{"Signatur": "GR_KG_002", "Spider": "GR_Gerichte", "Datum": "2010-01-19", "PDF": {"Datei": "GR_Gerichte/GR_KG_002_ERZ-2009-268_2010-01-19.pdf", "URL": "https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/ERZ_2009_268_4d6e0efbfb0c8da1c1cb2b2e23ea35585e4ba0fb6ea75857c35502f7afcfc4c411ba2e0647cf75297bfb4943f7b4d3aa7b01b11a9e38c184631ea011c4a9473c1ffd905678327a3ad6a497ca8641d4f8?path=4d6e0efbfb0c8da1c1cb2b2e23ea35585e4ba0fb6ea75857c35502f7afcfc4c411ba2e0647cf75297bfb4943f7b4d3aa7b01b11a9e38c184631ea011c4a9473c1ffd905678327a3ad6a497ca8641d4f8&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=ERZ_2009_268", "Checksum": "87b97382d623770756768dae0505c72f"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["ERZ 2009 268"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Einzelrichter 19.01.2010 ERZ 2009 268"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Giudice unico 19.01.2010 ERZ 2009 268"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Graubünden Kantonsgericht Einzelrichter"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Grisons  Einzelrichter"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Grigioni Tribunale cantonale Giudice unico"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Amtsbefehl (Ausweisung und Kosten) | Amtsbefehl/Amtsverbot ZPO/GR 152/154"}], "ScrapyJob": "446973/49/1459", "Zeit UTC": "12.05.2024 03:24:23", "Checksum": "3ff90304115e0fc99dbf6dec630c18ab", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Graubünden Kantonsgericht Einzelrichter 19.01.2010 ERZ 2009 268\nRegeste:\nAmtsbefehl (Ausweisung und Kosten) | Amtsbefehl/Amtsverbot ZPO/GR 152/154\n\nb) Von vornherein ausser Betracht fallen im vorliegenden Fall die Ziffern 4\n(Baueinsprachen) und 5 (Vollstreckung rechtskräftiger gerichtlicher Urteile). Auch\ndie Ziffern 1 und 2 finden in casu keine Anwendung. Ist der Vermieter zugleich\nEigentümer der Mietsache, kann er sich nebst dem vertraglichen\nRückgabeanspruch auf das Eigentumsrecht im Sinne von Art. 641 des\nSchweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) berufen. Die Nichtrückgabe\nder Mietsache (bei behauptetem Vertragsende) ist jedoch keine Besitzesstörung\nim Sinne von Art. 926 ff. ZGB, da in erster Linie über die vertragliche Berechtigung\nzu entscheiden ist. Darüber hinaus fehlt es in solchen Fällen an der\nBesitzesstörung beziehungsweise Besitzesentziehung durch verbotene\nEigenmacht. Schliesslich hat der Mieter den Besitz an der Sache nicht\naufgegeben, womit die Besitzesschutzklagen gemäss Art. 927 ZGB respektive Art.\n928 ZGB ausgeschlossen sind (vgl. Emil W. Stark/ Wolfgang Ernst, in: Basler\nKommentar zum Zivilgesetzbuch II, 3. Auflage, Basel 2007, N 22 zu vor Art. 926 –\n929; Emil W. Stark, Berner Kommentar zum ZGB, Bern 2001, N 60 der\nVorbemerkungen Besitzesschutz zu Art. 926-929 ZGB; Lachat et al., Das\nMietrecht für die Praxis, 8. Auflage, Zürich 2009, S. 685 Fn 89; SVIT-Kommentar\nzum Schweizerischen Mietrecht, 3. Auflage, Zürich 2008, N 14 zu Art. 267-267a).\n\nSeite 10 — 15\nc) Somit bleibt zu prüfen, ob in casu ein Anwendungsfall von Art. 146 Abs. 1\nZiff. 3 ZPO gegeben ist. Gestützt auf diese Bestimmung kann der Vermieter oder\nVerpächter eine richterliche Ausweisung des Mieters oder Pächters erwirken,\nsofern dieser die Miet- oder Pachtsache nicht vorschriftsgemäss herausgibt. Die\nmateriellrechtliche Grundlage zu dieser prozessualen Norm ergibt sich im\nMietrecht aus Art. 267 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR; SR 220).\nGemäss dieser Bestimmung muss der Mieter die Sache in dem Zustand\nzurückgeben, der sich aus dem vertragsgemässen Gebrauch ergibt. Weigert sich\nder Mieter, die Rückgabe der Mietsache auf den von ihm zu beachtenden Termin\nvorzunehmen, so kann der Vermieter, um seine Rechte zu wahren, seinen\nRückgabeanspruch im Rahmen der kantonalen Verfahrensrechte durch die\nAusweisung (Exmission) durchsetzen (vgl. Roger Weber, in: Basler Kommentar\nzum Obligationenrecht I, 4. Auflage, Basel 2007, N 3 zu Art. 267; Richard\nPermann, Kommentar zum Mietrecht, 2. Auflage, Zürich 2007, Art. 267 N 8). Die\nBezeichnung der Behörden und die Ausgestaltung des Verfahrens fallen im\nMietrecht grundsätzlich in die Zuständigkeit der Kantone (Art. 64 Abs. 3 BV, Art.\n274 OR). Dazu gehört ebenfalls die Regelung des Ausweisungsverfahrens als Teil\ndes Zivilprozessrechts (vgl. BGE 122 III 92 E. 2b; BGE 119 II 141 E. 4a). Dafür\nsteht in der Regel in den Kantonen ein rasches beziehungsweise summarisches\nVerfahren (Befehlsverfahren) zur Verfügung (vgl. SVIT-Kommentar, a.a.O., N 15\nzu Art. 267-267a, N4a zu Art. 274g). Im Kanton Graubünden ergibt sich die\nRechtsgrundlage zum Exmissionsverfahren aus Art. 145 ZPO in Verbindung mit\nArt. 146 Abs. 1 Ziff. 3 ZPO. Demgemäss entscheidet der Kreispräsident als\nAusweisungsbehörde im Amtsbefehlsverfahren über die Ausweisung bei Miete\nund Pacht. Im Übrigen beruft sich auch der Gesuchsteller in seinem Gesuch um\nErlass einer superprovisorischen Ausweisungsverfügung auf genau diese\nBestimmung. Die Rückgabe der Sache im Sinne von Art. 267 OR hat auf das\nEnde des Mietverhältnisses zu erfolgen, wobei der massgebende Zeitpunkt zur\nRückgabe, welcher auch die Fälligkeit der Rückgabeleistung bewirkt, der Tag ist,\nan welchem das Mietverhältnis endet. Bis zum rechtskräftigen Entscheid über eine\nAnfechtungs- oder Mieterstreckungsklage im Sinne von Art. 271 ff. OR steht die\nRechtshängigkeit dieser Klage der zwangsweisen Durchsetzung der Rückgabe\n\nSeite 11 — 15\nder Mietsache durch den Vermieter entgegen (vgl. Peter Higi, in: Zürcher\nKommentar zum Obligationenrecht, Zürich 1995, N 48 und N 56 zu Art. 267).\n\n"}