{"Signatur": "SG_VGN_001", "Spider": "SG_Publikationen", "Datum": "2019-12-17", "PDF": {"Datei": "SG_Publikationen/SG_VGN_001_B-2019-144_2019-12-17.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte-detail?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=6001&type=1563347022&cHash=a7434da11b2a18c221e1ae5066eda4ee", "Checksum": "85fa6d9c83a53a6602fde0e0e546a3b5"}, "Scrapedate": "2024-05-27", "Num": ["B 2019/144"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Verwaltungsgericht 17.12.2019 B 2019/144"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Verwaltungsgericht 17.12.2019 B 2019/144"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Verwaltungsgericht 17.12.2019 B 2019/144"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Verwaltungsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Verwaltungsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Verwaltungsgericht "}], "ScrapyJob": "446973/74/22", "Zeit UTC": "27.05.2024 04:28:11", "Checksum": "0100d2a741edf046439b95efbd30638a", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid St.Gallen Verwaltungsgericht 17.12.2019 B 2019/144\n\n9.1. Fest steht, dass der Kanton St. Gallen verpflichtet ist, jedem im Kanton\nwohnhaften, schulpflichtigen Kind den unentgeltlichen Besuch einer öffentlichen\nSchule oder anerkannten privaten Sonderschule zu garantieren, die seinen Fähigkeiten\nentspricht und deren Anforderungen es erfüllt, und zwar grundsätzlich am Ort, wo es\nsich aufhält (vgl. Art. 19, Art. 62 Abs. 2 und 3 BV, Art. 2 lit. b und m KV, Art. 20\nAbs. 1 des Bundesgesetzes über die Beseitigung von Benachteiligungen von\nMenschen mit Behinderungen, Behindertengleichstellungsgesetz; SR 151.3, BehiG,\nArt. 1 Abs. 1bis, Art. 34 ff., Art. 45, Art. 48, Art. 51 f. und Art. 53 Abs. 1 VSG,\nBGE 144 I 1 E. 2.1 f., BGE 140 I 153 E. 2.3.1, VerwGE B 2018/36\nvom 24. September 2018 E. 3.1 und 3.3 und VerwGE B 2016/121 vom\n20. Dezember 2016 E. 4.1 je mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Der\nGrundschulunterricht untersteht staatlicher Leitung oder Aufsicht (vgl. Art. 62 Abs. 2\nSatz 2 BV und B. Ehrenzeller, in: derselbe/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.],\nSt. Galler Kommentar, Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, Art. 62\nRz. 30, siehe demgegenüber Art. 27 Abs. 2 Satz 1 der alten Bundesverfassung vom\n29. Mai 1874, wonach der Primarschulunterricht ausschliesslich unter staatlicher\nLeitung steht). Zu den öffentlichen Schulen zählen alle Institutionen, die Kanton und\nGemeinden aufgrund der kantonalen Gesetzgebung führen (vgl. H. Plotke, Bildung und\nSchule in den kantonalen Verfassungen, in: Strukturen des schweizerischen\n\n© Kanton St.Gallen 2024 Seite 12/19\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nBildungswesens, Beiheft Nr. 17 zur ZSR, Basel 1994, S. 5 ff., S. 58 f.). Im Kanton\nSt. Gallen sind die Schul- resp. die Primarschul- bzw. Oberstufenschulgemeinden oder\ndie Einheitsgemeinden Träger der öffentlichen Volksschule (vgl. dazu Art. 3 und Art. 62\nAbs. 1 und Abs. 2 Satz 1 BV, Art. 88 lit. b und Abs. 2 sowie Art. 92 KV, Art. 1 Abs. 2\nlit. b, Art. 2 Abs. 1 lit. a und Abs. 2, Art. 91 GG, Art. 4 Abs. 1 und 2 VSG). In der\npolitischen Gemeinde St. Gallen kann der katholische Konfessionsteil im Sinne einer\n(im Volksschulgesetz statuierten) Ausnahme als Oberstufengemeinde eine – öffentliche\n– Sekundar- und eine Realschule führen (Art. 4 Abs. 3 VSG, siehe auch Art. 46 Abs. 1\nlit. d VKK und Vorlage Stadtparlament St. Gallen vom 9. September 2014, Schulgeld\nfür städtische Sekundarschülerinnen und -schüler an der Katholischen\nKantonssekundarschule Flade, www.stadt.sg.ch).\n\nDie Kantone sind gestützt auf Art. 62 Abs. 2 Satz 2 BV indessen selbst nicht\nverpflichtet, den ausreichenden, allgemein zugänglichen Grundschulunterricht einzig\nund allein in staatlichen Schulen anzubieten (vgl. B. Ehrenzeller, a.a.O., Art. 62 Rz. 30).\nArt. 62 Abs. 2 Satz 2 BV schliesst nicht aus, dass das Gemeinwesen in einem\nbestimmten Umfang (etwa für spezifische Fachausrichtungen) auf die Führung eigener\nstaatlicher Einrichtungen verzichtet und im Rahmen einer Erfüllungsprivatisierung\nanstelle staatlicher Schulen private Schulen mit der Durchführung der öffentlichen\nAufgabe Bildung betraut. Findet eine solche eigentliche Beleihung (etwa über eine\nLeistungsvereinbarung) statt, werden die Beliehenen funktionell zu Verwaltungsträgern.\nAls solche sind sie als Grundrechtsverpflichtete an die Grundrechte gebunden.\nDadurch bleibt die Schule, auch wenn sie von Privaten betrieben wird, eine öffentliche\nSchule (vgl. BGer 2C_586/2016 vom 8. Mai 2017 E. 2.2 mit Hinweisen, in:\nZBl 119/2018, S. 35 ff., Stöckli/Piolino, Religiöse Privatschulen im Spannungsfeld, in:\nAJP 1/2018, S. 42 ff., S. 44, N. Stauffer von Max, Regionale Aufgabenerfüllung und\ndemokratische Rechte, Bern 2018, Rz. 58, und B. Mascello, Elternrecht und\nPrivatschulfreiheit, Wil 1995, S. 12). Ein Beispiel für eine solche Erfüllungsprivatisierung\nsind die staatlich anerkannten privaten Sonderschulen im Kanton St. Gallen (vgl. Art. 1\nAbs. 1bis in Verbindung mit Art. 39 ff. und Art. 124 VSG in Verbindung mit Verordnung\nüber die Anerkennung und Finanzierung von privaten Sonderschulen,\nSonderschulverordnung; sGS 213.951), mit welchen das BLD Leistungsvereinbarungen\nabschliesst (vgl. Art. 40bis lit. a VSG in Verbindung mit Art. 15 f. Sonderschulverordnung\nund zur Finanzierung Art. 39bis f. VSG und Art. 20 ff. Sonderschulverordnung). Obwohl\n\n© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/19\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\n"}