{"Signatur": "GR_KG_010", "Spider": "GR_Gerichte", "Datum": "2011-01-31", "PDF": {"Datei": "GR_Gerichte/GR_KG_010_JAK-2011-1_2011-01-31.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/JAK_2011_1_ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976ec1218168879c86926bb16e90e41b58eacde3d6709e5fe0f7207caff0fddbc9bedc1bc0425c099a9488a18062b80f8de?path=ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976ec1218168879c86926bb16e90e41b58eacde3d6709e5fe0f7207caff0fddbc9bedc1bc0425c099a9488a18062b80f8de&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=JAK_2011_1", "Checksum": "7a91e5087e452549f012146bd71e0807"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["JAK 2011 1"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer 31.01.2011 JAK 2011 1"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera di vigilanza sulla giustizia 31.01.2011 JAK 2011 1"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Grisons  Justizaufsichtskammer"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera di vigilanza sulla giustizia"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Ernennung eines unabhängigen Gerichts | Bezeichnung ausserordentliche Stellvertretung (33 Abs. 2, 40 Abs. 2, 60 GOG)"}], "ScrapyJob": "446973/49/2004", "Zeit UTC": "12.10.2025 03:35:45", "Checksum": "8cb5423700d211ff5f7cba9d75866d57", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer 31.01.2011 JAK 2011 1\nRegeste:\nErnennung eines unabhängigen Gerichts | Bezeichnung ausserordentliche Stellvertretung (33 Abs. 2, 40 Abs. 2, 60 GOG)\n\n Seite 8 — 19\n2.3. In Auslegung seines jeweils geltenden Justizorganisationsrechts von Art. 18\nGVG und Art. 42 lit. b/g GOG hat die Justizaufsichtskammer seit langem eine zur\nvorstehend zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung gegenläufige Praxis\ngeübt. Sie hat regelmässig und insbesondere ohne die individuellen Nähe-\nBeziehungen unter den einzelnen Richterpersonen am gleichen Kreis- oder Bezirksgericht abzuklären, befunden: Richter urteilen nicht über Angelegenheiten von\nRichtern, die mit ihnen zur selben Zeit beim selben Gericht im Amt sind (AB 4/93,\nAB 5/94, AB 9/95, AB 97 11, AB 99 16, AB 00 4, AB 01 19, AB 03 9, AB 04 13, AB\n05 2, AB 06 10, AB 07 30, JAK 10 52, 10 42, JAK 10 5; PKG 1980 Nr. 15 E. 3,\nunter Hinweis auf die analoge zürcherische Praxis und Hauser/Hauser, GVG –\nGerichtsverfassungsgesetz, Zürich 3. A. 1978, S. 398; PKG 1990 Nr. 20 S. 78).\nNach Auffassung der Justizaufsichtskammer ist an dieser Praxis im Resultat auch\nunter der Herrschaft von Art. 47 ZPO festzuhalten. Dazu führen folgende Überlegungen:\n\na. Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass die zitierte Rechtsprechung des\nBundesgerichts lediglich den Umfang der sich aus nationalem Verfassungs- und\nsupranationalem Konventionsrecht ergebenden Mindestgarantien beschreibt. Die\nBestimmungen der ZPO über den Ausstand konkretisieren den Kerngehalt des\npersonenbezogenen Anspruchs auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht\ngemäss Art. 30 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 14 Ziff. 1 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II, SR 0.103.2; Wullschleger, a.a.O., N 1 und 6 Vorbemerkungen zu den Art. 47-51; Bericht zum Vorentwurf, a.a.O., S. 21). Zweifellos konnte das bis anhin geltende kantonale Gerichtsorganisationsrecht und kann das bundesrechtliche Verfahrensgesetz der\nZPO diese Mindestgarantien – stets im Rahmen der dazu im Spannungsverhältnis stehenden Garantie des verfassungsmässigen Richters – ausweiten, das\nheisst im Zusammenhang mit den Ausstandsregeln die Anforderungen an den\nAusstand von Justizpersonen tiefer ansetzen. Gegenüber den bisherigen kantonalen Regelungen sind die besonderen Ausstandsgründe mit der Schweizerischen\nZivilprozessordnung eher verschärft, das heisst auf weitere Personenkreise ausgedehnt worden (Ex-Ehepartner, faktische Lebensgemeinschaft, Verwandtschaft/Schwägerschaft zu Personen die vorinstanzlich mitgewirkt haben). Die\nAusstandsbestimmungen zum Auffangtatbestand der \"anderen Gründe\" lauten in\nZPO und StPO im Wesentlichen gleich (Art. 47 Abs. 1 lit. f ZPO; Art. 56 lit. f StPO;\nzur Ungereimtheit zwischen den Amtssprachen bei der StPO vgl. nachstehend).\nInsoweit damit die Hypothese aufgestellt werden will, es müsse Kongruenz beim\nUmfang des sachlichen Schutzbereichs bestehen, findet die Meinung, die Ausle-\n\nSeite 9 — 19\ngung der Bestimmung von Art. 47 ZPO könne sich auf die zur verfassungsmässigen Garantie auf ein unparteiisches Gericht ergangene umfangreiche bundesgerichtliche Rechtsprechung stützen (BSK StPO-Boog, Art. 56 N 38, ders. in Bezug\nauf das spezifische Problem der Richterkollegialität: Art. 56 N 40 und Fn 177; anders Keller in Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 56 N 12, wonach weitgehend auf die bisherige\nRechtsprechung zu Art. 34 BGG, Art. 22 f. OG und Art. 10 VwVG abzustellen ist)\nbeim Kantonsgericht keine Zustimmung.\n\n"}