{"Signatur": "CH_WBK_001", "Spider": "CH_WEKO", "Datum": "2011-10-31", "PDF": {"Datei": "CH_WEKO/CH_WBK_001_ASCOPA_2011-10-31.pdf", "URL": "https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2012/01/ascopa_verfuegung.pdf.download.pdf/ascopa_verfuegung.pdf", "Checksum": "b5cec4f6e62adb3bf19bbec35d68200a"}, "Scrapedate": "2026-02-13", "Num": ["ASCOPA"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Wettbewerbskommission "}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "ASCOPA"}], "ScrapyJob": "446973/67/1907", "Zeit UTC": "13.02.2026 03:13:14", "Checksum": "3448f4f0bbfdcabcc52c68b7cf038a80", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Wettbewerbskommission 31.10.2011 ASCOPA\nRegeste:\nASCOPA\n\n22/2009/02903/COO.2101.111.5.159965 127\nParteivorbringen in der zweiten Stellungnahme und deren Würdigung\n565. Soweit die Parteien ihre Argumente wiederholen, verzichten die Wettbewerbsbehörden\ndarauf, erneut auf dieselben Argumente einzugehen. Die Parteivorbringen werden in der\nFolge in fünf Themenkomplexen – Kausalität, LIK, Brutto-Nettopreise, verwendete Daten und\nandere – zusammengefasst.\n\n− Kausalität\n\n566. Gemäss Wodma, Coty, Dior und PC Parfums besteht keine Kausalität zwischen dem\nInformationsaustausch und den Preisentwicklungen. Aus der Sicht Cotys hat das Sekretariat\nkeinen hypothetischen Referenzmarkt herbeigezogen.\n\n567. Auch L’Oréal/YSL verlangt, das Sekretariat müsse den Unterschied zwischen diesem\nhypothetischen Wettbewerbspreis und dem festgestellten Preisen aufzeigen. Der Unterschied müsse aufzeigen, dass der Wettbewerb erheblich eingeschränkt sei.\n\n568. Deurocos trägt vor, die Auswirkungen der Wettbewerbsabrede seien nicht erwiesen.\nDie Preiserhöhungen könnten auch auf höhere Rohstoffpreise, staatliche Regulierungen etc.\nzurückzuführen sein. Estée Lauder argumentiert in ähnlicher Weise, das Sekretariat habe die\nKostenentwicklung und Nachfragebedingungen nicht untersucht. Die Zeitabfolgen von Preiserhöhungen seien nicht analysiert worden. Die höheren Preise könnten auf eine höhere\nNachfrage zurückzuführen sein. Auch Clarins sieht im Informationsaustausch nicht den einzigen plausiblen Grund für das ansteigen der Bruttopreise, weshalb auch keine Wettbewerbsbeschränkung vorliege.\n\n569. Die Parteien übergehen mit ihrer Argumentation den Umstand, dass das Sekretariat\nein „Counterfactual“ bzw. einen hypothetischen Vergleichsmarkt herbeigezogen hat. Wie in\nRz 525 dargelegt wurde, kann im vorliegenden Fall mangels der erforderlichen Daten keine\nmikroökonometrische Kausalstudie durchgeführt werden. Stattdessen zieht das Sekretariat\nzum Vergleich der Preisentwicklung den LIK als Counterfactual heran. Das Sekretariat zieht\ngenau genommen drei Vergleichsszenarien herbei: Erstens den LIK total, zweitens den LIK\nKörperpflege und drittens den LIK Toilettenartikel (vgl. Rz 531 ff.). Dabei ist zu beachten,\ndass der LIK Total den breitesten Warenkorb umfasst, der Warenkorb des LIK Körperpflege\nnäher an den relevanten Märkten liegt und schliesslich der LIK Toilettenartikel den nächst\nverfügbaren Vergleich der Preisentwicklungen mit den vorliegenden Märkten erlaubt.\n\n570. Soweit sich die Parteien auf die Kausalität der einzelnen Tatbeiträge beziehen, sei auf\ndie oben gemachten Ausführungen zur Teilnehmerschaft verwiesen (Rz 251 ff.). Mit Bezug\nauf den Zusammenhang zwischen dem Informationsaustausch als ganzem und der beobachteten Auswirkung, gilt das folgende:\n\n571. Das Sekretariat stellte aufgrund eines Vergleiches mit dem LIK Total in einem ersten\nSchritt dar, dass die Preise der Luxus- bzw. Prestige-Kosmetikprodukte im Vergleich zum\ngesamten LIK wesentlich höher angestiegen sind. Konkret wurde der LIK mit der durchschnittlichen prozentualen Preisanstieg der Bestseller-Produkte verglichen. Dieser Befund\nwurde in einem zweiten Schritt durch den Vergleich der Preisentwicklungen derselben Produktgruppe mit dem LIK Körperpflege überprüft. Dabei zeigte sich, dass die Preise der untersuchten Produkte im Vergleich zum LIK Körperpflege prozentual noch wesentlich höher\nangestiegen sind. Schliesslich überprüfte das Sekretariat auch diesen Befund, indem es in\neinem dritten Schritt die festgesellten Preisentwicklungen mit dem LIK Toilettenartikel verglich. Aus diesem Vergleich wurde ersichtlich, dass die Preise der beobachteten Produkte\nprozentual weitaus höher angestiegen sind als die Vergleichsprodukte.\n\n22/2009/02903/COO.2101.111.5.159965 128\n572. Vor dem Hintergrund, dass auch der schweizerische Gesetzgeber davon ausgeht,\ndass fehlender Wettbewerb zu überhöhten Preisen führt,521 liegt der Schluss auf der Hand,\ndass die Unterschiede in den Preisentwicklungen auf mangelnden Wettbewerb zurückzuführen sein könnten. Das Sekretariat begnügte sich für den Beweis der Wettbewerbsbeschränkung aber nicht mit dieser objektiv festzustellenden Marktentwicklungen.\n573. Es zeigte sich auch, dass die Preise nie sanken. Dies im Gegensatz zu den Preisentwicklungen des LIK Toilettenartikel. Beim LIK Toilettenartikel sanken die Preise im\nDurschnitt. Stellt man diese Entwicklung vor den Hintergrund des Austausches sensibler\nMarktdaten, den Umstand, dass eine hohe Korrelation zwischen den ausgetauschten Listenpreisen (Bruttopreisen) und den Endverkaufspreisen besteht sowie den Marktanteilsentwicklungen, kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die Preisentwicklungen auf\nden Informationsaustausch zurückzuführen sind, bzw. dass ein Kausalzusammenhang besteht. Dieses Resultat wird zusätzlich durch die nachfolgenden Überlegungen gestützt.\n\n574. Deurocos erklärt die Preise könnten aufgrund von steigenden Rohstoffpreisen angestiegen sein. Deurocos spezifiziert dabei weder auf welche Rohstoffe sie sich bezieht, noch\nin welchem Umfang die Preise angestiegen sein sollen. Unabhängig davon ist dazu festzuhalten, dass allfällige gestiegene Rohstoffpreise sich auch in den verschiedenen LIK abbilden. Vor allem beim LIK Toilettenartikel würde sich eine Erhöhung der Rohstoffpreise klar\nmanifestieren, da er auf einem Warenkorb basiert, der zahlreiche Kosmetikprodukte umfasst,\ndie dieselben Inhaltsstoffe enthalten. Die Rohstoffpreise sind somit in den LIK bereits abgebildet. Deurocos Vorbringen ist folglich verfehlt.\n\n"}