{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2007-11-07", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000116_2007-11-07.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000116.pdf?ID=150000116", "Checksum": "471ad9d3f734987223300982c1ea37c0"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000116"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 07.11.2007 150000116"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 07.11.2007 150000116"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 07.11.2007 150000116"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Fahrländer Karl Ludwig/Gossweiler Adrian"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:21", "Checksum": "6e011447ad5c2a3e5b1e3be48027455d", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 07.11.2007 150000116\n\n8. Kommunikation\n\na) Der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV) und das Prinzip der Verfahrensfairness (Art. 29\nAbs. 1 BV) verlangen, dass der Beschluss der Gerichtskommission (Einstellung oder aber Antragstellung zur Abberufung an die Vereinigte Bundesversammlung) den Betroffenen umgehend mitgeteilt\nwird 153.\n\nb) Der Antrag auf Amtsenthebung an die Vereinigte Bundesversammlung erfolgt in den durch das\nParlamentsrecht vorgeschriebenen Formen (Art. 71 ff. ParlG) 154. Der Einstellungsbeschluss muss\ndemgegenüber der Vereinigten Bundesversammlung nicht kommuniziert werden. Nicht zuletzt auch\naus Gründen des Persönlichkeitsschutzes (Art. 13 Abs. 1 BV) entscheidet die Gerichtskommission\nselbständig darüber, ob und wann sie dem Rat über die Kommissionsarbeit Bericht erstatten will und\nin welcher Form dies geschieht.\n\nc) Die weitere Öffentlichkeit wird nach Massgabe von Art. 48 ParlG über die Ergebnisse der Kommissionsberatungen informiert. Die Art und Weise der Information bleibt der Kommission überlassen 155.\nDie Persönlichkeitsrechte der Betroffenen (Art. 13 Abs. 1 BV) sind zu achten und zu schützen.\n\nV. Folgerungen\nAmtsenthebungsverfahren von Richterinnen und Richtern greifen erheblich in die Rechtsstellung der\nBetroffenen ein, und die Thematik des Verfahrens rührt an zentrale Werte des Rechtsstaats. Obwohl\nausdrücklich kein politisches, sondern ein justizförmiges Verfahren, wird es durch eine ihrem Zuschnitt\nnach politische Behörde durchgeführt, gegen deren Entscheid überdies kein innerstaatliches Rechtsmittel zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist das Verfahren rechtlich nur punktuell normiert; mit Ausnahme der für die Sachverhaltserstellung relevanten Informationsrechte der Gerichtskommission muss für\ndie meisten Verfahrensfragen auf die Mindeststandards der Bundesverfassung zurückgegriffen werden.\n\nIm rechtlich nicht oder nur unvollständig normierten Bereich ist das Verfahren im Sinn einer allgemeinen Leitlinie an den Kernanliegen der Verfahrensfairness und generell an der richterlichen Unabhängigkeit, namentlich an der Wahrung von Ansehen und Unabhängigkeit der Justiz auszurichten. Die\nrechtsgleiche Behandlung gleich gelagerter Fälle (Rechtsgleichheit) und das Gebot der Vorhersehbarkeit und Berechenbarkeit staatlichen Handelns (Rechtssicherheit) lassen es in diesem rechtsstaatlich\nheiklen Bereich angezeigt erscheinen, die grundsätzlichen, im parlamentarischen Verwaltungsverfah-\n\n150\nVgl. BELLWALD, S. 125 f.\n151\nVgl. dazu vorne Ziff. IV.1.\n152\nVgl. auch BELLWALD, S. 126.\n153\nVgl. auch BELLWALD, S. 126 f.\n154\nEbenfalls zu beachten sind Art. 21 ff. GRN i.V.m. Art. 41 Abs. 1 ParlG; vgl. dazu VON WYSS, S. 90 f.\n155\nVgl. Bericht SPK N zur Parlamentarischen Initiative Parlamentsgesetz, BBl 2001 3552.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2008, Ausgabe vom 3. September 2008 342\nGutachten R. Kiener/B. Durrer/St. Fässler/M. Krüsi\n\nren (Verfahren auf Erlass einer Verfügung) geltenden Regeln generell-abstrakt (zumindest in einem\nReglement) festzuhalten.\n\nDies entspricht im Übrigen auch einer Empfehlung des Ministerkomitees des Europarates 156. Demnach soll die Entlassung von Richtern und Richterinnen nur nach Massgabe von gesetzlich geregelten\nVerfahren zulässig sein: Grundsatz VI Ziff. 3 der Empfehlung bestimmt ausdrücklich, dass das Gesetz\ngeeignete Verfahren vorsehen sollte, damit die betroffenen Richterinnen und Richter zumindest in den\nGenuss aller von der Konvention vorgesehenen Garantien eines fairen Verfahrens gelangen.\n\n156\nRecommendation No. R [94] 12 of the Committee of Ministers to Member States on independence, efficiency\nand role of judges, adopted by the Committee of Ministers on 13 October 1994 at the 516th meeting of the\nMinisters' Deputies; vgl. im Übrigen auch MRA General Comment No. 32 Ziff. 19.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2008, Ausgabe vom 3. September 2008 343\nGutachten R. Kiener/B. Durrer/St. Fässler/M. Krüsi\n\nAnhang\nVI. Erlasse\n1. Bundesrecht\n\nAufRBGer Reglement des Bundesgerichts betreffend die Aufsicht über das Bundesstrafgericht und das Bundesverwaltungsgericht, Aufsichtsreglement des Bundesgerichts,\nvom 11. September 2006, SR 173.110.132.\nBGG Bundesgesetz über das Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz, vom 17. Juni 2005,\nSR 173.110.\nBGÖ Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung, Öffentlichkeitsgesetz, 17. Dezember 2004, SR 152.3.\n\nBPG Bundespersonalgesetz, vom 24. März 2000, SR 172.220.1.\nBV Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, vom 18. Dezember\n1998, SR 101.\n\n"}