{"Signatur": "GR_KG_005", "Spider": "GR_Gerichte", "Datum": "2004-01-28", "PDF": {"Datei": "GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2003-33_2004-01-28.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/BK_2003_33_ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd6097618072433ce56a2301dbf362429b60ac0243ebcf2f2b40e86d9ffb2a393a98aaaedc1bc0425c099a9488a18062b80f8de?path=ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd6097618072433ce56a2301dbf362429b60ac0243ebcf2f2b40e86d9ffb2a393a98aaaedc1bc0425c099a9488a18062b80f8de&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=BK_2003_33", "Checksum": "ce560aa831338596b4ef20a5b56baac3"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["BK 2003 33"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 28.01.2004 BK 2003 33"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Camera penale II 28.01.2004 BK 2003 33"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht II. 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Januar 2004 Schriftlich mitgeteilt am:\nBK 03 33\n\nEntscheid\nBeschwerdekammer\n\nVorsitz Vizepräsident Bochsler\nRichterInnen Heinz-Bommer und Rehli\nAktuar Engler\n——————\n\nIn der strafrechtlichen Beschwerde\n\nder A. Z., Beschwerdeführerin I,\nder B. Z., c/o A. Z., Beschwerdeführerin II, sowie\nder C. Z., c/o A. Z., Beschwerdeführerin III,\nalle vertreten durch Rechtsanwalt Dirk J. Lehnhoff, Heidebergenstrasse 47, DE-\n53229 Bonn,\ngegen\n\ndie Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 7. Juli 2003,\nmitgeteilt am 15. Juli 2003, in Sachen gegen Y., Beschwerdegegner, vertreten\ndurch Rechtsanwalt Dr. iur. Gregor Benisowitsch, Am Römerhof, Ilgenstrasse 22,\n8030 Postfach, Zürich,\n\nbetreffend fahrlässige Tötung\n(Lawinenunfall),\nhat sich ergeben:\n2\n\nA.1. Für die Zeit vom Montag 4. März 2002 bis Samstag 9. März 2002\nhatte der patentierte und gebietserfahrene Bergführer Y. eine Tourenwoche im\nMünstertal (Val Müstair) organisiert. Von den elf Personen, die sich hierfür angemeldet hatten, waren dem Bergführer sechs von früheren Skitouren her bereits\nbekannt. Die Teilnehmer reisten am Sonntag 3. März 2002 an und bezogen in\nFuldera Quartier. Am Montag 4. März 2003 unternahm Y. mit ihnen eine Skitour\nauf den 2907 Meter hohen Piz Terza. Für Dienstag 5. März 2002 schliesslich war\neine Tour auf den 3021 Meter hohen Piz Vallatscha geplant.\n\nNach den Niederschlägen vom 24. und 25. Februar 2002, welche auf Buffalora, ca. 2 km WNW des Ofenpasses, eine Zweitagessumme von 25 cm Neuschnee ausmachten, war das Wetter in der Region Unterengadin-Münstertal meist\nwolkenreich und oberhalb von 2000 Metern über Meer eher mild. Es blieb jedoch\nbis zum Samstag 2. März 2002 mehrheitlich trocken. In der Nacht vom 2. auf den\n3. März 2002 brachte ein kleines, aber aktives Tief von Südbünden bis zum Oberengadin zum Teil über einen halben Meter Neuschnee. Am Morgen des 3. März\n2002 wurden in La Drossa 28 cm, auf Buffalora 26 cm und in Sta. Maria Val Müstair\n37 cm Neuschnee gemessen. Gemäss der dem Unfallgebiet am nächsten gelegenen automatischen Schnee- und Wetterstation von Motta Naluns (oberhalb von\nScuol) flaute der Wind noch während des Schneefalls deutlich ab und blieb danach\nschwach. Während der klaren Nacht auf Montag 4. März 2002 bahnte sich dann\nein markanter Temperaturanstieg an. In der Folge war die Tageslufttemperatur auf\nrund 2400 Metern über Meer sehr milde. Nach einer erneut klaren Nacht vom 4.\nauf den 5. März 2002 war der Himmel am Dienstag fast andauernd mit mehr oder\nweniger dichten hohen Schleierwolken überzogen. Des weiteren kennzeichneten\nschwache Winde aus südlichen Richtungen und milde Lufttemperaturen diesen\nTag in der Region Unterengadin-Münstertal.\n\nDas Gebiet Piz Vallatscha/Val S-charl liegt an der Grenze zwischen dem\nUnterengadin und dem zu den Bündner Südtälern gehörenden Münstertal. Wie in\nanderen Regionen war auch hier der ungünstige Schneedeckenaufbau zu beachten, auf den bereits in früheren Bulletins aufmerksam gemacht worden war. – Im\nnationalen Lawinenbulletin Nr. 104 vom 4. März 2002 17.00 Uhr wurde in der Vorhersage für den kommenden Tag für Graubünden mit Ausnahme des Prättigau\nvor einer erheblichen Lawinengefahr gewarnt. Die Gefahrenstellen befänden sich\nvor allem an Steilhängen der Expositionen Südwest über Nord bis Südost oberhalb von rund 2200 Metern. Ergänzend wurde für konkret bezeichnete Gebiete (so\n3\n\ndas Engadin) darauf hingewiesen, dass vor allem die relativ frischen und teilweise\nerheblichen Neuschneemengen der letzten Tage durch Einzelpersonen ausgelöst\nwerden könnten. – Das für Südbünden (Engadin, Bergell, Puschlav, Münstertal)\nherausgegebene, für den Tagesverlauf geltende regionale Lawinenbulletin Nr.\n089 vom Dienstag 5. März 2002 08.00 Uhr bestätigte die im nationalen Bulletin\nvom Vorabend enthaltene Prognose, und zwar hinsichtlich Gefahrenstufe, Höhenlage und Expositionen. Im Begleittext wurde darüber hinaus festgehalten, dass die\nkritischen Verhältnisse Vorsicht und Zurückhaltung verlangten; die milden Temperaturen würden die Auslösebereitschaft für trockene Schneebrettlawinen in allen\nExpositionen erhöhen; überdies seien mit der Tageserwärmung ab Mittag stellenweise Nassschneelawinen zu erwarten.\n\nNach der Interpretationshilfe zum nationalen Lawinenbulletin, deren gängige Kurzfassung in der von verschiedenen Institutionen (so auch vom Schweizer\nBergführerverband SBV) herausgegebenen Broschüre Achtung Lawinen! zu finden ist, bedeutet erhebliche Lawinengefahr:\n„Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung (z. B. Einzelperson)\nvor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch grosse Lawinen möglich. Teilweise\nungünstige Verhältnisse. Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich.\nSteilhänge der angegebenen Exposition und Höhenlage möglichst meiden.“\n\n"}