{"Signatur": "LU_KG_001", "Spider": "LU_Gerichte", "Sprache": "de", "Datum": "2015-08-24", "HTML": {"Datei": "LU_Gerichte/LU_KG_001_1B-15-16_2015-08-24.html", "URL": "https://gerichte.lu.ch/recht_sprechung/lgve/Ajax?EnId=10451", "Checksum": "c43cac912c012243a640d97b403a66bc"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["1B 15 16", "2015 I Nr. 11"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Luzern Kantonsgericht 1. Abteilung 24.08.2015 1B 15 16 (2015 I Nr. 11)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Lucerne Kantonsgericht 1. Abteilung 24.08.2015 1B 15 16 (2015 I Nr. 11)"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Lucerna Kantonsgericht 1. Abteilung 24.08.2015 1B 15 16 (2015 I Nr. 11)"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Luzern Kantonsgericht 1. Abteilung"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Lucerne Kantonsgericht 1. Abteilung"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Lucerna Kantonsgericht 1. 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Er gilt nicht für die vom SchKG in das Betreibungsverfahren einbezogenen materiell-rechtlichen Streitigkeiten und für betreibungsrechtliche Streitigkeiten mit materiell-rechtlichem Hintergrund. | Art. 250 Abs. 1 SchKG; Art. 145 Abs. 4 ZPO. | Schuldbetreibungs- und Konkursrecht\n\n| Instanz: | Kantonsgericht |\n|---|---|\n| Abteilung: | 1. Abteilung |\n| Rechtsgebiet: | Schuldbetreibungs- und Konkursrecht |\n| Entscheiddatum: | 24.08.2015 |\n| Fallnummer: | 1B 15 16 |\n| LGVE: | 2015 I Nr. 11 |\n| Gesetzesartikel: | Art. 250 Abs. 1 SchKG; Art. 145 Abs. 4 ZPO. |\n| Leitsatz: | Der Vorbehalt in Art. 145 Abs. 4 ZPO ist nicht umfassend zu verstehen. Er gilt nicht für die vom SchKG in das Betreibungsverfahren einbezogenen materiell-rechtlichen Streitigkeiten und für betreibungsrechtliche Streitigkeiten mit materiell-rechtlichem Hintergrund. |\n| Rechtskraft: | Dieser Entscheid ist rechtskräftig. |\n| Entscheid: | In einem Kollokationsprozess hatte das Kantonsgericht die Rechtsfrage zu entscheiden, ob bei der Kollokationsklage ausschliesslich die Fristenbestimmungen des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1) zur Anwendung gelangen oder ob die Gerichtsferien nach Art. 145 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) für die Fristberechnung im Zusammenhang mit der Einreichung einer Kollokationsklage nach Art. 250 SchKG massgebend sind. Die Vorinstanz erwog, der Vorbehalt in Art. 145 Abs. 4 ZPO sei umfassend zu verstehen, sodass allein die Fristenbestimmungen des SchKG massgebend seien. Das Kantonsgericht schützte die gegenteilige Auffassung der Klägerin.\nAus den Erwägungen: 5.3. Eine Durchsicht der Fachliteratur ergibt folgendes Bild:\nDen Standpunkt der Vorinstanz vertreten namentlich Francis Nordmann (Basler Komm., 2. Aufl. 2013, Art. 31 SchKG N 19), Dieter Hierholzer (Basler Komm., 2. Aufl. 2013, Art. 250 SchKG N 45), Urs H. Hoffmann-Nowotny (in: Schweizerische Zivilprozessordnung [Hrsg. Oberhammer/Domej/Haas], 2. Aufl. 2014, Art. 145 ZPO N 10), Samuel Marbacher (in: Schweizerische Zivilprozessordnung [Hrsg. Baker & McKenzie], Bern 2010, Art. 145 ZPO N 9), Thomas Sprecher (in: Kurzkomm. SchKG [Hrsg. Hunkeler], 2. Aufl. 2014, Art. 250 SchKG N 25), Wolfgang Ernst und Serafin Oberholzer (Fristen und Fristberechnung gemäss Zivilprozessordnung, Zürich 2013, S. 7), Dominik Milani (Die Behandlung der konkursrechtlichen Kollokationsklage im vereinfachten Verfahren, Zürich 2011, N 397) und vermutlich auch Spühler/Dolge/Gehri (Schweizerisches Zivilprozessrecht, 9. Aufl. Bern 2010, § 41 N 139).\nDen Standpunkt der Klägerin vertreten namentlich Nina J. Frei (Berner Komm., Bern 2012, Art. 145 ZPO N 20), Dominik Vock und Danièle Müller (SchKG-Klagen nach der Schweizerischen ZPO, Zürich 2012, § 28 Ziff. 7 S. 267), Barbara Merz (in: Schweizerische Zivilprozessordnung Komm. [Hrsg. Brunner/Gasser/Schwander], Zürich 2011, Art. 145 ZPO N 3), Dominik Gasser und Brigitte Rickli (Schweizerische Zivilprozessordnung Kurzkomm., 2. Aufl. 2014, Art. 146 ZPO N 3) und Adrian Staehelin (in: Komm. zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [Hrsg. Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger], 2. Aufl. 2013, Art. 145 ZPO N 7).\n6.1. Das Zivilprozessrecht war bis zur Einführung der Schweizerischen Zivilprozessordnung am 1. Januar 2011 Sache der Kantone. Die Vereinheitlichung des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts im Jahr 1892 machte es indes notwendig, den Kantonen konkrete Vorgaben für den kantonalen Zivilprozess zu machen. Bis zur Einführung der Schweizerischen Zivilprozessordnung bestimmte Art. 250 Abs. 3 SchKG, dass der Kollokationsprozess im beschleunigten Verfahren durchzuführen sei. Was darunter zu verstehen war, regelte Art. 25 Ziff. 1 SchKG. Diese Bestimmung verpflichtete die Kantone, Prozessbestimmungen zu erlassen (vgl. Botschaft 06.062 zur ZPO, BBl 2006 S. 7234). Für Streitsachen, welche im beschleunigten Verfahren zu behandeln waren, mussten die Kantone dieses Verfahren so einrichten, dass die Parteien auf kurz bemessenen Termin geladen und die Prozesse binnen sechs Monaten seit Anhebung der Klage durch Haupturteil der letzten kantonalen Instanz erledigt werden konnten. Die Luzerner Zivilprozessordnung aus dem Jahr 1913 sah ein beschleunigtes Verfahren vor (§ 327 aZPO 1913), die neue Luzerner ZPO aus dem Jahr 1994 dagegen nicht mehr. Soweit das Bundesrecht ein beschleunigtes Verfahren vorschrieb, kam der einfache Prozess zur Anwendung (§ 220 lit. a aZPO 1994). Sowohl in der Luzerner ZPO 1913 wie auch in der Luzerner ZPO 1994 kamen dabei die Ferienbestimmungen grundsätzlich zur Anwendung. In dringenden Fällen konnte der Richter allerdings auf Antrag einer Partei oder von Amtes wegen die Ferienbestimmungen aufheben (§ 82 Abs. 4 aZPO 1913; § 223 Abs. 2 aZPO 1994)."}