{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2007-11-07", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000116_2007-11-07.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000116.pdf?ID=150000116", "Checksum": "471ad9d3f734987223300982c1ea37c0"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000116"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 07.11.2007 150000116"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 07.11.2007 150000116"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 07.11.2007 150000116"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Fahrländer Karl Ludwig/Gossweiler Adrian"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:21", "Checksum": "6e011447ad5c2a3e5b1e3be48027455d", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 07.11.2007 150000116\n\nAuch die Gerichtskommission hat ihren Antrag an die Vereinigte Bundesversammlung zu begründen.\nDie Begründung umfasst eine Darstellung des Sachverhalts und der Erwägungen, welche die Gerichtskommission zur Antragstellung bewogen haben 133. Anhand dieser Begründung lässt sich nachvollziehen, ob die Gerichtskommission die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten tatsächlich gehört,\n\n121\nJÖRG PAUL MÜLLER, S. 525; KELLER, § 225 Rz. 36.\n122\nKiener/Kälin, S. 423.\n123\nJörg Paul Müller, S. 528.\n124\nVgl. dazu auch Art. 7 ParlVV.\n125\nVgl. zum Ganzen JÖRG PAUL MÜLLER, S. 529 f.\n126\nKiener/Kälin, S. 423.\n127\nBGE 126 I 7 E. 2b S. 10; KIENER/KÄLIN, S. 424; JÖRG PAUL MÜLLER, S. 532.\n128\nBGE 130 III 42 E. 3.2.1 S. 44; 129 I 249 E. 3 S. 253.\n129\nBGE 115 V 297 E. 2g/bb S. 304; KIENER/KÄLIN, S. 424 f.\n130\nVgl. vorne Ziff. IV.6.b. Siehe auch BELLWALD, S. 123 und S. 124.\n131\nBGE 121 I 54 E. 2c S. 57.\n132\nKiener/Kälin, S. 425.\n133\nVgl. auch BELLWALD, S. 130.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2008, Ausgabe vom 3. September 2008 339\nGutachten R. Kiener/B. Durrer/St. Fässler/M. Krüsi\n\nsorgfältig und ernsthaft geprüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt hat 134. Eine weniger einlässliche Begründung ist erforderlich, wenn den Anträgen des Betroffenen Folge geleistet wird, beispielsweise bei der Einstellung des Verfahrens.\n\nDer verfassungsrechtlichen Begründungspflicht wird nach der Praxis Genüge getan, wenn sich die\nBehörde auf die für den Entscheid wesentlichen Argumente beschränkt. Wichtig ist, dass sich der\nBetroffene über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft ablegen und ihn – sofern eine Anfechtungsmöglichkeit vorgesehen ist – in voller Kenntnis der Sache anfechten kann 135. Dabei bestehen\numso höhere Anforderungen an die Begründungsdichte, je grösser der Ermessensspielraum und je\nkomplexer die Sach- und Rechtslage ist 136. Im Amtsenthebungsverfahren kommt dem Antrag der Gerichtskommission an die Vereinigte Bundesversammlung erhebliche Tragweite zu. Zwar verfügt die\nVereinigte Bundesversammlung beim Entscheid über die Amtsenthebung über einen gewissen Ermessenspielraum 137, mit Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt ist sie faktisch aber an die\nFeststellungen der Gerichtskommission gebunden 138. Der Abberufungsantrag der Gerichtskommission\nsollte deshalb einlässlich und differenziert begründet werden.\n\ndd) Anspruch auf Vertretung und Verbeiständung (Art. 29 Abs. 2 BV)\nAus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) fliesst das Recht, sich in einem Verfahren auf eigene Kosten vertreten oder beraten zu lassen 139. Im Amtsenthebungsverfahren ist der betroffene Richter oder die betroffene Richterin demnach von Verfassung wegen berechtigt, einen selbst\nfinanzierten Vertreter oder Beistand beizuziehen 140. Im Interesse der Transparenz weist die Gerichtskommission die betroffene Richterin ausdrücklich auf das Recht zur Vertretung und Verbeiständung\nhin.\n\nc. Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV), Rückerstattung der Kosten\n\nDer Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege stellt eine prozessrechtliche Konkretisierung des allgemeinen Gleichheitssatzes (Art. 8 Abs. 1 BV) dar und ist zugleich Ausdruck der Verfahrensfairness (Art.\n29 Abs. 1 BV): Niemand soll vom Zugang zur Rechtspflege und von der effektiven Wahrung seiner\nRechte ausgeschlossen bleiben, nur weil die notwendigen finanziellen Mittel fehlen 141.\n\nDas Recht auf unentgeltliche Rechtspflege besteht in allen streitigen und nicht streitigen staatlichen\nRechtsanwendungsverfahren, das heisst im Zivilprozess ebenso wie in Strafverfahren und in öffent-\nlich-rechtlichen Verfahren unter Einschluss der nicht streitigen Verfahren auf Erlass einer Verfügung 142. Dieser Anspruch ist folglich auch für das Amtsenthebungsverfahren zu bejahen.\n\nDer Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV) umfasst einerseits den Anspruch\nauf unentgeltliche Prozessführung (S. 1), andererseits den Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung (S. 2):\nDer Anspruch auf unentgeltliche Prozessführung ist im Amtsenthebungsverfahren ohne praktische\nBedeutung: In diesem Verfahren können aufgrund des Legalitätsprinzips im Abgaberecht (Art. 127\n\n134\nVgl. BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236.\n135\nBGE 117 Ib 64 E. 4 S. 86.\n136\nKiener/Kälin, S. 426.\n137\nVgl. die Kann-Vorschrift in Art. 10 SGG bzw. Art. 10 VGG.\n138\nBei Einreichung eines Beratungsgegenstandes an die Vereinigte Bundesversammlung wird gemäss Art. 23\nAbs. 2 GRN bloss die formale Rechtsmässigkeit geprüft, nicht jedoch der Antragsinhalt. Indem die Herrschaft über die inhaltliche Ausgestaltung des Antrags wie über den Beratungsgegenstand bei der Antragsstellerin oder beim Antragssteller liegt, gilt beim Antragsrecht die Parteimaxime. Beachte dazu VON WYSS, S.\n151.\n139\nKELLER, § 225 Rz. 43; GRISEL, S. 201 Rz. 454; KIENER/KÄLIN, S. 426.\n140\nVgl. auch Art. 11 VwVG sowie Art. 168 Abs. 4 ParlG (betr. Recht auf Beizug eines Anwalts in Verfahren der\nPUK); BELLWALD, S. 120.\n141\nVgl. BGE 119 Ia 134 E. 4 S. 135; KIENER/KÄLIN, S. 429.\n142\nVgl. BGE 130 I 180 E. 2.2 S. 182 betr. Vormundschaftsverfahren; BGE 128 I 225 betr. Massnahmevollzug;\nKIENER/KÄLIN, S. 430.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2008, Ausgabe vom 3. September 2008 340\nGutachten R. Kiener/B. Durrer/St. Fässler/M. Krüsi\n\n"}