{"Signatur": "SG_KGN_001", "Spider": "SG_Publikationen", "Datum": "2020-07-06", "PDF": {"Datei": "SG_Publikationen/SG_KGN_001_BO-2018-28-32_2020-07-06.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte-detail?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=9623&type=1563347022&cHash=6aaf429652ec8cf8840caef32f7b5bd6", "Checksum": "de13d83935d6a0f82dc75268e6dff007"}, "Scrapedate": "2024-05-27", "Num": ["BO.2018.28-32"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht 06.07.2020 BO.2018.28-32"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht 06.07.2020 BO.2018.28-32"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht 06.07.2020 BO.2018.28-32"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)"}], "ScrapyJob": "446973/74/22", "Zeit UTC": "27.05.2024 03:46:13", "Checksum": "c35bccb12f41af15626d15b7964bb0fc", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid St.Gallen Kantonsgericht 06.07.2020 BO.2018.28-32\n\n3.1.2 Art. 28 ZGB enthält weder eine Definition der Persönlichkeit noch eine Umschreibung des unerlaubten Verhaltens, welches eine Verletzung der Persönlichkeit begründet. Nach der gebräuchlichen Definition umfasst die Persönlichkeit alles, was zur\nIndividualisierung einer (natürlichen oder juristischen) Person dient und im Rahmen der\nguten Sitten schutzwürdig erscheint (BGE 143 III 297 E. 6.4.1; BGE 70 II 127 E. 2 =\nPra 1994 Nr. 148; BGer 5A_458/2018 E. 5.1; HAUSHEER/AEBI-MÜLLER, a.a.O., N 12.03\nff.). Die Verletzung der Persönlichkeit kann in einem Tun, einem Dulden oder einem\nUnterlassen bestehen. Sie erfasst den einmaligen Akt ebenso wie Wiederholungshandlungen (vgl. dazu BGer 5C.210/2002 E. 3.1 ff.) und einen Zustand (z.B. Plakatwerbung). Von der Form her spielt es keine Rolle, ob die Verletzung in verbaler, schriftlicher oder (audio-)visualisierter Form erfolgt (BSK ZGB I-MEILI, Art. 28 N 40; BGE 143\nIII 297 E. 6.4.3; BGer 5A_458/2018 E. 5.1; NOBEL/WEBER, a.a.O., § 4 N 87). Von den\nverschiedenen Gütern, die Gegenstand des Persönlichkeitsrechts sind, steht hier – als\nTeilgehalt der sozialen Persönlichkeit – das Recht auf Achtung des gesellschaftlichen,\nberuflichen und wirtschaftlichen Ansehens, also der Ehre in Frage (BGE 129 II 715\nE. 4.1; BGE 129 III 49 E. 2.2; BGE 127 III 481 E. 2.b/aa). Der privatrechtliche Ehrschutz geht dabei deutlich weiter als der strafrechtliche; eine Verletzung der Persönlichkeit im zivilrechtlichen Sinn liegt nicht nur vor, wenn der Ruf, ein ehrbarer Mensch\nzu sein (sog. menschlich-sittliche Geltung), beeinträchtigt wird, sondern insbesondere\nauch dann, wenn das berufliche oder gesellschaftliche Ansehen (sog. gesellschaftliche\nGeltung) einer natürlichen oder juristischen Person geschmälert wird (BGE 129 III 715;\nBGer 5A_975/2015 E. 5.1; BGer 5A_78/2007 E. 4; BSK ZGB I-MEILI, Art. 28 N 28;\nHAUSHEER/AEBI-MÜLLER, a.a.O., N 12.84 ff.; s. zum strafrechtlichen Ehrbegriff etwa\nTRECHSEL/LIEBER, DIKE-Komm-StGB, 3. Aufl., Art. 173 N 1 ff. m.w.H.).\n\nVoraussetzung einer Persönlichkeitsverletzung im erwähnten Sinn ist zunächst, dass\nder Betroffene aufgrund der Verletzungshandlung – beispielsweise der Ausführungen\nin einer Zeitung oder auf der Facebook-Seite der Zeitung wie hier – individualisiert werden kann. Er muss mithin als Adressat erkennbar sein (BGE 135 III 145 E. 3 f.; BSK\nZGB I-MEILI, Art. 28 N 39; NOBEL/W EBER, a.a.O., § 4 N 85). Weiter muss die Verletzung\neine gewisse Intensität erreichen (HAUSHEER/AEBI-MÜLLER, a.a.O., N 12.06 ff.). Leichte\nFälle, wie sie im gesellschaftlichen Umgang laufend vorkommen, sind nicht persönlichkeitsverletzend (BGE 129 III 715 E. 4.1; BRÜCKNER, a.a.O., N 623). Eine Minderung\ndes Ansehens kann aber bereits dann eintreten, wenn jemandem 'lediglich' ein sozial\n- 67 -\n\nmissbilligtes Verhalten in Gestalt eines rechtsstaatlich bedenklichen Handelns vorgeworfen wird (BGE 138 III 641 E. 3; BGE 127 III 481 E. 2.b/aa). Ob eine bestimmte\nÄusserung insbesondere in einem Presseerzeugnis geeignet ist, das Ansehen resp. die\ngesellschaftliche Geltung einer Person empfindlich (d.h. in rechtlich relevanter Weise)\nherabzumindern, beurteilt sich nicht nach dem subjektiven Empfinden des Betroffenen,\nsondern nach einem objektiven Massstab. Ohne Bedeutung ist dabei, ob eine behauptete Tatsache der Wahrheit entspricht oder ob die geäusserte Kritik fundiert ist\n(BGer 5A_458/2018 E. 4.3.3 und 5.1; BGer 5A_658/2014 E. 8.3). Es kommt einzig und\nallein darauf an, ob die betroffene Person in den Augen eines durchschnittlichen Betrachters in ihrem Ansehen herabgesetzt wird, wobei diese Beurteilung unter Würdigung der konkreten Umstände wie etwa des Gesamteindrucks (BGE 126 III 209 E. 3.a;\nBGer 5A_376/2013 E. 3.2), der Form der Darstellung (BGer 5A_658/2014 E. 8.3) sowie\ndes Rahmens eines Presseartikels zu erfolgen hat (BGE 135 III 145 E. 5.2; BGE 127 III\n481 E. 2.b/aa). Einzelne Textstellen oder Passagen sind demnach nicht nur anhand der\nverwendeten Ausdrücke je für sich allein genommen zu würdigen, sondern nach dem\nallgemeinen Sinn, der sich aus dem Text als Ganzes ergibt (BGer 5A_354/2012,\n5A_374/2012 E. 3 m.w.H.; BGer 5A_78/2007 E. 3.5); auch das Zusammenspiel mit anderen Publikationen kann dabei eine Rolle spielen (BSK ZGB I-MEILI, Art. 28 N 42). Für\ndie Rechtsfigur des Durchschnittsbetrachters oder auch Durchschnittslesers gilt, dass\nsich diese hinsichtlich ihres Wissens, ihrer Interessen und ihres Eindrucks am durch\ndas konkrete Presseerzeugnis anvisierten Zielpublikum orientiert (BGer 5A_376/2013\nE. 3.2; illustrativ BGer 5A_458/2018 E. 5.2 und 5.3.2; BGer 5A_354/2012, 5A_374/\n2012 E. 4.1; ähnlich AEBI-MÜLLER, Personenbezogene Informationen im System des\nzivilrechtlichen Persönlichkeitsschutzes, 2005, N 818; GEISER, Persönlichkeitsschutz:\nPressezensur oder Schutz vor Medienmacht?, in: SJZ 92, 1996, S. 77).\n\n"}