{"Signatur": "SG_KGN_001", "Spider": "SG_Publikationen", "Datum": "2020-09-09", "PDF": {"Datei": "SG_Publikationen/SG_KGN_001_BO-2019-20_2020-09-09.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte-detail?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=9704&type=1563347022&cHash=9df5d0109e4aa7b4c0c592c0f39d0888", "Checksum": "0b7716ccbbe31d5ce7f090b0ddefad50"}, "Scrapedate": "2024-05-27", "Num": ["BO.2019.20"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht 09.09.2020 BO.2019.20"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht 09.09.2020 BO.2019.20"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht 09.09.2020 BO.2019.20"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Zivilkammern (inkl. 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Aufl., N 8.52; Abbet, Délais, féries\net suspensions en droit des poursuites et en procédure civile, in: Journal des tribunaux\n- Droit civil, poursuite et procédure civile, 2016, S. 79; Pichler, Rechtsfragen im\nZusammenhang mit den Fristen zur Ungültigkeitsklage und zur Herabsetzungsklage, in:\nAnwaltsrevue 2020, S. 64; Kriesi, Actio Pauliana, Anfechtbare Handlungen nach Art.\n285 ff. SchKG, 2020, S. 119 ff.; Maisano/Milani/Schmid, Schulthess Kommentar,\n4. Aufl., Art. 31 SchKG N 35 ff.; BSK BGG-Amstutz/Arnold, 3. Aufl., Art. 45 N 4; KUKO\nSchKG-Russenberger/Minet, 2. Aufl., Art. 31 N 16; Kostkiewicz, OFK-SchKG, 19. Aufl.,\nArt. 31 N 1; Cavelti, in: Auer/ Müller/Schindler, Kommentar zum Bundesgesetz über\ndas Verwaltungsverfahren (VwVG), 2. Aufl., Art. 20 N 46 und Praxiskommentar VRP/SG,\n2020, Art. 30-30ter N 75).\n\n© Kanton St.Gallen 2024 Seite 3/8\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nEine Minderheit vertritt dagegen die Ansicht, Art. 142 Abs. 2 ZPO müsse isoliert von\nArt. 142 Abs. 1 ZPO betrachtet werden, weshalb Monatsfristen bereits am Tag des\nEintritts des fristauslösenden Ereignisses begännen. Argumentiert wird dabei\nhauptsächlich damit, dass ansonsten effektiv eine Frist von einem Monat plus ein Tag\ngewährt würde (KUKO-ZPO-Hoffmann-Nowotny, 2. Aufl., Art. 142 N 6; Ernst/Ober­\nholzer, Fristen und Fristberechnung gemäss Zivilprozessordnung, 2013, N 186; Weber,\nMonatsfristen nach ZPO: Dörfs es bitzeli meh sii?, in: Jusletter vom 19. März 2012;\nDolge/Infanger, Schlichtungsverfahren nach Schweizerischer Zivilprozessordnung, S.\n64).\n\nDas Bundesgericht hat sich zu dieser Frage noch nicht explizit geäussert, jedoch in\nverschiedenen Entscheiden den Beginn von Monatsfristen auf den Tag nach dem\nfristauslösenden Ereignis festgelegt (vgl. BGE 138 III 610 E. 2.8; BGer 5A_306/2012 E.\n3; BGer 5A_967/2015 E. 3). Dagegen haben sich mehrere kantonale Gerichte\neingehend mit dieser Frage befasst und sind – soweit ersichtlich – ausnahmslos zum\nSchluss gekommen, Art. 142 Abs. 1 ZPO sei auch auf Monatsfristen anwendbar\n(Obergericht des Kantons Zürich, 17. Februar 2015, LB140093-O, in: ZR 114/2015,\nS. 59 f. E. II.4. ff.; Kantonsgericht Basel-Landschaft, 21. Januar 2020, 400 19 246, E.\n3.1; Kantonsgericht Freiburg, 31. März 2015, 101 2015 9, E. 2d; Kantonsgericht\nSchwyz, 12. August 2014, ZK2 201413; Kantonsgericht Glarus, 25. Februar 2014, ZG.\n2013.01187).\n\nb) Unter den dargestellten Umständen ist vom an sich klaren und\nunmissverständlichen Wortlaut von Art. 142 Abs. 1 und 2 ZPO nur abzuweichen, wenn\ntriftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Norm\nwiedergibt (zu den Grundsätzen der Gesetzesauslegung kann auf die Erwägungen im\nvorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden).\n\n© Kanton St.Gallen 2024 Seite 4/8\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nAus der Entstehungsgeschichte ergeben sich keine eindeutigen Hinweise darauf, ob\nder Gesetzgeber Monatsfristen im letzten Monat an dem Tag enden lassen wollte, der\ndieselbe Zahl wie der fristauslösende Tag trägt, oder einen Tag später. Während der\nVorentwurf der Expertenkommission noch vorsah, dass die nach Monaten bezeichnete\nFrist im letzten Monat an dem Tag endet, der dieselbe Zahl trägt wie der Tag, an dem\nsie mitgeteilt wurde (Art. 134 Abs. 2 VE ZPO), entsprach die Formulierung im Entwurf\ndes Bundesrates der nun geltenden Fassung (Art. 140 Entwurf ZPO). Den Materialien\nist nicht zu entnehmen, was die Beweggründe für diese Änderung waren und ob mit\ndieser geänderten Formulierung auch eine Änderung des Inhalts beabsichtigt war (vgl.\nWeber, a.a.O., N 12; Staehelin, ZPO Komm., Art. 142 N 11; Kriesi, a.a.O., S. 120 f.; s.\nauch Botschaft vom 28. Juni 2006 zur ZPO, BBl 2006, Ziff. 5.9.3 S. 7308 f.).\n\nSystematisch betrachtet bauen die Absätze 1 und 2 von Art. 142 ZPO aufeinander auf.\nWährend Absatz 1 allgemein den Beginn des Fristenlaufs regelt, regelt Absatz 2\nspeziell die Berechnung von Monatsfristen. Zur Bestimmung des in Absatz 2 erwähnten\nTages, \"an dem die Frist zu laufen begann\", ist demnach die Definition in Absatz 1 zu\nberücksichtigen, wonach es sich dabei um den Tag handelt, der der Mitteilung oder\ndem Eintritt des fristauslösenden Ereignisses folgt. Die gesetzessystematische stützt\nsomit die grammatikalische Auslegung (Wortlaut). Diese beiden Auslegungsmethoden\nführen aber zum Ergebnis, dass effektiv eine Frist von einem Monat plus ein Tag zur\nVerfügung steht.\n\nDer Vorinstanz ist zwar zuzustimmen, dass Sinn und Zweck von Art. 142 Abs. 2 ZPO\ngrundsätzlich darin besteht, dass bei einer Frist, die nach Monaten berechnet wird,\neffektiv die entsprechende Anzahl Monate zur Verfügung steht, und nicht noch ein\nzusätzlicher Tag. Allerdings zählt ein Monat ohnehin nicht immer gleich viele Tage,\nweshalb Monatsfristen, gemessen in Anzahl Tagen, unterschiedlich lang sein können,\nihre Dauer also von vornherein nicht präzis definiert ist. Dagegen bedingen\nRechtssicherheit und Prozessökonomie, dass die Vorschriften über den Beginn, die\nDauer und die Einhaltung der Fristen möglichst klar und einfach zu handhaben sind.\n\n© Kanton St.Gallen 2024 Seite 5/8\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\n"}