{"Signatur": "SG_KGN_001", "Spider": "SG_Publikationen", "Datum": "2020-11-26", "PDF": {"Datei": "SG_Publikationen/SG_KGN_001_BO-2020-15_2020-11-26.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte-detail?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=9980&type=1563347022&cHash=ce23ed1e0a4fc8464df384fa3955f6d1", "Checksum": "bb1614bee5d4642b801fcd86b63cd619"}, "Scrapedate": "2024-05-27", "Num": ["BO.2020.15"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht 26.11.2020 BO.2020.15"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht 26.11.2020 BO.2020.15"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht 26.11.2020 BO.2020.15"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)"}], "ScrapyJob": "446973/74/22", "Zeit UTC": "27.05.2024 03:15:06", "Checksum": "8fb71981f3c4d4f80efd151a235de060", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid St.Gallen Kantonsgericht 26.11.2020 BO.2020.15\n\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nFall-Nr.: BO.2020.15\nStelle: Kantonsgericht\nRubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)\nPublikationsdatum: 18.02.2021\nEntscheiddatum: 26.11.2020\n\nEntscheid Kantonsgericht, 26.11.2020\nArt. 85a SchKG (SR 281.1); Art. 2 ff., Art. 22 Ziff. 5, Art. 23 LugÜ (SR 0.275.12).\nNegative Feststellungsklage nach Art. 85a SchKG bei Wohn-/Sitz der\nbeklagten Partei im Ausland: In dem LugÜ unterstehenden Fällen ist ein\nGerichtsstand am Betreibungsort im Allgemeinen nur dann gegeben, wenn\ner sich mit einem solchen nach Art. 2 ff. LugÜ deckt, da die Klage nach Art.\n85a SchKG keine vollstreckungsrechtliche Angelegenheit im Sinn von Art. 22\nZiff. 5 LugÜ ist. Der in Art. 85a Abs. 1 SchKG statuierte Gerichtsstand am\nBetreibungsort ist nicht zwingend, weshalb eine die Betreibungsforderung\nbetreffende Gerichtsstandsklausel innerhalb der Schweiz zu beachten ist\n(Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 26. November 2020, BO.2020.15).\n\nAus den Erwägungen:\n\n1. Gemäss Art. 85a Abs. 1 SchKG kann der Betriebene jederzeit vom Gericht des\nBetreibungsortes feststellen lassen, dass die Schuld nicht oder nicht mehr besteht\noder gestundet ist. Heisst das Gericht die Klage gut, so hebt es die Betreibung auf\noder stellt sie ein (Art. 85a Abs. 3 SchKG). Die negative Feststellungsklage nach Art.\n85a SchKG setzt einen rechtskräftigen Zahlungsbefehl voraus (BGE 140 III 41 E. 3.2.2;\nSK SchKG-Vock/Aepli-Wirz, 4. Aufl., Art 85a N 5); sie bezweckt in solchen Fällen die\nAusweitung des Schuldnerschutzes aus materiell-rechtlichen Gründen und soll im\nSinne eines Notbehelfs die Korrektur sachlich unbefriedigender Ergebnisse und\nunverhältnismässiger Härten ermöglichen. Die Klage weist eine Doppelnatur auf, indem\nsie einerseits – als materiell-rechtliche Klage – die Feststellung der Nichtschuld oder\nStundung bezweckt, andererseits bei Gutheissung der Klage aber auch unmittelbar\nbetreibungsrechtliche Wirkung hat (Ammon/Walther, Grundriss des Schuldbetreibungs-\n\n© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/4\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nund Konkursrechts, 9. Aufl., § 20 N 15 f.; KUKO SchKG-Brönnimann, 2. Aufl., Art. 85a\nN 2; Kren Kostkiewicz, OFK SchKG, 19. Aufl., Art. 85a N 1; SK SchKG-Vock/Aepli-\nWirz, Art 85a N 21; BSK SchKG I-Bodmer/Bangert, 2. Aufl., Art. 85a N 1 und 3;\nTenchio, Feststellungsklagen und Feststellungsprozess nach Art. 85a SchKG, 1999, S.\n51 ff., 56 ff.; BGE 129 III 197 E. 2.1; BGE 132 III 89 E. 1.1). Beizufügen bleibt, dass zwar\nSpühler (Schuldbetreibungs- und Konkursrecht I, 7. Aufl., N 726) aus Letzterem\nherleitet, bei der Klage nach Art. 85a SchKG handle es sich um eine\nbetreibungsrechtliche Klage mit (blosser) Reflexwirkung auf das materielle Recht,\nwobei die gerichtliche Feststellung nur vorfrageweise erfolge und nicht über die\nBetreibung hinauswirke. Mit dieser Ansicht steht er allerdings soweit ersichtlich allein,\nund sie wird denn auch von der übrigen Lehre, soweit sich diese damit befasst,\nabgelehnt (so explizit etwa KUKO SchKG-Brönnimann, Art. 85a N 2, und BSK SchKG I-\nBodmer/Bangert, Art. 85a N 3).\n\n2.a) Hier ist Betreibungsort X. Zur Beurteilung einer negativen Feststellungsklage\nnach Art. 85a SchKG wäre daher grundsätzlich (s. indes zum eurointernationalen\nVerhältnis sogleich) das Gericht XX (erstinstanzlich) zuständig.\n\nFür Fälle, die – wie der vorliegende (die Beklagte hat ihren Wohnsitz in Deutschland) –\ndem LugÜ unterstehen, geht die überwiegende Lehre davon aus, dass die Klage nach\nArt. 85a SchKG aufgrund ihrer materiell-rechtlichen Natur nicht als\nvollstreckungsrechtliche Angelegenheit im Sinn von Art. 22 Ziff. 5 LugÜ zu qualifizieren\nist, weshalb ein Gerichtsstand am Betreibungsort im Allgemeinen nur dann gegeben\nist, wenn er sich mit einem solchen nach Art. 2 ff. LugÜ deckt (KUKO SchKG-\nBrönnimann, Art. 85a N 19; Wiget, Fragen der örtlichen Zuständigkeit für\nAnerkennungsklagen, Aberkennungsklagen und Klagen nach Art. 85 und Art. 85a\nSchKG, in: ZZZ 37/2016, S. 55 ff., 61; Tenchio, a.a.O., S. 151 f.). Hier fällt allerdings in\nBetracht, dass die Parteien […] eine Gerichtsstandsvereinbarung im Sinn von Art. 23\nLugÜ zugunsten \"der ordentlichen Gerichte von Y\" getroffen haben. Ob sich die\nKlägerin im vorliegenden Zusammenhang auf diese Gerichtsstandsklausel berufen und\n\n© Kanton St.Gallen 2024 Seite 2/4\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\ndemgemäss (erstinstanzlich) das Kreisgericht Y (und damit zwar ein Gericht in der\nSchweiz, nicht aber jenes am Betreibungsort) anrufen kann, hängt davon ab, ob die in\nArt. 85a Abs. 1 SchKG statuierte örtliche Zuständigkeit am Betreibungsort zwingend ist\noder nicht.\n\n"}