{"Signatur": "GR_KG_010", "Spider": "GR_Gerichte", "Datum": "2011-01-31", "PDF": {"Datei": "GR_Gerichte/GR_KG_010_JAK-2011-1_2011-01-31.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/JAK_2011_1_ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976ec1218168879c86926bb16e90e41b58eacde3d6709e5fe0f7207caff0fddbc9bedc1bc0425c099a9488a18062b80f8de?path=ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976ec1218168879c86926bb16e90e41b58eacde3d6709e5fe0f7207caff0fddbc9bedc1bc0425c099a9488a18062b80f8de&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=JAK_2011_1", "Checksum": "7a91e5087e452549f012146bd71e0807"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["JAK 2011 1"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer 31.01.2011 JAK 2011 1"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera di vigilanza sulla giustizia 31.01.2011 JAK 2011 1"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Grisons  Justizaufsichtskammer"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera di vigilanza sulla giustizia"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Ernennung eines unabhängigen Gerichts | Bezeichnung ausserordentliche Stellvertretung (33 Abs. 2, 40 Abs. 2, 60 GOG)"}], "ScrapyJob": "446973/49/2004", "Zeit UTC": "12.10.2025 03:35:45", "Checksum": "8cb5423700d211ff5f7cba9d75866d57", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer 31.01.2011 JAK 2011 1\nRegeste:\nErnennung eines unabhängigen Gerichts | Bezeichnung ausserordentliche Stellvertretung (33 Abs. 2, 40 Abs. 2, 60 GOG)\n\n Kantonsgericht von Graubünden\nDretgira chantunala dal Grischun\nTribunale cantonale dei Grigioni\n___________________________________________________________________________________________________\n\nRef.: Chur, 31. Januar 2011 Schriftlich mitgeteilt am:\nJAK 11 1\n\nBeschluss\nJustizaufsichtskammer\n\nVorsitz Präsident Brunner\nRichter Vizepräsident Schlenker und Kantonsrichter Bochsler\nRedaktion Aktuar Conrad\n\nIn der Justizaufsichtssache\n\ndes B e z i r k s g e r i c h t s H i n t e r r h e i n , Rathaus, 7430 Thusis, Gesuchsteller,\nin Sachen\nQ., Beklagter und Gesuchgegner vertreten durch S., gegen R., Kläger und Gesuchgegner,\n\nbetreffend Ernennung eines unabhängigen Gerichts,\n\nhat sich ergeben:\nI. Sachverhalt\n\nA. In einer beim Betreibungsamt Thusis geführten Betreibung mit dem Gläubiger Q., Xxx., Thusis, über eine Forderung von Fr. 1'534.20 gegen den Schuldner\nR., Thusis, erhob Letzterer gegen den am 15. November 2010 zugestellten Zahlungsbefehl Rechtsvorschlag unter Vermerk \"Schuld vor Privatkonkurs\". Davon\nausgehend, dass damit Rechtsvorschlag mangels neuem Vermögen erhoben\nwird, überwies das Betreibungsamt Thusis am 03. Januar 2011 die Betreibungsakten dem Bezirksgericht Hinterrhein zur Beurteilung unter Art. 265a SchKG.\n\nB. Mit Schreiben vom 05. Januar 2011 ersuchte das Bezirksgericht Hinterrhein\ndas Kantonsgericht gestützt auf Art. 40 GOG, in dieser Sache den Einzelrichter\neines anderen Bezirksgerichts für zuständig zu erklären. Q. sei Richter am Bezirksgericht Hinterrhein, weshalb sämtliche Mitglieder desselben Bezirksgerichts\nim Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. f ZPO befangen seien.\n\nC. Die Parteien haben sich innert Frist nicht vernehmen lassen.\n\nII. Erwägungen\n\n1. Angesichts der veränderten Prozesslandschaft durch das Inkrafttreten der\nschweizerischen Zivilprozessordnung und der kantonalen Anschlussgesetzgebung\nsamt Änderungen in der Justizorganisation auf den 01. Januar 2011 ist vorab zu\nden Zuständigkeiten, namentlich zur funktionellen Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Folgendes festzuhalten:\n\n1.1. Die sachlichen Zuständigkeiten in der Hauptsache (Bewilligung des\nRechtsvorschlags mangels neuem Vermögen) und in der Verfahrensfrage\n(Ausstand) sind auseinanderzuhalten.\n\n1.2. Der Bezirksgerichtspräsident Hinterrhein ist örtlich (Art. 265a Abs. 1\nSchKG) und sachlich (Art. 15 der Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz\nüber Schuldbetreibung und Konkurs (GVVSchKG, BR 220.100), Art. 251 lit. e der\nSchweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272) in Verbindung mit Art. 4\nAbs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung\n(EGzZPO, BR 320.100) in der Hauptsache (Bewilligung des Rechtsvorschlags\nmangels neuem Vermögen) zuständig.\n\nSeite 2 — 19\n1.3.a. Wie die Vorinstanz im Resultat zutreffend ausführt, ergibt sich in der\nVerfahrensfrage (Ausstand) gegenständlich funktionell eine direkte Zuständigkeit\ndes Kantonsgerichts aus Art. 40 Abs. 2 des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG,\nBR 173.000). Dabei handelt es sich indessen um einen Ausnahmefall direkter\nerstinstanzlicher Zuständigkeit des Kantonsgerichts, genauer seiner Justizaufsichtskammer (vgl. Art. 5 lit. b der Verordnung über die Organisation des Kantonsgerichts (Kantonsgerichtsverordnung, KGV, BR 173.100)), der weniger mit der\ngängigen Ausstandsproblematik bei singulären Justizpersonen zu tun hat, als mit\nder grundlegenderen Problematik der Beschlussunfähigkeit eines ganzen Bezirksgerichts. Es erweist sich die ordentliche Besetzung eines Bezirksgerichts zur Behandlung einer Ausstandsfrage als unmöglich – und dies wiederum aus denselben\nGründen der richterlichen Unabhängigkeit. Der Unterschied der beiden Erscheinungen und die Konsequenzen für die sachlich-funktionelle Zuständigkeit sind auf\nder Grundlage des neuen Verfahrens- und Justizorganisationsrechts etwas näher\nzu beleuchten.\n\n"}