{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2010-10-08", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000206_2010-10-08.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000206.pdf?ID=150000206", "Checksum": "a1d516d99136ba488865365498e65352"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000206"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 08.10.2010 150000206"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Rainer J. 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Dennoch ist immer entscheidend, dass die internationale Sicherheits- und Friedensordnung\neine \"human security\", eine Sicherheit für die Menschen, schaffen kann.\nDafür nun müssen vor allem die menschenrechtlichen Schutzpflichten gegenüber allen an Leib und\nLeben, Freiheiten, Eigentum und sozialer Sicherung besonders gefährdeten Menschen beachtet werden. Die Vorstellung von menschen- und (somit auch) grundrechtlichen Schutzpflichten des Staates\n132\nwurde vor allem durch die internationale Rechtsprechung entwickelt. Sie bedeutet, dass der Staat\nnicht nur Menschenrechtsverletzungen auf Klage oder Beschwerde der betroffenen Personen beurteilen und allenfalls sanktionieren muss, sondern dass er den Schutz des Lebens, der persönlichen Freiheit und anderer fundamentaler Rechte, z.B. gegenüber den Gefahren durch organisierte Kriminalität\nund terroristische Gewalt, durch staatliche Aggression oder durch gefährliche Technologien, generell\n133\npräventiv oder repressiv, konkret und effektiv sicheren und schützen soll. Diese Schutzpflichten\nwahrzunehmen ist Sache des Gesetzgebers, der Gerichte, aber nicht zuletzt auch der exekutiven\nGewalten von Polizei, Bevölkerungsschutz und Armee, welche eben über besondere Ermittlungs- und\nDurchsetzungsmittel verfügen.\nDie Konsequenz aus den menschenrechtlichen Schutzpflichten ist zwingend: vor Gewalt, schweren\nUmweltschäden, drohenden Naturkatastrophen oder Not sind besonders gefährdete Personen zu\nschützen; aber auch ganze Gruppen wie bedrohte Minderheiten oder von Gewaltverbrechen bedrohte\nTeile der Bevölkerung brauchen qualifizierten Schutz. Die Schutzpflichten müssen, wenn denn mehr\nals nur polizeiliche Notwehr gefordert ist, auch mittels der Armee mit ihren Verteidigungs- und Assistenzaufträgen nach Art. 58 Abs. 2 BV erfüllt werden.\n\nb) Responsibility to protect\nDie Völkerrechtslehre, aber vor allem auch UN-Instanzen haben sich nach dem Kosovo-Krieg und\nnach dem Beginn der Kämpfe im Irak und in Afghanistan intensiv damit beschäftigt, ob die Staatengemeinschaft nicht eine rechtliche Verantwortung zu Interventionen und Massnahmen der Gewaltbe-\n134\ngrenzung hat, wenn gravierende innerstaatliche Menschenrechtsverletzungen vorkommen. Eine\nsolche \"responsibility to protect\" wird (in Grenzen) heute weitgehend anerkannt, auch wenn ihre völkerrechtliche Grundlage nicht geklärt ist. Überzeugend ist m.E. von einem völkerrechtlichen Notstand\n135\nauszugehen. Die \"responsibility to protect\" muss wohl als erstes dem Staat selbst obliegen, der\n\n132\nNäheres z.B. bei EGLI, Drittwirkung, passim; BESSON, in: ZSR 2003 I, S. 49 ff.; GRABENWARTER, § 19 Rz. 7 ff.; KÄ-\nLIN/KÜNZLI, S. 118 ff., 325 ff.; SCHWEIZER, SG Komm., Art. 10 Rz. 35 f.; Art. 35 Rz. 13 ff.\n\n133\nVgl. sehr deutlich hierzu etwa EGMR, Urteil vom 7. Januar 2010, Rantsev gegen Zypern und Russland, Appl. 25965/04,\nZiff. 218 f.: \"In the first place, this obligation requires the State to secure the right to life by putting in place effective criminal law\nprovisions to deter the commission of offences against the person backed up by law enforcement machinery for the prevention,\nsuppression and punishment of breaches of such provisions. However, it also implies, in appropriate circumstances, a positive\nobligation on the authorities to take preventive operational measures to protect an individual whose life is at risk from the criminal acts of another individual (…).Not every claimed risk to life can entail for the authorities a Convention requirement to take\noperational measures to prevent that risk from materialising. For the Court to find a violation of the positive obligation to protect\nlife, it must be established that the authorities knew or ought to have known at the time of the existence of a real and immediate\nrisk to the life of an identified individual from the criminal acts of a third party and that they failed to take measures within the\nscope of their powers which, judged reasonably, might have been expected to avoid that risk\".\n134\nZur \"responsibility to protect\" (UN, Report of the Secretary General's High-level Panel on Threats, Challenges and\nChange, A more secure world: our shared responsibility, 2 December 2004, A/595/65) vgl. VERLAGE, S. 43 ff. (betreffend völkerrechtliche Verankerung), S. 174 ff. (betreffend rechtlicher Gehalt); BELLAMY, bes. S. 98 ff.; HILPOLD, The Duty to Protect, in: Max\nPlanck Yearbook of United Nations Law 2006; S. 35 ff.\n135\nVERLAGE, S. 296 ff.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2010, Ausgabe vom 1. Dezember 2010 125\nGutachten Rainer J. Schweizer/Jan Scheffler/Benedikt van Spyk\n136\nseine Bevölkerung vor massiven Verbrechen und Grausamkeiten zu schützen hat. Anschliessend\nist auch aus völkerrechtlicher Solidarität das internationale Engagement zu fordern.\n\n"}