{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2010-10-08", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000206_2010-10-08.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000206.pdf?ID=150000206", "Checksum": "a1d516d99136ba488865365498e65352"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000206"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 08.10.2010 150000206"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Rainer J. Schweizer/Jan Scheffler/Benedikt van Spyk"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:18:29", "Checksum": "dc4d7044c02976bd467df54fdbf933fc", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 08.10.2010 150000206\n\nc) Schutzumfang in \"normalen\" und in Krisenzeiten\nDies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der geforderte Schutzumfang insgesamt doch\nbeträchtlich ist und ausserdem im Völkerrecht einen hohen Stellenwert hat. Dieser weite Schutzumfang ergibt sich daraus, dass die Massnahmen proportional zu den Risiken und Bedrohungen sein\n249\nmüssen. Das bedeutet zum einen, dass schon in \"normalen\" Zeiten besonders gefährdeten Räumlichkeiten (etwa den einem erhöhten Risiko ausgesetzten Vertretungen gewisser Staaten) und Perso-\n250\nnen (z.B. Staatsoberhäuptern, Regierungschefs und Aussenministern) ein intensiver Schutz ge-\n251\nbührt, der im Falle der Personen etwa bewaffnete Leibwachen und im Falle der Räumlichkeiten\n252\nnicht zuletzt bauliche Massnahmen umfassen kann. Dabei macht die Schutzpflicht nicht in jedem\nFall an der Grenze zu den Räumlichkeiten halt. Zwar sind die Räumlichkeiten unverletzlich, aber im\nFalle der Schweiz arbeiten viele Entsendestaaten oder internationale Organisationen in Sicherheitsfragen von sich aus zunehmend mit den hiesigen Behörden zusammen und richten Schutzanfragen\nan die Schweiz, die auch das Gelände der Missionen oder Organisationen (etwa im Fall der genannten baulichen Massnahmen), also mithin die \"Räumlichkeiten\", betreffen.\nZum anderen muss der Empfangs- oder Gaststaat in der Lage sein, auf eine sich möglicherweise\nrasch verschärfende Bedrohungslage ebenso rasch zu reagieren und das Schutzniveau massiv zu\nerhöhen. Im berühmten Fall der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran hat der Internationale\nGerichtshof \"a clear and serious violation\" des Völkerrechts durch den Iran festgestellt, unter Hinweis\nnamentlich auf die Schutzpflichten nach Art. 22 Abs. 2 und Art. 29 WÜD, und er hat zugleich den \"imperative character\" der Verpflichtungen betont, die sich aus dem Recht der diplomatischen Beziehun-\n253\ngen ableiten. Die Schweiz trägt den besonderen Schutzpflichten in ausserordentlichen Lagen, auf\ndie die Bundesbehörden nach Art. 185 Abs. 3 und 4, Art. 173 Abs. 1 Bst. c und d sowie Art. 58 Abs. 2\nBV reagieren müssen, auch in den Sitzabkommen mit internationalen Organisationen Rechnung. Darin verpflichtet sich der Bundesrat, in solchen Krisensituationen im Einvernehmen mit der internationa-\n254\nlen Organisation die notwendigen Massnahmen zu deren Schutz zu beschliessen. Die besonderen\n\n247\nVgl. ROBERTS, S. 104 u. 125. Für eine Kategorisierung unterschiedlicher Personengruppen und unterschiedlicher Anlässe (offiziell / privat) vgl. Direction du droit international public, Note au Service fédéral de sécurité du Département fédéral de\njustice et police, du 13 mai 2005, in: SZIER 5/2006, S. 633 (636 f.).\n248\nVgl. Direction du droit international public, Note au Service fédéral de sécurité du Département fédéral de justice et\npolice, du 13 mai 2005, in: SZIER 5/2006, S. 633 (635).\n249\nVgl. D'ASPREMONT, Rz. 29; ROBERTS, S. 104.\n250\nVgl. hierzu etwa WATTS, S. 105, der mit Blick auf Regierungschefs und Aussenminister zutreffend ausführt: \"What is\n'due' or 'appropriate', in any particular case will vary with the circumstances, but there would seem little room to doubt that the\nstandard of appropriateness in relation to heads of government and foreign ministers is high\".\n251\nVgl. ROBERTS, S. 126.\n252\nDirection du droit international public, Note à la Division politique III concernant un Avis de droit du canton de Genève\nsur la prise en charge des frais liés à la sécurité architecturale des organisations internationales, du 10 décembre 2004.\n253\nVgl. IGH, United States Diplomatic and Consular Staff in Teheran (United States of America v. Iran), Judgment, I.C.J.\nReports 1980, S. 3, Rz. 67 und 88. Ein weiterer Fall, in dem der IGH eine Verletzung von Art. 22 und 29 WÜD festgestellt hat,\nist IGH, Armed Activities on the Territory of the Congo (Democratic Republic of the Congo v. Uganda), Judgment, I.C.J. Reports\n2005, S. 168, Rz. 334 ff.\n254\nSiehe Abkommen vom 11. März 1946 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zur Festlegung des rechtlichen Statuts dieser Organisation in der Schweiz (SR 192.120.282), Art. 25 (nachfolgend: Sitzabkommen Schweiz-ILO); Abkommen vom 10. Februar 1987 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der\nBank für Internationalen Zahlungsausgleich zur Regelung der rechtlichen Stellung der Bank in der Schweiz (SR 192.122.971.3),\nArt. 25 (nachfolgend: Sitzabkommen Schweiz-BIZ); Sitzabkommen Schweiz-WTO, Art. 46; Abkommen vom 20. März 1997\n\nVPB/JAAC/GAAC 2010, Ausgabe vom 1. Dezember 2010 142\nGutachten Rainer J. Schweizer/Jan Scheffler/Benedikt van Spyk\n\n"}