{"Signatur": "GR_KG_010", "Spider": "GR_Gerichte", "Datum": "2006-01-23", "PDF": {"Datei": "GR_Gerichte/GR_KG_010_AB-2005-38_2006-01-23.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/AB_2005_38_4d6e0efbfb0c8da1c1cb2b2e23ea35585e4ba0fb6ea75857c35502f7afcfc4c45cac64143467a022cd1b6eb1ee6c1dcbc81637a16e1aa579243ad6c7c0c388f41ffd905678327a3ad6a497ca8641d4f8?path=4d6e0efbfb0c8da1c1cb2b2e23ea35585e4ba0fb6ea75857c35502f7afcfc4c45cac64143467a022cd1b6eb1ee6c1dcbc81637a16e1aa579243ad6c7c0c388f41ffd905678327a3ad6a497ca8641d4f8&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=AB_2005_38", "Checksum": "498a91a9af518f6a1fd52973bccece2e"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AB 2005 38"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer 23.01.2006 AB 2005 38"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera di vigilanza sulla giustizia 23.01.2006 AB 2005 38"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Grisons  Justizaufsichtskammer"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera di vigilanza sulla giustizia"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Ausstand | Beschwerde 34 GVG"}], "ScrapyJob": "446973/49/1459", "Zeit UTC": "12.05.2024 04:32:15", "Checksum": "18a54ea322b2367de00df587537537bf", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Graubünden Kantonsgericht Justizaufsichtskammer 23.01.2006 AB 2005 38\nRegeste:\nAusstand | Beschwerde 34 GVG\n\n Kantonsgericht von Graubünden\nTribunale cantonale dei Grigioni\nDretgira chantunala dal Grischun\n___________________________________________________________________________________________________\n\nRef.: Chur, 23. Januar 2006 Schriftlich mitgeteilt am:\nAB 05 38\n\nBeschluss\nJustizaufsichtskammer\n\nVorsitz Präsident Brunner\nRichterInnen Bochsler, Rehli, Riesen-Bienz und Vital\nAktuar Engler\n\n——————\n\nIn der Justizaufsichtsbeschwerde\n\nder E r b e n Z . , Beschwerdeführer, alle vertreten durch Fürsprecherin Regula\nSchlegel, Dufourstrasse 165, 8008 Zürich,\n\ngegen\n\nden B e z i r k s g e r i c h t s p r ä s i d e n t e n Y., lic. iur. X., sowie das\nB e z i r k s g e r i c h t Y . , Beschwerdegegner,\n\nbetreffend Ausstand,\n\nhat sich ergeben:\n2\n\nA. In Zusammenhang mit drei beim Bezirksgericht Y. anhängigen\nZivilrechtsstreitigkeiten, einer Klage aus Arbeitsvertrag (Proz. Nr. 130-2005-173)\nsowie zwei Aberkennungsklagen (Proz. Nr. 110-2005-2 und Proz. Nr. 110-2005-3),\nwandten sich die Erben Z. mit einer als Beschwerde bezeichneten Eingabe vom\n17. November 2005 an die Justizaufsichtskammer des Kantonsgerichtes mit dem\nBegehren:\n„1. Der Präsident des Bezirksgerichts Y., lic. iur. X., sei in gerichtlichen\nund behördlichen Verfahren, in denen die Erbengemeinschaft Z. oder\nMitglieder der Familie Z., insbesondere Nachkommen, sowie deren\nVerschwägerte in irgendeiner Form beteiligt sind, von seinem Amt\nauszuschliessen,\n2. mit den laufenden Verfahren, in denen die in vorstehender Ziff. 1\ngenannten Personen beteiligt sind, sei eine andere Gerichtsbehörde\nzu betrauen,\n(3.) unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.“\n\nB. Das Bezirksgericht Y. liess sich hierzu durch seinen Präsidenten am\n12. Dezember 2005 sowie am 03. Januar 2006 vernehmen. Es stellt den Antrag,\nes sei die Beschwerde abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu\nLasten der Beschwerdeführer.\n\nDie Justizaufsichtskammer zieht in Erwägung:\n\n1. Nach der materiell unverändert von Art. 58 aBV in Art. 30 Abs. 1 BV\nüberführten, ebenfalls in Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltenen Garantie des\nverfassungsmässigen Richters hat der Einzelne Anspruch darauf, dass seine\nSache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen\nRichter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Liegen bei\nobjektiver Betrachtungsweise Gegebenheiten vor, die den Anschein der\nBefangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen,\nist die Garantie verletzt (vgl. BGE 131 I 113 E. 3.4 S. 116, BGE 127 I 196 E. 2.b\nS. 198).\n\nProzessuale Fehler oder ein möglicherweise falscher materieller Entscheid\nsind für sich allein noch nicht geeignet, Misstrauen in die Unparteilichkeit der\nbetreffenden Justizperson zu erwecken. Anders verhält es sich nur, wenn\n3\n\nbesonders krasse oder wiederholte Fehlleistungen vorliegen, die eine eigentliche\nAmtspflichtverletzung darstellen (vgl. BGE 115 Ia 400 E. 3.b S. 404; PKG 1992\nNr. 17 S. 82; Beschluss der JAK vom 03. Februar 2004, AB 04 3, E. 3, mit einem\nHinweis auf den Bundesgerichtsentscheid 1P.76/2003 E. 3.5).\n\nWer gestützt auf die genannte Garantie den Ausstand einer Gerichtsperson\nerwirken will, hat dies gemäss Art. 20 GVG innert einer verhältnismässig kurzen\nFrist zu verlangen, innert zehn Tagen seit Kenntnisnahme des Ausstandsgrundes.\nEine solche Regelung führt nicht dazu, dass die Durchsetzung des Anspruchs auf\neinen unvoreingenommenen Richter in unbilliger Weise erschwert wird, sind doch\nechte oder vermeintliche Organmängel nach der bundesgerichtlichen\nRechtsprechung so früh wie möglich geltend zu machen; ein späteres Vorbringen\nkann gegen Treu und Glauben verstossen und die Verwirkung mit sich bringen\n(vgl. BGE 124 I 121 E. 2 S. 122 f., BGE 119 Ia 221 E. 5.a S. 227 ff.).\n\n2. Ist umstritten, ob gegen eine bestimmte Gerichtsperson ein\nAusstandsgrund vorliegt, entscheidet hierüber gemäss Art. 22 Abs. 1 GVG das in\nder Hauptsache zuständige Gericht in Abwesenheit der beanstandeten\nGerichtsperson. Sofern dabei in einem Fünfergericht nicht mindestens drei, in\neinem Dreiergericht nicht mindestens zwei Richter übrig bleiben, werden die\nerforderlichen Ersatzrichter einberufen (Art. 22 Abs. 2 GVG). Erstinstanzliche\nZwischenentscheide über bestrittene Ausstandsfragen können in der Folge mittels\nAufsichtsbeschwerde an die Justizaufsichtskammer des Kantonsgerichts\nweitergezogen werden (vgl. PKG 1990 Nr. 19 S. 73).\n\n"}