{"Signatur": "CH_WBK_001", "Spider": "CH_WEKO", "Datum": "2011-10-31", "PDF": {"Datei": "CH_WEKO/CH_WBK_001_ASCOPA_2011-10-31.pdf", "URL": "https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2012/01/ascopa_verfuegung.pdf.download.pdf/ascopa_verfuegung.pdf", "Checksum": "b5cec4f6e62adb3bf19bbec35d68200a"}, "Scrapedate": "2026-02-13", "Num": ["ASCOPA"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Wettbewerbskommission "}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "ASCOPA"}], "ScrapyJob": "446973/67/1907", "Zeit UTC": "13.02.2026 03:13:14", "Checksum": "3448f4f0bbfdcabcc52c68b7cf038a80", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA\nRegeste:\nASCOPA\n\n(i) Parfüm\n766. Ein neues Parfüm ist kein neues Produkt, sondern eine Differenzierung eines bereits\nbestehenden Produktes. Die Popularität eines neuen Duftes hängt vom Empfinden der Konsumenten ab und kann nicht objektiv gemessen werden, weshalb auch nicht von einer Verbesserung eines Produktes gesprochen werden kann. Es steht also von vornherein fest,\ndass die Schaffung eines neuen Duftes keine Innovation im oben genannten Sinne darstellt.\nEine wirkliche Innovation kann etwa in der Einführung der Smartphones in den Mobilfunktelefonmarkt erblickt werden. Dort stand die verbesserte Funktion des Gerätes (z.B. Surfen im\nInternet, Musik hören) im Vordergrund. Die innovative Leistung der Parfümhersteller wird zudem durch die nachfolgenden Umstände weiter geschmälert:\n767. a) Gemäss Parteigutachten kreieren weltweit vier grosse Hersteller – Givaudan, International Flavours & Fragrances (IFF), Firmenich und Symrise – ca. 90% der Düfte, der Rest\nwürde von kleineren Parfümeuren hergestellt. Das bedeutet, dass die Parfümhersteller die\nDüfte bei diesen grossen Duftherstellern einkaufen. Von den zehn erfolgreichsten Parfümherstellern – wozu auch die Parteien Puig, Estée Lauder, LVMH (Dior), P&G, Coty und\nL’Oréal gehören – produzierten einzig Chanel und Hermès ihre eigenen Duftessenzen.660 Die\nLancierung eines neuen Duftes erfordert daher vom einzelnen Parfümhersteller keine Forschungsleistung, sondern konzentriert sich auf die Herstellung der erforderlichen Mengen\nund die effektive Vermarktung des gekauften Duftes.\n768. b) Bei der Einführung neuer Parfüms im Luxusmarkt werden zudem keine vollkommen\nneuen Marken geschaffen, sondern Produkte innerhalb derselben Markenfamilien eingeführt.\nGemäss European Forecast661 gehören die folgenden Parfüm-Markenfamilien zu denjenigen\ndie rund 55% des Marktes auf sich vereinigen: Chanel, Dior, Armani, Boss, Bulgari, YSL,\nCalvin Klein, Gaultier, Guerlain, Davidoff, Lancôme, Mugler, Rabanne, Dolce & Gabana, Azzaro, Hermes, Lacoste und Joop. Diese Marken schaffen typischerweise bei der Lancierung\neines neuen Produktes keine vollkommen neue Marke sondern lediglich einen Zusatznamen,\n\n658\nOECD/EUROSTAT, Oslo Manual, The Measurement of Scientific and Technological Activities, Guidelines for\ncollecting and interpreting innovation data, 2005, 46.\n659\nVgl. die Studie von GIAMPIERO E.G. BEROGGI/MAY LÉVY/ELISABETH PASTOR CARDINET, Designing a model for innovation indicators from a systems perspective, International Journal of Technology, Policy and Management,\nVol. 6, No. 2, 2006, 204 mit Verweis auf ZVI GRILICHES, The search for R&D spillovers, The Scandinavian\nJournal of Economics, Supplement, Vol. 94, 29 ff.\n660\nAct. 426, Beilage 2, 5; Vgl. ferner die Websites: www.givaudan.com; www.iff.com; www.firmenich.com;\nwww.symrise.com.\n661\nAct. 217, 28 ff., aufgeführt sind die Bestseller-Marken für Frauen und Männer.\n\n22/2009/02903/COO.2101.111.5.159965 165\num das Produkt innerhalb derselben Markenfamilie zu platzieren. Z.B. führt Davidoff von seinem bereits erfolgreichen Produkt „Davidoff Cool Water“ neu auch „Davidoff Cool Water\nDeep“, „Davidoff Cool Water Deep Sea Scent and Sun“, „Davidoff Cool Water Deep Sommer\nFizz“, „Davidoff Cool Water Frozen“ etc. auf den Markt. Diese Vorgehensweise schmälert\nden Neuerungscharakter eines solchen Produktes zusätzlich. Entsprechend wurden im Untersuchungszeitraum gemäss European Forecast kaum neue Marken (wie z.B. MAC) im\nSinne einer neuen Markenfamilie auf dem Luxus-Markt eingeführt.662\n\n769. Obwohl die Einführung eines neuen Parfüms keine Innovation im eigentlichen Sinne\nist, steht fest, dass jedes Jahr eine grosse Anzahl an Produkten lanciert wird. Dieser Umstand könnte ein Indiz für funktionierenden Wettbewerb darstellen. Hingegen spricht die\nMarktanteilsverteilung der Hauptkonkurrenten im Parfümmarkt gegen funktionierenden Innenwettbewerb (vgl. Rz 543). Hätten die Einführungen einen starken Einfluss gehabt, verliefen die Marktanteile der Wettbewerber nicht dermassen stabil. In einem Markt, der von tatsächlicher Innovation und wirksamem Wettbewerb geprägt ist, verhält dies sich grundlegend\nanders. Dies zeigt etwa die Einführung der Smartphones im Mobilfunktelefonmarkt, wo die\ntraditionellen Anbieter von Mobilfunktelefonen beinahe vom Markt verdrängt worden wären.\n\n770. Ein weiterer Indikator für funktionierenden Innenwettbewerb könnte im vorliegenden\nFall die Werbung sein, die für die Produkteinführungen betrieben wird. Um die frischen Produkte auf dem Markt zu platzieren, ist eine wirksame Marketingstrategie zentral. Erst die\nWerbung erlaubt es, das Publikum von der Existenz eines neuen Duftes zu unterrichten und\ndem Produkt ein bestimmtes Image zu verleihen, um es von den übrigen Produkten zu differenzieren. Mit diesem Schluss stimmen auch die von Puig und Sisley eingereichten Studien\nüberein.663 Im Parfümmarkt ist es daher zentral für jeden Marktteilnehmer, die Marketingstrategien der Wettbewerber zu verfolgen. Wie erwähnt (vgl. Rz 206), kann die Umsetzung der\nStrategie leicht am Markt beobachtet werden und ist deshalb bekannt. Interessant ist es für\ndie Marktteilnehmer daher, die unbekannte Komponente der Werbekonzepte, also deren\nKosten, zu kennen. Durch den Austausch der Werbeausgaben erreichten die Parteien diesen Einblick.\n\n771. Insgesamt vermag die Neulancierung der Produkte im Parfümmarkt den Umstand nicht\nzu kompensieren, dass Preislisten, Werbeausgaben und Umsätze ausgetauscht wurden.\nVielmehr wurde damit die Möglichkeit geschaffen, das Verhalten der Konkurrenten einzuschätzen und die eigene Marktstrategie daran anzupassen.\n\n(ii) Make-up\n\n"}