlassenenversicherung"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 52 AHVG, Art. 47 lit. d aKZG, Art. 25 lit. c FamZG. Haftung des geschäftsführenden Gesellschafters für nicht geleistete bundes- und kantonalrechtliche Beiträge sowie für nicht an den berechtigten Arbeitnehmer weitergeleitete Kinderzulagen. Keine Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgründe (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. August 2011, AHV 2010/27 und KZL 2010/14).\r\n \r\nPräsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie-Theres Rüegg Haltinner,\r\nVersicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen\r\n \r\nEntscheid vom 11. August 2011\r\n \r\nin Sachen\r\n \r\nA.___,\r\nBeschwerdeführer,\r\nRekurrent,\r\n \r\ngegen\r\n \r\nSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichs- und Familienausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,\r\nBeschwerdegegnerin,\r\nVorinstanz,\r\n \r\nbetreffend\r\n \r\nSchadenersatzforderung (i.S. 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August 2011\r\n \r\nin Sachen\r\n \r\nA.___,\r\nBeschwerdeführer,\r\nRekurrent,\r\n \r\ngegen\r\n \r\nSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichs- und Familienausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,\r\nBeschwerdegegnerin,\r\nVorinstanz,\r\n \r\nbetreffend\r\n \r\nSchadenersatzforderung (i.S. B.___ GmbH in Konkurs)\r\nbundesrechtlicher Streitwert: Fr. 27'263.25\r\nkantonalrechtlicher Streitwert: Fr. 7'689.85\r\n \r\nSachverhalt:\n\nDa die Verfahren AHV 2010/27 und KZL 2010/14 den gleichen Sachverhalt betreffen\nund gestützt auf dieselben bzw. analogen rechtlichen Erwägungen zu entscheiden\nsind, sind sie zu vereinigen (vgl. BGE 123 V 215 E. 1).\n\n2.\n\nIn den vorliegenden Verfahren ist die Schadenersatzpflicht des Beschwerdeführers für\nnicht geleistete bundes- und kantonalrechtliche Beitragsforderungen betreffend die\nJahresabrechnungen 2007 und 2008, für die Lohnbeiträge betreffend die Monate\nJanuar bis September 2009 (einschliesslich Verzugszinsen, Mahngebühren,\nBetreibungskosten) und für eine Rückforderung wegen nicht weitergeleiteter\nKinderzulagen betreffend das Jahr 2008 (act. G 3.198) im Gesamtbetrag von\nFr. 34'953.10 umstritten und zu prüfen.\n\n2.1 Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und\nHinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) hat ein Arbeitgeber, der durch\nabsichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften der Ausgleichskasse\neinen Schaden verursacht, diesen zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische\nPerson, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe belangt\nwerden (BGE 123 V 15 E. 5b mit Hinweisen; bestätigt in BGE 129 V 11). Daran ändert\nentgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nichts, dass Art. 772 Abs. 1 Satz 3\ndes Obligationenrechts (OR; SR 220) festlegt, für Verbindlichkeiten einer GmbH hafte\nnur das Geschäftsvermögen. Denn die Haftung nach Art. 52 AHVG stellt eine\nSpezialbestimmung des Verantwortlichkeitsrechts des Bundes dar (BGE 129 V 12\nE. 3.1), die derjenigen von Art. 772 Abs. 1 Satz 3 OR vorgeht. Gemäss Art. 47 lit. d des\nKinderzulagengesetzes (KZG; sGS 371.1; für die seit 1. Januar 2009 geltende\nRechtslage vgl. Art. 25 lit. c des Bundesgesetzes über die Familienzulagen [FamZG;\n\n© Kanton St.Gallen 2026 Seite 3/8\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nSR 836.2]) wird Art. 52 AHVG auch für die Beiträge an die kantonale\nFamilienausgleichskasse angewandt.\n\n2.2 Art. 52 Abs. 2 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor.\nDamit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle\nHaftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein,\nder auf ein widerrechtliches und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs\nzurückzuführen ist. Wie es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.\n\n2.3\n\n2.3.1 Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des verantwortlichen Organs\nsetzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Nach der\nRechtsprechung gilt der Schadeneintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen\nZahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren erhoben\nwerden können, beispielsweise bei Erhalt von Pfändungsverlustscheinen oder bei\nKonkurseröffnung über eine juristische Person (BGE 112 V 256 E. 3c; 123 V 16 E. 5b).\nDer Schaden kann unbezahlt gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge,\nVerwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten\nsowie Verzugszinsen für rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das\nSchadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in: Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle\nFragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100).\n\n2.3.2 Die Beschwerdegegnerin macht gestützt auf Pfändungsverlustscheine (vgl. act. G\n3.187) Schadenersatz betreffend die Jahre 2007 bis Ende September 2009 für\nentgangene bundesrechtliche Beiträge im Umfang von Fr. 27'263.25, für entgangene\nkantonalrechtliche Beiträge im Umfang von Fr. 3'725.65 (je anteilig inklusive\nVerzugszinsen, Mahngebühren und Betreibungskosten; vgl. act. 3.195, S. 4-7) sowie\nbetreffend das Jahr 2008 für eine Rückforderung bereits gutgeschriebener, aber nicht\nweitergeleiteter Kinderzulagen von Fr. 3'964.20 (inklusive Nebenkosten), total\nFr. 34'953.10 geltend (vgl. Aufstellung in der angefochtenen Verfügung vom 29. Juni\n2010, act. G 3.190). Das Quantitativ dieser Forderungen ist nicht bestritten. Mangels\noffenkundiger Berechnungsfehler ist somit grundsätzlich von der Schadensberechnung\nder Beschwerdegegnerin und von einem vorliegend massgebenden Schadensbetrag in\nHöhe von Fr. 34'953.10 auszugehen.\n\n© Kanton St.Gallen 2026 Seite 4/8\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\n2.4\n\n2.4.1 Weitere Haftungsvoraussetzung für die vorliegend streitgegenständlichen\nSchadenersatzforderungen ist die Widerrechtlichkeit. Art. 14 Abs. 1 AHVG in\nVerbindung mit Art. 34 ff. AHVV schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder\nLohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den\nArbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat.\n\n"}