{"Signatur": "CH_WBK_001", "Spider": "CH_WEKO", "Datum": "2012-12-10", "PDF": {"Datei": "CH_WEKO/CH_WBK_001_Abrede-im-Speditions_2012-12-10.pdf", "URL": "https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2013/04/spedition_verfuegung.pdf.download.pdf/spedition_verfuegung.pdf", "Checksum": "75f18e98ef07c1b5f8b1cd8eb24643f6"}, "Scrapedate": "2026-02-13", "Num": ["Abrede im Speditionsbereich"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wettbewerbskommission 10.12.2012 Abrede im Speditionsbereich"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Wettbewerbskommission 10.12.2012 Abrede im Speditionsbereich"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Wettbewerbskommission 10.12.2012 Abrede im Speditionsbereich"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Wettbewerbskommission "}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Abrede im Speditionsbereich"}], "ScrapyJob": "446973/67/1907", "Zeit UTC": "13.02.2026 03:13:13", "Checksum": "2d8c5c5cb297af43c3b8937a69c7ee50", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Wettbewerbskommission 10.12.2012 Abrede im Speditionsbereich\nRegeste:\nAbrede im Speditionsbereich\n\n22/2009/03287/COO.2101.111.5.266529 68\nsprüngliche Erwartung über die angekündigten Preiserhöhungen (über die Einführung einer\nneuen Gebühr, eines neuen Zuschlags). 126\n252. Die schädliche Wirkung des zuvor beschriebenen Mechanismus lässt sich bei den\noben beispielhaft dargestellten Gebühren und Zuschlägen anhand eines Vergleichs mit einer\nSituation ohne einheitliches Vorgehen und Kommunikation (also ohne Abrede) verdeutlichen:\nIn diesem Fall wäre davon auszugehen, dass nicht sämtliche Spediteure die betreffenden\nGebühren oder Zuschläge im gleichen Ausmass erhoben hätten, selbst wenn diesen reale\nexogene Kostenentwicklungen zugrunde gelegen hätten. Die empirische Literatur bezüglich\nder Weitergabe von Kostenveränderungen zeigt nämlich, dass Kostenschocks (positive und\nnegative) typischerweise nicht sofort oder in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben\nwerden. 127 Konkret wäre also zu erwarten gewesen, dass zumindest einige Unternehmen die\nKosten nicht, nur teilweise und mit einer zeitlichen Verzögerung an die Kunden weiterbelastet hätten. Es versteht sich von selbst, dass diese ungleiche Kostenweitergabe (Preissteigerung) in jenen Fällen ausgeprägter ausgefallen wäre, in welchen hinter einer Gebühr (hinter\neinem Zuschlag) keine Eins-zu-Eins Kostenentwicklung gestanden hat (vgl. dazu Rz 113,\n147 und 155). Des Weiteren wären diese Gebühren oder Zuschläge nicht unter einem einheitlichen Namen und zum gleichen Zeitpunkt eingeführt worden. Unter diesen Voraussetzungen hätte die Markgegenseite Preiserhöhungen (neue Gebühren und Zuschläge) nicht\nals branchenumfassend – sondern als individuelle Preispolitik – wahrgenommen und diese\nnicht so einfach in die Reservationspreisbildung einfliessen lassen. Mit anderen Worten hätte\nsich die Marktgegenseite nicht so einfach mit einer neuen Gebühr oder einem neuen Zuschlag und der damit verbundenen Preiserhöhung abgefunden und sich auf die Suche nach\ngünstigeren Angeboten gemacht. 128 Dieses Suchverhalten hätte diejenigen Unternehmen,\nwelche eine hohe Kostenweitergabe an den Kunden beschlossen hätten, dazu gezwungen,\nauf die weniger ausgeprägte Kostenweitergaben der Konkurrenz zu reagieren: „The amount\nof search that consumers undertake affects the amount of information they possess, which in\nturn affects the pricing decision of retailers. In particular, when consumers are well informed,\ncompetition among retailers is heightened, resulting in lower retail margins.” 129 Insofern wäre\nunter Wettbewerbsbedingungen (ohne Abrede) eine Preisdynamik zu erwarten gewesen,\nwelche (im Vergleich zu jener mit Abrede) tendenziell zu tieferen Preisen geführt hätte.\n253. Schliesslich soll auch auf die dynamischen Ineffizienzen der vorliegenden Absprache\nhingewiesen werden. Grundsätzlich werden unter dynamischen Ineffizienzen v.a. der Verlust\nan Innovations- sowie an Kostensenkungsanreizen verstanden, welche – neben dem eigentlichen Wohlfahrtsverlust durch die Preissteigerung – zu zusätzlichen Verlusten der sozialen\nWohlfahrt führen. 130 In der ökonomischen Literatur geht man generell, aber besonders im\nKontext unvollständig informierter Agenten und Suchkosten davon aus, dass Preise von den\nUnternehmen weniger konsequent gesenkt als erhöht werden. 131 Von daher ist vorliegend\n\nwachung der Abrede und kein Sanktionsmechanismus für allfällige Verstösse gegen die Abrede benötigt wird, da sich Preissenkungen, wie erwähnt, sowieso nicht lohnen.\n126\nLubensky beschreibt in einem Diskussionspapier (DMITRY LUBENSKY, A Model of Recommended\nRetail Prices, Working Paper, University of Michigan, 2011) einen ähnlichen Mechanismus für vertikale\nPreisempfehlungen.\n127\nVgl. u.a. JAMES M. MACDONALD/DANIEL AARONSON, How Firms Construct Price Changes: Evidence\nfrom Restaurant Responses to Increased Minimum Wages, in: American Journal of Agricultural Economics 88, 292-307; PETER KLENOW/OLEKSIY KRYVTSOV, State-dependent or Time-dependent Pricing:\nDoes it Matter for Recent U.S. Inflation?, in: Quarterly Journal of Economics 123, 2008, 863-904.\n128\nVgl. Fn 124.\n129\nMATTHEW LEWIS/HOWARD MARVEL, When Do Consumers Search?, in: Journal of Industrial Economics 59 (3), 2011, 457-483.\n130\nMOTTA (Fn 76), 55 ff. und 137 ff.\n131\nVgl. CABRAL/FISHMAN (Fn 124), SAM PELTZMAN, Prices Rise Faster than they Fall, in: Journal of Political Economy 108, 2000, 466-502.\n\n22/2009/03287/COO.2101.111.5.266529 69\ndavon auszugehen, dass einmal durchgesetzte Preiserhöhungen über einen besonders langen Zeitraum Bestand haben können und damit auch zu beträchtlichen dynamischen Verzerrungen führen.\n\n3. Stellung der Marktgegenseite\n\n"}