{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2010-10-08", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000206_2010-10-08.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000206.pdf?ID=150000206", "Checksum": "a1d516d99136ba488865365498e65352"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000206"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 08.10.2010 150000206"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Rainer J. 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September 2002 hat die Schweiz ihre Selbstverpflichtung erneuert.\n\nb) Das völkerrechtliche Neutralitätsrecht als Teil des ius contra bellum\nDas internationale Konfliktsrecht bezweckt mit den besonderen Verpflichtungen für die an einem bewaffneten Konflikt unbeteiligten dritten Staaten deren Verwicklung in den ausgebrochenen Konflikt zu\nvermeiden und den Konflikt damit einzugrenzen. Dafür stellt das Völkerrecht grundlegende Pflichten\nfür solche neutralen Staaten auf.\nDie im 19. Jahrhundert gewohnheitsrechtlich entwickelten Pflichten wurden teilweise an der Zweiten\nHaager Friedenskonferenz 1907 im V. Abkommen betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen\n156\nMächte und Personen im Falle eines Landkrieges und im XIII. Abkommen betreffend die Rechte\n157\nund Pflichten der neutralen Mächte im Falle eines Seekrieges kodifiziert und von der Schweiz 1910\n158\nratifiziert. Nicht verbindlich wurden leider die 1923 vorgelegten \"Haager Luftkriegsregeln\" , die auch\n159\nbesondere Pflichten für neutrale Staaten enthalten, welche als Leitlinien unverändert aktuell sind.\nErgänzt wird das Haager Recht insbesondere durch die vier Genfer Abkommen zum Schutz der\n160 161\nKriegsopfer vom 12. August 1949 , durch die beiden Genfer Zusatzprotokolle von 1977 sowie\nzunehmend durch das völkerrechtliche Gewohnheitsrecht.\nDie daraus folgenden Pflichten lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ein neutraler Staat muss 1.\nunparteiisch sein und 2. sein Hoheitsgebiet mit den vorhandenen (militärischen) Mitteln so schützen,\ndass es den Konfliktparteien nicht für bewaffnete Angriffe oder andere militärische Operationen zur\nVerfügung steht; 3. darf er die Konfliktsparteien weder direkt (mit Truppen, Material, Finanzhilfen oder\nInformationen) noch indirekt (mit Übungsplätzen, Überflugrechten oder Truppenstützpunkten) unters-\n162\ntützen ; und 4. sind gewisse Beschränkungen, namentlich bezüglich der Zulässigkeit staatlicher\n163\nKriegsgüterausfuhr, zu beachten . Da sich der neutrale Staat erst im Falle eines Konflikts für die\nNeutralität entscheidet, bestehen für ihn zu Friedenszeiten keine Neutralitätsverpflichtungen.\n\n153\nInsbesondere der Art. 435 des Versailler Friedensvertrages von 1919, die Londoner Erklärung des Völkerbundrates von\n1920, der Beschluss des Völkerbundes von 1938 und das Moskauer Memorandum von 1955. Vgl. Yearbook of the International\nLaw Commission, 1964 II S. 184; zur Diskussion der Rechtspflicht WILDHABER, Bewaffnung, S. 430.\n154\nZur Bedeutung der Ausführungen über die Neutralität im Beitrittsgesuch des Bundesrates: THÜRER/BAUR, SG Komm.,\nArt. 197 Ziff. 1, Rz. 25 ff.\n155\nA/Res/57/1.\n156\nAbkommen vom 18. Oktober 1907 betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen Mächte und Personen im Falle\neines Landkriegs (SR 0.515.21).\n157\nAbkommen vom 18. Oktober 1907 betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen Mächte im Falle eines Seekriegs\n(SR 0.515.22).\n158\nAbgedr. in: HINZ/RAUCH, Nr. 1534.\n159\nVgl. IPSEN, in: Ipsen, § 64 Rz. 11, sowie bes. BOTHE, in: Fleck, Handbook, S. 601 ff.\n160\nGenfer Abkommen vom 12. August 1949 zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der bewaffneten\nKräfte im Felde (SR 0.518.12); Genfer Abkommen vom 12. August 1949 zur Verbesserung des Loses der Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der bewaffneten Kräfte zur See (SR 0.518.23); Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über die\nBehandlung der Kriegsgefangenen (SR 0.518.42); Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz von Zivilpersonen\nin Kriegszeiten (SR 0.518.51).\n161\nZusatzprotokoll vom 8. Juni 1977 zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (Protokoll I, SR 0.518.521); Zusatzprotokoll vom 8. Juni 1977 zu den Genfer Abkommen vom 12.\nAugust 1949 über den Schutz der Opfer nicht internationaler bewaffneter Konflikte (Protokoll II, SR 0.518.522).\n162\nVgl. diesbezüglich BBl 2005 6997, Neutralität im Irak-Konflikt, S. 6998 ff.\n163\nNäheres zu den konkreten Pflichten neutraler Staaten z.B. WILDHABER, Bewaffnung, S. 433 f.; IPSEN, in: Ipsen, § 72 Rz.\n14 ff.; BOTHE, in: Fleck, Handbook, S. 582 ff.; DINSTEIN, War, Aggression and Self-Defence, S. 25 ff.\n\n"}