{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2010-10-08", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000206_2010-10-08.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000206.pdf?ID=150000206", "Checksum": "a1d516d99136ba488865365498e65352"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000206"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 08.10.2010 150000206"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 08.10.2010 150000206"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Rainer J. Schweizer/Jan Scheffler/Benedikt van Spyk"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:18:29", "Checksum": "dc4d7044c02976bd467df54fdbf933fc", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 08.10.2010 150000206\n\n II. Völkerrechtliche Anforderungen\n1. Die Verteidigung von Land und Bevölkerung gemäss der BV im Rahmen der internationalen Friedensordnung\na) Massgebliche völkerrechtliche Aspekte\nDas Völkerrecht ist nach Art. 5 Abs. 4 BV von den Organen des Bundes und der Kantone zu respektieren, und es ist, soweit es \"zwingendes Völkerrecht\" ist, Schranke selbst für den Verfassungsgeber\n75\n(Art. 139 Abs. 3, Art. 193 Abs. 4 und Art. 194 Abs. 2 BV). Der verfassungsrechtliche Auftrag der\nArmee zur Verteidigung des Landes und seiner Bevölkerung wird ganz wesentlich durch das Völkerrecht bestimmt:\n1. Es ist das zentrale Anliegen des Völkerrechts, bewaffnete Konflikt zu unterbinden oder einzudämmen, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit zu wahren (Art. 1 Ziff.\n76 77\n1 der Charta der Vereinten Nationen vom 26. Juni 1945 ). Dabei sollen namentlich durch den\nSchutz der Menschenrechte, die das humanitäre Völkerrecht in Konflikten auf praktische Art und\nWeise sichern will, die verheerenden Auswirkungen von Gewalt und Waffeneinsatz auf die Menschen eingegrenzt werden.\n2. Vor allem das Gewaltverbot nach Art. 2 Ziff. 4 der UN-Charta bestimmt heute die internationale\n78\nFriedensordnung. Diese wird namentlich durch die Pflicht der Staaten zur friedlichen Streitbeilegung nach Art. 2 Ziff. 2 der UN-Charta und das von der UN-Charta aufgebaute System kollektiver Sicherheit mit den Entscheidungszuständigkeiten des UN-Sicherheitsrates nach Kapitel VII\nder UN-Charta abgesichert.\n3. Wenn die Schweiz wegen einer schweren Gefahr und Bedrohung in eine ausserordentliche Lage\noder in einen staatlichen Notstand kommt und vor der Entscheidung steht, mit der Armee und\nweiteren Kräften das Land und seine Bevölkerung zu verteidigen (Art. 58 Abs. 2 Satz 1, Art. 185\nAbs. 3 und 4, Art. 173 Abs. 1 Bst. d BV), so ist dies in jedem Fall eine Situation, in der der UN-\nSicherheitsrat nach Art. 39 der UN-Charta \"feststellen\" muss, ob die gegen das Land und seine\nBevölkerung gerichtete schwere Gewalt eine Bedrohung oder einen Bruch des Friedens oder ei-\n79\nne Angriffshandlung darstellt, ungeachtet ob die schwere Gefahr von einem oder mehreren anderen Staaten ausgeht oder asymmetrisch von kriminellen oder terroristischen Organisationen,\n80\ndie von Staaten unterstützt oder gefördert werden.\n4. Sodann und nicht zuletzt bestimmt das Völkerrecht auch, wie ein Staat auf die Bedrohung und\nden Bruch des Friedens oder gar eine Angriffshandlung reagieren darf: Grundsätzlich obliegt es\nin der modernen internationalen Friedensordnung dem UN-Sicherheitsrat, die nötigen kollektiven\n\"Massnahmen\" zu treffen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren oder\n81\nwiederherzustellen (Kap. VII UN-Charta). Solange der Sicherheitsrat keine oder nicht ausreichende Massnahmen beschlossen hat, besteht für die Mitgliedstaaten der UNO laut Art. 51 UN-\n\n75\nZur Pflicht von Art. 5 Abs. 4 BV: HANGARTNER, SG Komm., Art. 5, Rz. 44 ff.; besonders zur Beeinflussung des Bundesverfassungsrechts durch das Völkerrecht: ODENDAHL, SG Komm., BV und Völkerrecht in Wechselbeziehung, Rz. 48 ff., 52, 56\nff.; THÜRER, in: Verfassungsrecht der Schweiz, § 11 Verfassungsrecht und Völkerrecht, S. 182 ff.\n76\nSR 0.120.\n77\nVgl. WOLFRUM, in: Simma, A Commentary, Art. 1, Rz. 8 ff. So z.B. Generalversammlung der UN, Resolution 60/1, \"2005\nWorld Summit Outcome\", 24.10.2005, Ziff. 69 ff.\n78\nNäheres: RANDELZHOFER, in: Simma, A Commentary, Art. 2 Ziff. 4, S. 112 ff.; EPINEY, in: ius.full 2006/2, S. 67 ff.; KOLB,\nS. 235 ff.\n79\nZur \"Feststellung\" gemäss Art. 39: FROWEIN/KRISCH, in: Simma, A Commentary, Art. 39, Rz. 4 ff.\n80\nVgl. IGH, Military and Paramilitary Activities in and against Nicaragua (Nicaragua v. USA), I.C.J. Reports 1986, S. 14\n(194); BGE 133 II 450, Erw. 5.1/2 und 6.2; sowie z.B. GRAY, S. 171 ff.\n81\nNäheres dazu z.B. bei HOBE, S. 344 ff.; GRAY, S. 255 ff.; KOLB, S. 87 ff.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2010, Ausgabe vom 1. Dezember 2010 119\nGutachten Rainer J. Schweizer/Jan Scheffler/Benedikt van Spyk\n\n"}