{"Signatur": "CH_WBK_001", "Spider": "CH_WEKO", "Datum": "2009-10-19", "PDF": {"Datei": "CH_WEKO/CH_WBK_001_ADSL-II_2009-10-19.pdf", "URL": "https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2010/01/adsl_ii.pdf.download.pdf/adsl_ii.pdf", "Checksum": "2676bd0df7ff988cedb969c0d7c57f81"}, "Scrapedate": "2026-02-13", "Num": ["ADSL II"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Wettbewerbskommission 19.10.2009 ADSL II"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Wettbewerbskommission 19.10.2009 ADSL II"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Wettbewerbskommission 19.10.2009 ADSL II"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Wettbewerbskommission "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Wettbewerbskommission "}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "ADSL II"}], "ScrapyJob": "446973/67/1907", "Zeit UTC": "13.02.2026 03:13:16", "Checksum": "e75f44eb02045f142e899defb0daff5e", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Wettbewerbskommission 19.10.2009 ADSL II\nRegeste:\nADSL II\n\n 49/102\n3) Die Differenz zwischen Wholesale-Kosten und Retail-Preis reichen nicht aus, um\nWettbewerbern einen genügenden Ertrag im nachgelagerten Retail-Markt zu ermöglichen. Im vorliegenden Fall bestehen, wie nachfolgend aufzuzeigen ist, keine genügenden Margen (vgl. Rz. 223 ff., Rz. 271 ff.).\n4) Dauer: Ein Price Squeeze muss genügend lange bestehen, damit er reale Auswirkungen im Markt entfaltet. Im Folgenden wird dargelegt werden, dass über mehrere\nJahre (mindestens seit Anfang 2003) ein Price Squeeze bestand (vgl. Rz. 223 ff.,\nRz. 271 ff.).\n5) Zurückgewinnung von Verlusten: Das vertikal integrierte Unternehmen kann die Verluste, welche als Folge der ungenügenden Marge im Bereich Retail entstehen, zurückgewinnen, beispielsweise über Profite, welche im Bereich Wholesale erzielt werden. Es wird aufzuzeigen sein, dass die Verluste von Swisscom (Bluewin) im Bereich\nADSL mit entsprechenden Gewinnen im Wholesale mittels BBCS mehr als kompensiert werden (vgl. Rz. 312 ff.).\n214. Ein Price Squeeze kann grundsätzlich dann entstehen, wenn der Endkundenpreis (EP)\nrelativ zu tief (Predation) oder wenn der Wholesale-Preis (WP) relativ zu hoch ist (Vertikale\nMarktabschottung). Vorliegend ist mit Blick auf die hohen Preise davon auszugehen, dass es\nsich um eine vertikale Marktabschottung und nicht um Predation handelt (vgl. Rz. 317).\n\n215. Bei diesem Verhalten verunmöglicht Swisscom anderen ISP (Green, Sunrise, Tele2\netc.) im Breitbandmarkt profitabel zu sein. Wenn der Preis, welcher Swisscom für das Who-\nlesale-Angebot verlangt (WP), grösser ist als die Differenz zwischen dem Retail-Preis (RP)\nund den Kosten, welche einem ISP entstehen (RK), so kann ein ISP nicht profitabel Breitbanddienstleistungen anbieten. Dann ist die Retail-Marge (RM) ungenügend oder negativ.\n\nFormal: RM = RP – WP – RK < 0, wobei\n\nWP: Wholesale-Preis von Swisscom\nRP: Retail-Preis (Endkundenpreis)\nRK: Retail-Kosten\nRM: Retail-Marge.\n216. Der volkswirtschaftliche Schaden ergibt sich einerseits aus der Verringerung des Angebotes für Endkunden und andererseits aus sich ergebenden Monopolrenten auf der Who-\nlesale-Stufe.\n\n217. Nachfolgend ist anhand verschiedener Methoden und Faktoren (Kosten-Preis-Schere\nTests, Margen Betrachtung) aufzuzeigen, ob durch die Preispolitik von Swisscom bei den\nVorleistungsentgelten für DSL-Breitbandinternet im Verhältnis zu den Endkundenpreisen ihres gruppeneigenen ISP Bluewin eine Kosten-Preis-Schere mit unzureichenden Gewinnmargen für alternative ISP besteht, womit eine Diskriminierung von Handelspartnern im Sinne\nvon Art. 7 Abs. 2 lit. b KG begründet wird. Zuerst werden im nächsten Kapitel (B.3.2.1.1) zu\nden Kosten-Preis-Schere Tests die bei den Anbietern entstandenen Kosten analysiert. Danach wird im Kapitel B.3.2.1.2 zudem die unzureichende Marge für das 3’500/300-Angebot\nanalysiert. Anschliessend werden im Kapitel B.3.2.1.3 die Auswirkungen der Kosten-Preis-\nSchere auf Gewinne und Verluste innerhalb von Swisscom veranschaulicht.\n\n218. Swisscom macht in Rz. 212 ihrer Stellungnahme vom 26. März 2009 209 geltend, dass\nsie keinen Anreiz habe, eine Kosten-Preis-Schere anzuwenden und keinen Anreiz habe, andere DSL-Anbieter aus dem Markt zu drängen. Um dies zu belegen, zitiert Swisscom verschiedene Theorien.\n\n219. Hierzu ist Folgendes anzumerken: Der Gewinn, welcher in der gesamten Wertschöpfungskette DSL zu erwirtschaften ist, fällt ausschliesslich auf der Wholesale-Stufe an. Allein\n\n209\nAkte Nr. 123.\n\n50/102\nSwisscom ist in diesem Bereich tätig und erwirtschaftet daher als einzige Anbieterin von\nDSL-Dienstleistungen auf Wholesale-Stufe Gewinne. Swisscom profitiert daher in hohem\nMasse von ihrer Preisstrategie. Die Anwendung von KG 7 setzt zwar nicht voraus, dass eine\nVerhaltensweise schuldhaft ist, jedoch zeigen die hohen Gewinne auf der Wholesale-Stufe,\ndie enorme Erhöhung des Retail-Marktanteiles von Bluewin und das Ausscheiden von Wettbewerbern auf der Retail-Stufe, dass Swisscom einen grossen Anreiz hat, einen Price-\nSqueeze zu betreiben.\n\n220. Zu den genannten Theorien ist zu erwähnen, dass sich immer wieder Theorien und\nspezifische Modelle finden, mit deren Hilfe sich unter bestimmten Annahmen zeigen lässt,\ndass sich ein Price-Squeeze aus Sicht eines vertikal integrierten Unternehmens nicht lohnen\nkönnte. Aus der Existenz solcher Theorien kann Swisscom nichts zu ihren Gunsten ableiten.\nGemäss herrschender Lehre und Praxis führt ein Price-Squeeze zu volkswirtschaftlichen\nSchäden wegen der Verringerung des Angebotes für Endkunden und andererseits wegen\nder sich ergebenden Monopolrenten auf der Wholesale-Stufe (siehe auch Rz. 216). Dass\nvon der EU-Kommission und von mehreren nationalen Gerichten in der EU im Telekommunikationsbereich bereits ähnlich gelagerte Fälle existieren, zeigt, dass auch die Europäische\nRechtsprechung von einer Schädlichkeit von Kosten-Preis-Scheren ausgeht (siehe auch\nRz. 208 ff.).\n\n"}