{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2010-10-08", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000206_2010-10-08.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000206.pdf?ID=150000206", "Checksum": "a1d516d99136ba488865365498e65352"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000206"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 08.10.2010 150000206"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Rainer J. 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Die Prüfung der Einhaltung dieses Grundsatzes ist\nkeine juristische, sondern in erster Linie eine armeeorganisatorische Frage. Eine Erhöhung des Anteils der DD setzt demnach aus verfassungsrechtlicher Sicht eine eingehende Analyse der Auswirkungen der Erhöhung auf die aktiven Verbände voraus. Insbesondere ist zu prüfen, ob die in der Armeeorganisation ausgewiesenen Truppenkörper soweit mit Mannschaft und Kadern ausgefüllt werden\nkönnen und hinreichend mit Material und Infrastruktur ausgestattet sind, dass die zugewiesenen Aufträge erfüllbar und die dazu erforderliche Ausbildung durchführbar sind. Dabei gilt es insbesondere zu\nbeachten, dass ein DD zu einem Verlust von 6 WK-Soldaten führt, da dieser seine 6 WKs nicht zu\nleisten hat. Wie im Armeebericht 2010 dargelegt, würde eine Verdoppelung des Anteils der DD von\nheute ca. 2‘400 auf 4‘800 pro Rekrutenjahrgang zu einem Abbau von über 20 WK-Bataillonen füh-\n393\nren.\n\nii. Milizprimat von Unteroffizieren und Offizieren\n\nDie Erhöhung des Durchdieneranteils darf nicht zu einer überwiegenden Professionalisierung insbe-\n394\nsondere der Einsatzkader führen. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang nicht nur, wie\n\n389\nHALTINER, Milizarmee II, S. 111; HALTINER/SZVIRCSEV TRESCH, S. 37.\n390\nVgl. BBl 2002 858, Botsch. Armeereform XXI, S. 897.\n391\nSo auch Gutachten SCHINDLER: VPB 65 (2001), Nr. 38, S. 456.\n392\nVgl. auch HALTINER, Milizarmee II, S. 113.\n393\nVgl. Armeebericht 2010, vom 1. Oktober 2010, S. 78.\n394\nAls Einsatzkader werden jene Kader bezeichnet, welche in den ausgebildeten Formationen der Armee eingeteilt sind\nund ihre Truppe im aktiven Einsatz zu führen haben.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2010, Ausgabe vom 1. Dezember 2010 161\nGutachten Rainer J. Schweizer/Jan Scheffler/Benedikt van Spyk\n\nweit die Durchdienerformationen durch vertraglich verpflichtete Dienstleistende geführt werden, sondern auch, wie weit die Karrieremöglichkeiten der Milizkader, die im WK-Modell dienen, durch die\nErhöhung der Quote der Durchdiener beeinträchtigt wird. Sofern die Anhebung des Anteils der DD\neine überwiegende oder gänzliche Professionalisierung aller Kaderpositionen befürchten liesse, würde\ndies zu einer de facto Abkehr von der verfassungsrechtlich vorgeschriebenen Milizarmee und der\n395\nEinführung einer Wehrpflichtarmee mit professionellem Kader führen. Mit dieser Feststellung soll\nnicht bestritten werden, dass die Armee heute für verschiedene Funktionen und für spezielle Aufträge\n(vgl. 101 MG) einen wachsenden Bedarf an professionellen Unteroffizieren und Offizieren hat. Dennoch müssen folgende Interdependenzen zwischen dem Durchdienermodell und der Kaderrekrutierung berücksichtigt werden:\n\n• Durch die Erhöhung des Durchdieneranteils verringern sich die Karrieremöglichkeiten für jene\nMilizkader, die keinen Militärdienst ohne Unterbrechung leisten möchten.\n\n• Durch die Erhöhung der einsatzbereiten Kräfte mittels Durchdienerformationen werden WK-\nFormationen zunehmend von subsidiären Einsätzen zugunsten der zivilen Behörden entlastet. Für\ndie Milizoffiziere, die keinen Dienst ohne Unterbrechung leisten, verringern sich so die Möglichkeiten, einen Einsatz zu leiten und entsprechende Führungserfahrungen zu sammeln.\n\n• Die von den Durchdienerformationen insbesondere der Infanterie geleisteten Einsätze (allen voran\nAMBA CENTRO) sind für die Kader (und Mannschaften) teilweise wenig abwechslungsreich und\n396\nwerden als wenig attraktiv wahrgenommen . Dies erschwert die Kaderrekrutierung für Durchdienerformationen zusätzlich.\n\n•\n397\nEine empirische Erhebung über die Motivation der DD zeigt, dass diese vor allem daran interessiert sind, ihren Dienst so schnell als möglich hinter sich zu bringen und deshalb auch nur bedingt dazu bereit sind, einen erheblich längeren Dienst ohne Unterbrechung für die Kaderausbildung in Kauf zu nehmen.\n\n• Aufgrund der langen Dienstzeit am Stück für Subalternoffiziere ist davon auszugehen, dass die\nFührung der Durchdienerverbände durch Milizkader nicht sichergestellt werden kann. Eine gesetzliche Verpflichtung zu einem bestimmten Grad im Rahmen eines Dienstes ohne Unterbrechung\nlässt sich gestützt auf Art. 15 MG m.E. nicht rechtfertigen und bedürfte einer gesonderten gesetzlichen Grundlage. Mit einer Erhöhung der Zahl an DD wird deshalb tendenziell auch das Bedürfnis\nnach professionellen Subalternoffizieren zunehmen.\n\n"}