{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2008-01-22", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000080_2008-01-22.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000080.pdf?ID=150000080", "Checksum": "04d35e85c3e7b1ff8ed7b834113ad7f1"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000080"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 22.01.2008 150000080"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 22.01.2008 150000080"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 22.01.2008 150000080"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Niklaus Schmid"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:31", "Checksum": "5bd6d6d2b23a6c296f31e2fbc266293c", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 22.01.2008 150000080\n\nd) Botschaft und Parlamentsdebatte zum Fortpflanzungsmedizingesetz\n44. Auch die Botschaft zum Fortpflanzungsmedizingesetz von 1996 bestätigt die vorliegende Verfassungsauslegung. Die Botschaft betont zunächst im Zusammenhang mit Art.\n24novies Abs. 2 Bst. c aBV (Art. 119 Abs. 2 Bst. c BV), dass «die Erzeugung von menschlichen Embryonen zu Forschungszwecken und das Kryokonservieren von Embryonen\nklar verboten» ist 49. Zur Frage, ob rechtmässig hergestellte, aber planwidrig nicht sofort\nimplantierte Embryonen in vitro aufbewahrt werden dürfen, bemerkt die Botschaft:\n«Trotz der verschiedenen gesetzlichen Schutzvorkehren ist nicht mit völliger Sicherheit auszuschliessen, dass ein Embryotransfer planwidrigerweise nicht zustande kommt (...), beispielsweise wenn die Frau vor der Übertragung verunfallt\noder erkrankt. In solchen singulären Fällen sind unter Nothilfegesichtspunkten\nlebenserhaltende Vorkehren im Sinne einer Konservierung nicht ausgeschlossen; sie stehen unter der Verantwortung der Ärztin oder des Arztes. Auf eine\nentsprechende ausdrückliche Norm, wie sie im Vorentwurf (Art. 17 Abs. 2) enthalten war, kann verzichtet werden.» 50\nDer Bundesrat hielt demnach die Konservierung von rechtmässig hergestellten Embryonen zu Fortpflanzungszwecken für zulässig. Die Rede von der Konservierung als «lebenserhaltende» Massnahme entspricht der teleologischen Interpretation von Art. 119\nAbs. 2 Bst. c Satz 3 BV, der die Entstehung überzähliger Embryonen ohne Überlebenschance verhindern soll.\n45. In den nationalrätlichen Verhandlungen zum Fortpflanzungsmedizingesetz wurde abweichend vom bundesrätlichen Entwurf auf Vorschlag der vorberatenden Kommission die\nRegelung beschlossen, dass das Konservieren von Embryonen verboten ist (Art. 17\nAbs. 3 FMedG) 51. Dieses Verbot wurde im Namen der Kommission damit begründet,\ndass es die Akzeptanz des Gesetzes fördern, jedoch nicht über die Verfassung hinausgehen würde. Insbesondere bleibe die Aufbewahrung von rechtmässig erzeugten Embryonen in Notsituationen zulässig:\n«Avec l'interdiction de produire davantage d'embryons qu'on n'en puisse\nimplanter, l'interdiction du don d'embryons dans la constitution, ainsi que celle\nde produire des embryons dans un autre but que d'induire ou de permettre une\ngrossesse – tel que cela est mentionné à l'article 29, cela assorti encore de\nsanctions pénales –, tant la proposition de minorité que celle de la majorité\npourraient paraître à première vue superflues. La commission a toutefois acquis\nla conviction que l'interdiction de la conservation d'embryons favoriserait\nl'acceptation de la loi, pour autant que les situations médicales d'urgence, à\npréciser au niveau de l'ordonnance, puissent faire exception. Moyennant cette\ncondition, elle a donc accepté de mentionner explicitement cette interdiction,\npar 17 voix sans opposition et avec 4 abstentions.» 52\nGleichzeitig stand im Nationalrat ein Minderheitsantrag zur Diskussion, der in einem\nneuen Art. 17 Abs. 4 FMedG festschreiben wollte, dass überzählige Embryonen «sofort\n\n48\nGutachten BJ (Fn. 7), S. 602.\n49\nBotschaft Fortpflanzungsmedizingesetz (Fn. 16), S. 215.\n50\nBotschaft Fortpflanzungsmedizingesetz (Fn. 16), S. 266 (Hervorhebung durch uns).\n51\nAB 1998 N 1418, 1420.\n52\nAB 1998 N 1419 (Votum Guisan, für die Kommission).\n\nVPB/JAAC/GAAC 2008 216\nGutachten\n\nvernichtet» werden 53. Die schliesslich siegreiche Kommissionsmehrheit 54 hielt diesem\nAntrag entgegen, dass mit der sofortigen Vernichtung jegliche vorübergehende Konservierung von Embryonen in einer Notsituation, beispielsweise im Fall einer Infektionskrankheit der Mutter, ausgeschlossen wäre 55. Darüber hinaus wurde vorgebracht, dass\neine Pflicht zur sofortigen Vernichtung überzähliger Embryonen über das verfassungsrechtlich Geforderte hinausginge 56. Der Nationalrat ging demnach davon aus, dass die\nAufbewahrung von rechtmässig erzeugten Embryonen zu Fortpflanzungszwecken nicht\ngegen die Verfassung verstösst.\n\ne) Zwischenergebnis\n46. Die vorliegend vertretene Auslegung, wonach Art. 119 Abs. 2 Bst. c Satz 3 BV die Kryokonservierung von Embryonen in vitro mit dem Ziel der Verhinderung einer risikoreichen\nMehrlingsschwangerschaft verbietet, die Kryokonservierung von rechtmässig erzeugten\nEmbryonen zu Fortpflanzungszwecken jedoch zulässt, wurde seit Erlass dieser Verfassungsbestimmung von verschiedenen Bundesbehörden (Bundesgericht, Bundesamt für\nJustiz, Bundesrat, Bundesversammlung) bestätigt. Die Verfassung wurde somit in diesem Punkt nicht fortgebildet, sondern in ihrem historisch verbürgten Gehalt gefestigt.\n\n"}