{"Signatur": "GR_KG_007", "Spider": "GR_Gerichte", "Datum": "2010-03-03", "PDF": {"Datei": "GR_Gerichte/GR_KG_007_ZK2-2010-1_2010-03-03.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/ZK2_2010_1_ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976c29b9dd0a1d9a77a843809bc8a0ce789dc0af6c77d38345a30067af738007590edc1bc0425c099a9488a18062b80f8de?path=ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd60976c29b9dd0a1d9a77a843809bc8a0ce789dc0af6c77d38345a30067af738007590edc1bc0425c099a9488a18062b80f8de&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=ZK2_2010_1", "Checksum": "2dc78b7d0e1d535264a7f5fd35c83d0a"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["ZK2 2010 1"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht II. Zivilkammer 03.03.2010 ZK2 2010 1"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera civile II 03.03.2010 ZK2 2010 1"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht II. Zivilkammer"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Grisons  II. Zivilkammer"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera civile II"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Zivilprozessordnung"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "unentgeltliche Rechtspflege (Festsetzung der Entschädigung des Rechtsvertreters; Beschwerdefrist/Gerichtsferien) | Beschwerde Prozessrecht ZPO/GR 232/1-8 und Prozessbeschwerde ZPO/GR 237"}], "ScrapyJob": "446973/49/1971", "Zeit UTC": "12.09.2025 03:36:43", "Checksum": "11f982fd643ce10866624a85b22724b6", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Graubünden Kantonsgericht II. Zivilkammer 03.03.2010 ZK2 2010 1\nRegeste:\nunentgeltliche Rechtspflege (Festsetzung der Entschädigung des Rechtsvertreters; Beschwerdefrist/Gerichtsferien) | Beschwerde Prozessrecht ZPO/GR 232/1-8 und Prozessbeschwerde ZPO/GR 237\n\n Seite 7 — 13\nZweiparteienverfahren (Max Hauri, Die Bestellung des unentgeltlichen\nRechtsbeistandes für Geschädigte im zürcher Strafprozess, Diss. Zürich 2002, S.\n273; Urteil Bundesgericht 2P.195/2000 vom 09.04.2001, E.4c.bb). Die Ernennung\neiner bestimmten Person als [vormundschaftlicher] Beistand stellt einen Akt der\nfreiwilligen Gerichtsbarkeit dar (Urteil Bundesgericht 5C.216/2004 vom\n19.11.2004, E. 4). Nicht anders verhält es sich bei der Bestellung des\nRechtsbeistandes für eine prozessarme Partei, und diese Qualifikation gilt\ngleichsam für die anschliessende Festlegung der Entlöhnung des gerichtlich\nbestellten Rechtsbeistandes. Sie ist nicht Rechtsprechung im eigentlichen Sinne,\nsondern mehr ein Akt der Justizverwaltung (vgl. Frank/ Sträuli/Messmer,\nKommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. A. Zürich 1997, N 9 zu §\n89; Hauri, a.a.O., S. 273 Fn 1211; Ries, a.a.O., S. 203; ZBl 2007 S. 263; ZBJV 92\nS. 354 ff.).\n\nc. Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit werden regelmässig im\nsummarischen Verfahren behandelt (Max Guldener, Schweizerisches\nZivilprozessrecht, 3. A. Zürich 1979, S. 589; für Zürich: § 215 ZPO: für St. Gallen\nArt. 196 lit. e ZPO). Ob nun dem summarischen Verfahren oder jenem der nichtstreitigen, freiwilligen Gerichtsbarkeit oder beidem zuzuordnen – in Sachen der\nunentgeltlichen Rechtspflege schliesst Art. 62 Abs. 2 ZPO die Geltung der\nGerichtsferien jedenfalls aus. Unbesehen von der Zuordnung zur Verfahrensart\nder freiwilligen Gerichtsbarkeit und/oder dem summarischen Verfahren, ist\ndieselbe Lösung auch in anderen Kantonen Gesetz oder Praxis\n(Leuch/Marbach/Kellerhals/Sterchi, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern,\n5. A. Bern 2000, N 1b zu Art. 119; Studer/Rüegg/Eiholzer, a.a.O., N 1, 3 zu § 133,\nN 3 zu § 86; Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O., N 1 zu § 211 i.V.m. § 140 Abs. 2 GVG\nZH; § 172 ZPO SZ i.V.m. § 94 Abs. 3 Gerichtsordnung SZ; Art. 194 ZPO SG\ni.V.m. Art. 92 Abs. 1 lit. c Gerichtsgesetz SG) und auch in der Schweizerischen\nZivilprozessordnung so getroffen worden (Art. 119 Abs. 3, Art. 145 Abs. 2 lit. b\nZPO). Daran ändert nichts, dass die bündnerische Verfahrensordnung, im\nGegensatz zu anderen (§ 140 Abs. 3 Gerichtsverfassungsgesetz ZH; Art. 92 Abs.\n2 Gerichtsgesetz SG), keine Vorschrift kennt, wonach den Beteiligten anzuzeigen\nist, wenn eine Frist trotz Gerichtsferien läuft.\n\n4. Dagegen wendet der Beschwerdeführer zweierlei ein: Art. 139 ZPO\nverweise die Zuständigkeit und das Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit\nausschliesslich in den Bereich des EGZGB. Dort seien die möglichen Fälle der\nfreiwilligen [Zivil]Gerichtsbarkeit in Art. 6-12 abschliessend aufgezählt; die\nZivilprozessordnung (ZPO) kenne also gar keine Fälle freiwilliger Gerichtsbarkeit\n\nSeite 8 — 13\n(aa.). Wenn sodann gegen den in einem Verfahren der nichtstreitigen/freiwilligen\nGerichtsbarkeit gefällten Entscheid Beschwerde geführt werde, werde damit die\nSache zur streitigen Gerichtsbarkeit (bb.). Beides ist unzutreffend:\n\na.aa. Das Argument mit der Gesetzessystematik beziehungsweise dem\nVerhältnis von ZPO und EGZGB führt nicht zum Ziel. Der Beschwerdeführer\nscheint Mehreres zu übersehen. Nach Art. 139 ZPO richten sich Zuständigkeit\nund Verfahren in Sachen der freiwilligen Gerichtsbarkeit nach dem EGZGB.\nWeder in der Bestimmung von Art. 139 ZPO noch im EGZGB noch anderswo in\nder ZPO wird generell-abstrakt (und abschliessend) formuliert, bei welchen\nKonstellationen beziehungsweise Rechtsmaterien ein Fall von freiwilliger\nGerichtsbarkeit vorliegt. Diese Frage ist in der Anwendung stets fallweise zu\nprüfen, und zwar nach den vorstehend beschriebenen Wesenmerkmalen, welche\ndie freiwillige von der streitigen Gerichtsbarkeit unterscheiden. Allein aus den\nUmständen, dass die unentgeltliche Rechtspflege einerseits in der ZPO geregelt\nist und andererseits die ZPO keine Ausführungen im Sinne einer generellabstrakten Definition der freiwilligen Gerichtsbarkeit macht und selbst keine\nAnwendungsfälle konkret der freiwilligen Gerichtsbarkeit zuweist, schliessen\ndemnach nicht aus, dass sie selbst Materien regelt, die ihrem Wesen nach der\nfreiwilligen Gerichtsbarkeit zuzuordnen sind.\n\nbb. Auch der beschwerdeführerische Ansatz, das EGZGB regle abschliessend,\nwelche Rechtsmaterien unter die freiwillige Gerichtsbarkeit fielen, geht fehl (vgl.\ndazu Max Kummer, Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. A. Bern 1984, S. 276).\nDies zunächst schon deshalb, weil auch das EGOR (Art. 1) solche Zuweisungen\nmacht. Das EGZGB behandelt seinem Zweck nach ferner nur die Fälle des\nmateriellen Bundeszivilrechts (beschränkt auf das ZGB), die im besonderen\nVerfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit zu behandeln sind (vgl. auch Art. 2\nEGZGB: Soweit dieses Gesetz nichts Besonderes anordnet, gilt die\nZivilprozessordnung, und es werden die vom Zivilgesetzbuch und vom\nPartnerschaftsgesetz dem Richter zum Entscheid zugewiesenen Streitsachen im\nordentlichen Verfahren beurteilt). Die kantonalen Einführungsgesetze zum\nmateriellen Bundesprivatrecht wären nun zweifellos der falsche Ort, um den aus\ndem kantonalen Verfahrensrecht für alle Materien des Zivilrechts erwachsenden,\nprozessualen Leistungsanspruch der unentgeltlichen Rechtspflege zu regeln.\nFerner legen das EGZGB und das EGOR im Wesentlichen nur Behörden und\nZuständigkeiten fest (Art. 6-9 EGZGB, Art. 1 EGOR), machen im Übrigen aber für\ndas Verfahren vorab einen generellen (Art. 2 EGZGB) und/oder einen speziellen\nrenvoi auf die ZPO (Art. 10 Abs. 1 EGZGB, Art. 2 EGOR). Eine umgekehrte\n\n"}