{"Signatur": "SG_KG_001", "Spider": "SG_Gerichte", "Datum": "2014-10-29", "PDF": {"Datei": "SG_Gerichte/SG_KG_001_AK-2014-182_2014-10-29.pdf", "URL": "https://publikationen.sg.ch/rechtsprechung-gerichte?tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bcontroller%5D=DownloadPdf&tx_diamjudicalsg_judicalpublicationpdf%5Bpublication%5D=1961&type=1563347022&cHash=04781c943aa88594848e207a89355506", "Checksum": "a55d69b6b064c5ea73eea4ecf29948b5"}, "Scrapedate": "2025-07-19", "Num": ["AK.2014.182"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 29.10.2014 AK.2014.182"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 29.10.2014 AK.2014.182"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 29.10.2014 AK.2014.182"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Saint-Gall Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "San Gallo Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 310 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 8 Abs. 1 StPO (SR 312.0), Art. 52 StGB (SR 311.0).Nichtanhandnahmeverfügung aufgrund des Opportunitätsprinzips (Anklagekammer, 29. Oktober 2014, AK.2014.182)."}], "ScrapyJob": "446973/61/1836", "Zeit UTC": "19.07.2025 07:33:30", "Checksum": "3061326fe3f326d6261ad9fd43c79884", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 29.10.2014 AK.2014.182\nRegeste:\nArt. 310 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 8 Abs. 1 StPO (SR 312.0), Art. 52 StGB (SR 311.0).Nichtanhandnahmeverfügung aufgrund des Opportunitätsprinzips (Anklagekammer, 29. Oktober 2014, AK.2014.182).\n\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nFall-Nr.: AK.2014.182\nStelle: Kantonsgericht\nRubrik: Strafkammer und Anklagekammer\nPublikationsdatum: 29.10.2014\nEntscheiddatum: 29.10.2014\n\nEntscheid Anklagekammer, 29.10.2014\nArt. 310 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 8 Abs. 1 StPO (SR 312.0), Art. 52 StGB (SR\n311.0).Nichtanhandnahmeverfügung aufgrund des Opportunitätsprinzips\n(Anklagekammer, 29. Oktober 2014, AK.2014.182).\n\nII.\n\n2. Die Staatsanwaltschaft verfügt u.a. die Nichtanhandnahme, sobald aufgrund\nder Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass aus den in Art. 8 StPO\ngenannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten ist (Art. 310 Abs. 1 lit. c\nStPO). Die Staatsanwaltschaft sieht – trotz hinreichendem Tatverdacht – von der\nStrafverfolgung ab, wenn das Bundesrecht es vorsieht (Art. 8 Abs. 1 StPO). Das\nStrafgesetzbuch sieht in Art. 52 StGB eine Abweichung vom Legalitätsprinzip vor, dass\nvon einer Strafverfolgung abzusehen ist, wenn Schuld und Tatfolgen geringfügig sind\n(fehlendes Strafbedürfnis). Der Anwendungsbereich ist nicht auf Fahrlässigkeitstaten\nbeschränkt, sondern kann auch bei Vorsatzdelikten zur Anwendung gelangen (BGE 121\nIV 175 f.). Ein Verzicht auf Strafverfolgung kommt nur in Frage, wenn das Verhalten der\nbeschuldigten Person sowohl unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens als auch der\nTatfolgen unerheblich ist (BGE 135 IV 130; zitiert bei Oberholzer, Strafprozessrecht, 3.\nA., N 601).\n\n3. Gemäss dem Opportunitätsprinzip steht die Strafverfolgung im Ermessen der\nzuständigen Behörden. Die Eröffnung dieses Ermessensspielraums fusst auf der\nErkenntnis, dass die Anwendung der gesetzlichen Straftatbestände in manchen Fällen\nmit Blick auf die beschuldigte Person, aber auch mit Blick auf den Verfahrensaufwand,\nunverhältnismässig sein kann. Die Berücksichtigung von Opportunitätsgesichtspunkten\nkann eine gewisse Entlastung der Strafbehörden und damit einen sinnvolleren Einsatz\n\n© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/4\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\nder Ressourcen ermöglichen (BSK StPO - Fiolka/Riedo, Art. 8 N 2 f.). Sind die\nVoraussetzungen erfüllt, müssen die Strafbefreiungsgründe von Art. 52 ff. StGB\nzwingend zur Anwendung gelangen (BSK StGB I - Riklin, Art. 52 N 23; Trechsel/Keller,\nin: Trechsel/Pieth [Hrsg.] StGB PK, 2. A., Zürich/St. Gallen, Art. 52 N 1).\n\n4. Von einer Strafverfolgung kann gemäss Art. 52 StGB abgesehen werden,\nwenn Schuld und Tatfolgen gering sind. Der Grad des Verschuldens bzw. des\nSchuldverdachts richtet sich nach den in Art. 47 StGB aufgezählten\nStrafzumessungskriterien. Das gesamte Spektrum der Strafzumessungserwägungen\nunter Einschluss der Täterkomponenten (wie Vorleben, persönliche Verhältnisse,\nMotive, Nachtatverhalten, Strafempfindlichkeit) fliesst somit in die Entscheidung über\ndie geringfügige Schuld mit ein (BSK StGB I - Riklin, Art. 52 N 15, N 35; Trechsel/Keller,\nin: Trechsel/Pieth [Hrsg.] StGB PK, a.a.O., Art. 52 N 2a). Eine Strafbefreiung kommt nur\nin Fällen in Betracht, die sich von anderen Fällen mit geringem Verschulden und\ngeringen Tatfolgen qualitativ unterscheiden. Das Verhalten der beschuldigten Person\nmuss im Quervergleich zu typischen unter dieselbe Gesetzesbestimmung fallenden\nTaten insgesamt – vom Verschulden wie auch von den Tatfolgen her – als unerheblich\nerscheinen, so dass die Strafbedürftigkeit offensichtlich fehlt (BSK StPO - Fiolka/Riedo,\nArt. 8 N 31; BSK StGB I - Riklin, Art. 52 N 22; Trechsel/Keller, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.]\nStGB PK, a.a.O., Art. 52 N 2). Anvisiert werden relativ unbedeutende Verhaltensweisen,\nwelche die Schwere und Härte einer Strafe nicht verdienen, d.h. Fälle, bei denen ein\nStrafbedürfnis aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen entweder von vornherein\nfehlt oder im Zeitpunkt der Untersuchung oder der gerichtlichen Beurteilung nicht mehr\nbesteht (BSK StGB I - Riklin, Art. 52 N 10; Trechsel/Keller, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.]\nStGB PK, a.a.O., Art. 52 N 1). Im Ergebnis erfasst Art. 52 StGB \"geringfügige\nBagatellen\", wobei sich der Bagatellcharakter der Tat aus der Wertordnung der\nRechtsordnung insgesamt ergibt (\"absoluter\" Massstab) und die Geringfügigkeit im\nVergleich zu den durch den jeweiligen Tatbestand erfassten Fällen (\"relativer\"\nMassstab; BSK StPO - Fiolka/Riedo, Art. 8 N 32).\n\n5. Die Vorinstanz begründete die Anwendung des Opportunitätsprinzips wie\nfolgt: Indem die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer, ihren Ex-Mann, als Dieb,\nVerbrecher und Lügner betitelt habe, habe sie ihn in seiner Ehre gemäss Art. 177 Abs.\n1 StGB angegriffen. Allerdings seien die Beschimpfungen unter Berücksichtigung der\n\n© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/4\nPublikationsplattform\nSt.Galler Gerichte\n\n"}