{"Signatur": "GR_VG_006", "Spider": "GR_Gerichte", "Datum": "2004-12-31", "PDF": {"Datei": "GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2004-11_2004-12-31.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/PVG_2004_11_ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976c2fccddda973fa12e9b528c2401b241e352953414895cb1102dd80e62720fdb0edc1bc0425c099a9488a18062b80f8de?path=ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976c2fccddda973fa12e9b528c2401b241e352953414895cb1102dd80e62720fdb0edc1bc0425c099a9488a18062b80f8de&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=PVG_2004_11", "Checksum": "87ef2ada905d5642ce45a2fd9e5026ed"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["PVG 2004 11"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr"], "Text": "Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2004 PVG 2004 11"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale amministrativo Prassi del Tribunale amministrativo (PTA) 31.12.2004 PVG 2004 11"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Grisons  Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG)"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale amministrativo Prassi del Tribunale amministrativo (PTA)"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Praxis Verwaltungsgericht | Regeste: siehe PVG-Dokument\\x3Cbr\\x3E"}], "ScrapyJob": "446973/49/1971", "Zeit UTC": "12.09.2025 05:28:20", "Checksum": "9b9beb1c55e0d0eab0fffb069be6c508", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2004 PVG 2004 11\nRegeste:\nPraxis Verwaltungsgericht | Regeste: siehe PVG-Dokument\\x3Cbr\\x3E\n\n Öffentliche Sozialhilfe 7\nAssistenza sociale pubblica\n\n11 Alimentenbevorschussung.\n– Zum Vorrang des Bundeszivilrechts gemäss Art. 122 BV\n(E.1a).\n– Das Institut der Bevorschussung ist Bestandteil der öffentlichen Fürsorge (E.1b).\n– Zur Geltendmachung oder Rückforderung allfällig bevorschusster Leistungen hat die öffentliche Hand indes\nstets vor dem ordentlichen Zivilrichter zu klagen (E.1c).\n\nAnticipo di alimenti.\n– Sulla preminenza del diritto civile federale giusta l’art.\n122 CF (cons. 1a).\n– L’istituto dell’anticipo è parte integrante dell’assistenza\npubblica (cons. 1b).\n– Per far valere il diritto a prestazioni anticipate o per chiederne la restituzione l’ente pubblico è sempre tenuto ad\nadire il giudice civile ordinario (cons. 1c).\n\nErwägungen:\n1. a) Nach Art. 122 Abs. 1 BV ist die Gesetzgebung auf dem\nGebiet des Zivilrechts Sache des Bundes. Es handelt sich dabei um\neine ausschliessliche Zuständigkeit umfassender Art. Die Kantone\ndürfen nur soweit zivilrechtliche Bestimmungen erlassen, als das\nBundesrecht ausdrücklich oder dem Sinne nach die Geltung kantonalen Rechts vorbehält (BGE 119 Ia 59 E. 2b S. 61). Nach der\nRechtsprechung des Bundesgerichts ist der Erlass öffentlichrechtlicher kantonaler Vorschriften in einem vom Bundeszivilrecht geregelten Bereich gestützt auf Art. 6 ZGB zulässig, sofern der Bundesgesetzgeber nicht eine abschliessende Ordnung geschaffen\nhat, die kantonalen Bestimmungen einem schutzwürdigen öffentlichen Interesse entsprechen und nicht gegen Sinn und Geist des\nBundeszivilrechts verstossen (BGE 124 I 420 E. 3b S. 433, 119 Ia 59\nE. 2b S. 61).\nb) Das Bundeszivilrecht regelt die familienrechtliche Unter-\nhalts- und Unterstützungspflicht abschliessend. Namentlich kann\nder Kreis der Unterhalts- bzw. Unterstützungspflichtigen durch das\n\n66\n7/11 Öffentliche Sozialhilfe PVG 2004\n\nkantonale öffentliche Recht nicht erweitert werden. Nach Art. 293\nAbs. 2 ZGB regelt das öffentliche Recht die Ausrichtung von Vorschüssen für den Unterhalt des Kindes, wenn die Eltern ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkommen. Diese Bestimmung hat insofern\nkeine normative Bedeutung, als sie den unechten Vorbehalt kantonalen öffentlichen Rechts (Art. 6 Abs. 1 ZGB) wiederholt. Art. 293\nAbs. 2 ZGB verpflichtet die Kantone nicht, die Bevorschussung der\nUnterhaltsbeiträge durch die öffentliche Hand vorzusehen (BGE\n112 Ia 251 E. 3 S. 257, 106 II 283 E. 3 S. 285 f.). Der Gesetzgeber\nbringt aber – und darin liegt die rechtspolitische Bedeutung der\nNorm – zum Ausdruck, dass die Bevorschussung heute zur sachgerechten Ordnung der öffentlichen Fürsorge für das Kind gehört\n(BGE vom 06.11.2002 [1P.254 /2002]).\nc) Das Korrelat zur Bevorschussung durch die öffentliche\nHand bildet die gesetzliche Subrogation des Gemeinwesens in die\nAnsprüche des Kindes (Art. 289 Abs. 2 ZGB). Übernimmt das Gemeinwesen anstelle eines (säumigen) Elternteils allfällige Unterhaltsbeiträge, so liegt demnach ein klassischer Fall einer zivilrechtlichen Legalzession vor. Der Unterhaltsanspruch des Kindes\ngeht mit anderen Worten gestützt auf Bundesprivatrecht mit allen\nRechten auf das Gemeinwesen über, was zur Konsequenz hat,\ndass zur Geltendmachung oder Rückforderung allfällig bevorschusster Leistungen ebenso nur der Rechtsweg vor dem ordentlichen Zivilrichter offen stehen kann. DieTatsache, dass vorliegend\ndie Unterhalts- und Unterstützungsansprüche gestützt auf Art. 289\nAbs. 2 ZGB unbestritten auf die Gemeinde übergegangen sind und\ndeshalb von ihr als neue Gläubigerin geltend gemacht bzw. zurückgefordert werden, ändert nichts daran, dass die hier strittigen\nForderungen ursächlich ausschliesslich auf Privatrecht basieren\nund deshalb bei liquiden Geldforderungen einzig auf dem Betreibungswege (Ammon/ Walther, Grundriss des Schuldbetreibungsund Konkursrechts, 7. Aufl., Bern 2003, Rz 12 ff.) oder sonst eben\nausschliesslich mittels Unterhalts- und Rückforderungsklage vor\ndem laut Bundesprivatrecht allein dafür zuständigen Zivilrichter\ninstanziert werden können (Tuor / Schnyder / Rumo-Jungo, Das\nSchweizerische Zivilgesetzbuch, 12. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2002,\n§ 40 S. 423 – 426, 418; BGE vom 06.01.2000 [5C.209 /1999] E. 1; Pra\n86 (1997) Nr. 105 = BGE 123 III 161 ff.).\nU 04 10 Urteil vom 8. Juni 2004\n\n67\n"}