{"Signatur": "SG_KG_002", "Spider": "SG_Gerichte", "Datum": "2015-11-26", "PDF": {"Datei": "SG_Gerichte/SG_KG_002_BE-2015-48_2015-11-26.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=2039&type=1563347022&cHash=d932cbd383d42e183a10320ba8bc3eb1", "Checksum": "33687c9a3bcd0af1943b86c4ecfc181b"}, "Scrapedate": "2025-07-19", "Num": ["BE.2015.48"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 26.11.2015 BE.2015.48"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall  Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo  Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 363 ff. OR. Suchmaschinenoptimierungsvertrag: Qualifikation als werkvertragsähnlicher Innominatkontrakt, der den gesetzlichen Bestimmungen über den Werkvertrag untersteht (Kantonsgericht, Einzelrichter im Obligationenrecht, 26. November 2015, BE.2015.48)."}], "ScrapyJob": "446973/61/1836", "Zeit UTC": "19.07.2025 06:37:44", "Checksum": "79b294deba4fd7594933aec7b88b2678", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 26.11.2015 BE.2015.48\nRegeste:\nArt. 363 ff. OR. Suchmaschinenoptimierungsvertrag: Qualifikation als werkvertragsähnlicher Innominatkontrakt, der den gesetzlichen Bestimmungen über den Werkvertrag untersteht (Kantonsgericht, Einzelrichter im Obligationenrecht, 26. November 2015, BE.2015.48).\n\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nFall-Nr.: BE.2015.48\nStelle: Kantonsgericht\nRubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)\nPublikationsdatum: 26.11.2015\nEntscheiddatum: 26.11.2015\n\nEntscheid Kantonsgericht, 26.11.2015\nArt. 363 ff. OR. Suchmaschinenoptimierungsvertrag: Qualifikation als\nwerkvertragsähnlicher Innominatkontrakt, der den gesetzlichen\nBestimmungen über den Werkvertrag untersteht (Kantonsgericht,\nEinzelrichter im Obligationenrecht, 26. November 2015, BE.2015.48).\n\nErwägungen (Auszug)\n\nIII.2/b) Eine andere Frage ist, ob die Vorinstanz den Vertrag vom 27. April 2012 zu\nRecht den Bestimmungen über den Werkvertrag unterstellte oder ob sie – wie die\nBeklagte geltend macht – jene über den einfachen Auftrag hätte anwenden müssen.\n\n…\n\nbb/aaa) Bei einem Auftrag hat der Beauftragte die ihm übertragenen Geschäfte\nvertragsgemäss zu besorgen (Art. 394 Abs. 1 OR), während sich beim Werkvertrag der\nUnternehmer zur Herstellung eines Werks und der Besteller zur Leistung einer\nVergütung verpflichtet (Art. 363 OR). Mit anderen Worten schuldet der Beauftragte\nbloss ein Wirken, der Unternehmer hingegen ein Werk (BSK OR I-Zindel/Pulver/Schott,\nN 8 vor Art. 363-379 OR). Als Herstellung eines Werks im Sinn von Art. 363 OR gilt\nnicht nur die Schaffung eines neuen Werks, sondern auch die Veränderung oder\nErhaltung eines solchen, etwa durch Vergrösserung, Verbesserung oder Restauration\n(BGE 130 III 458 E. 4 [s. Pra 2005 Nr. 41]; CHK-Hürlimann/Siegenthaler, N 3 zu Art. 363\nOR; BSK OR I-Zindel/Pulver/Schott, N 10 zu Art. 363 OR). Nach überwiegender\nLehrmeinung und insbesondere auch nach der aktuellen Rechtsprechung des\nBundesgerichts können unkörperliche Werke ebenfalls Gegenstand von Werkverträgen\nsein; die Verkörperung ist hier häufig nicht ein primäres und augenfälliges, sondern\n\n© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/3\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nbloss ein begleitendes, untergeordnetes Werkleistungselement (BSK OR I-Zindel/\nPulver/Schott, N 2 vor Art. 363-379 OR; BGE 109 II 34 E. 3 [s. Pra 1983 Nr. 147]; BGE\n115 II 50 E. 1 [s. Pra 1989 Nr. 250]; BGE 127 III 328 E. 2/c; BGE 130 III 458 E. 4 4 [s.\nPra 2005 Nr. 41]; BGE 134 III 361 E. 6.2.3 f. [s. Pra 2009 Nr. 8]). Vorausgesetzt ist dabei\nallerdings, dass sich das Arbeitsergebnis nach objektiven Kriterien auf seine\nVertragskonformität hin überprüfen lässt (BSK OR I-Zindel/Pulver/Schott, N 8 vor\nArt. 363-379 OR; BGE 127 II 328 E. 2/c; BGE 130 III 458 E. 4 [s. Pra 2005 Nr. 41]). Zur\nQualifikation von Verträgen über eine Suchmaschinenoptimierung äusserten sich die\nLehre und das Bundesgericht soweit ersichtlich bislang nicht. Immerhin qualifizierte\naber das Bundesgericht einen Vertrag über die Optimierung von\nWirtschaftsinformationen als Werkvertrag (BGer 4A_51/2007 E. 4.4) und werden\ninsbesondere Verträge über die Herstellung von Individualsoftware und solche über die\nPlanung und Realisierung einer Website von namhaften Autoren ebenfalls den\ngesetzlichen Bestimmungen über den Werkvertrag unterstellt (so etwa Gauch, Der\nWerkvertrag, N 334 ff.; BSK OR I-Zindel/Pulver/Schott, N 2 f. vor Art. 363-379 OR ; Dill,\nInternet-Verträge, AJP 2000, S. 1513 ff., S. 1521; Honsell, Schweizerisches\nObligationenrecht, Besonderer Teil, S. 281 [Letzterer mit Verweis auf: sic! 2000, S. 24\nff., S. 26]). Soweit die kantonale Rechtsprechung betroffen ist, kam der Präsident der\nIII. Zivilkammer des Kantonsgerichts St. Gallen in einem Entscheid vom 6. November\n2008 im Rahmen der Beurteilung einer altrechtlichen Rechtsverweigerungsbeschwerde\nzum Schluss, die Vorinstanz habe einen Vertrag über eine Suchmaschinenoptimierung\nals Werkvertrag qualifizieren dürfen (VZ.2008.49 [abrufbar unter www.gerichte.sg.ch]).\nZur Begründung führte er im Wesentlichen und dem Sinn nach aus, die Optimierung\neiner Website – wozu das individuelle Kodieren, die Anpassung des HTML-Codes und\ndas Konfektionieren der Keywords gehöre – stelle ein geistiges Werk dar, weshalb die\nentsprechenden Leistungen Gegenstand eines Werkvertrages sein könnten. Da die\nAuswahl der geeigneten Suchbegriffe und – unter dem Gesichtspunkt der\nSuchergebnisse – die Qualität der Website nach objektiven Kriterien überprüfbare\nLeistungen seien, könne dabei ein Arbeitserfolg versprochen werden.\n\nbbb) Hier hat zwar die Vorinstanz den umstrittenen\nSuchmaschinenoptimierungsvertrag – mit Blick darauf, dass Werkverträge\ntypischerweise keine Dauerverträge sind (s. dazu etwa BSK OR I-Zindel/Pulver/Schott,\nN 14 vor Art. 363-379 OR, und CHK-Hürlimann/ Siegenthaler, N 5 zu Art. 363 OR) –\n\n© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/3\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\n"}