{"Signatur": "CH_VB_999", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2007-05-07", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_999_150000029_2007-05-07.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000029.pdf?ID=150000029", "Checksum": "008006105c1bfeaa88e0113bb39f8a6e"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000029"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 07.05.2007 150000029"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités 07.05.2007 150000029"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità 07.05.2007 150000029"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  autres autorités"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) altre autorità"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Kettiger Daniel"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:39", "Checksum": "12ed5af16877a57449c19854a1e0daae", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 07.05.2007 150000029\n\ntenzbereiche, die dem Bund obliegen und ihm eine umfassende Gesetzgebungskompetenz verleihen, so z.B. das Ausweisrecht (Ausstellung von Tarnpapieren), das\nAusländerrecht (Einreise und Aufenthaltsregelung von ausländischen Zeugen), das\nSozialversicherungsrecht (sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen bei Identitätsänderungen, Datensperre), das Zivilrecht (rechtliche Konsequenzen hinsichtlich\ndes Zivilstandes bei Identitätsänderungen, Datensperre) und die Zuständigkeit des\nBundes in auswärtigen Angelegenheiten (vorübergehende oder dauernde Unterbringung von Zeugen im Ausland)29. Je nach konkreter Ausgestaltung der geplanten\nZeugenschutzmassnahmen können somit weitere Verfassungsnormen angerufen\nwerden, die eine Zuständigkeit des Bundes zur Rechtsetzung begründen. Zusammen mit den bereits erwähnten Bestimmungen ergibt sich aus verfassungsrechtlicher\nSicht eine hinlängliche Grundlage für die Schaffung einer Bundeslösung im Bereich\ndes ausserprozessualen Zeugenschutzes.\n\nSofern keine einheitliche Regelung auf Bundesstufe in Betracht kommt, bleibt es\ndem Bund unbenommen – analog der neuen Regelung im AuG – im Rahmen seiner\nKompetenzen zumindest punktuell Bestimmungen zu erlassen, die dem ausserprozessualen Schutz von Zeugen dienen und die auch für die Kantone Geltung beanspruchen.\n\n5.3 Rechtsetzungskompetenz der Kantone\n\nSoweit keine Bundesregelung Platz greift, steht den Kantonen die Befugnis zu, in\nihrem Kompetenzbereich Vorschriften über den ausserprozessualen Zeugenschutz\nzu erlassen. Denkbar wäre auch eine kantonsübergreifende Lösung in der Form eines Konkordats. Die konkreten Schutzmassnahmen dürfen indessen nicht in Sachbereiche eingreifen, die in der Regelungskompetenz des Bundes liegen.\n\n5.4 Fazit\n\nZusammenfassend lassen sich die Fragen zum Themenkomplex B wie folgt beantworten:\n\n• Die umfassende Kompetenz des Bundes zum Erlass von Bestimmungen auf dem\nGebiet des Strafprozessrechts allein stellt keine genügende Grundlage für die\nRegelung des ausserprozessualen Zeugenschutzes in Bundesstrafverfahren dar.\nEs kann jedoch davon ausgegangen werden, dass dem Bund eine implizite Kompetenz (implied power) zukommt, für seine eigenen Verfahren eine Zeugenschutzregelung zu treffen.\n\n• Eine Bundeslösung im Sinne einer einheitlichen Regelung für kantonale und Bundesstrafverfahren ist verfassungsrechtlich zulässig, wenn der ausserprozessuale\nZeugenschutz so ausgestaltet wird, dass ein Koordinationsbedarf unter Einbezug\n\n29\nArt. 38, 54, 111-114, 117, 121, 122 BV\n\nVPB/JAAC/GAAC/PAAF 2007 350\nGutachten\n\ndes Bundes besteht. Unter diesen Umständen kann zusätzlich zu Artikel 123 Absatz 1 BV die Koordinationskompetenz des Bundes in Sicherheitsbelangen angerufen werden. Damit aber aus Artikel 57 Absatz 2 BV eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes abgeleitet werden kann, müssen (weitere) Sachbereiche tangiert\nsein, die mindestens teilweise in die Zuständigkeit des Bundes fallen. Ein ausgebauter ausserprozessualer Zeugenschutz mit tiefgreifenden Schutzmassnahmen\nberührt mehrere Kompetenzbereiche des Bundes, die ihm eine umfassende\nRechtsetzungskompetenz verleihen. Diese Bestimmungen können ebenfalls als\nkompetenzbegründende Verfassungsnormen herangezogen werden. Zusammen\nmit den beiden anderen Verfassungsbestimmungen ergibt sich für den Bund eine\ngenügende Grundlage zum Erlass einer bundesweit verbindlichen Regelung des\nausserprozessualen Zeugenschutzes.\n\n• Falls eine Bundeslösung ausser Betracht fällt, können die Kantone in ihrem Kompetenzbereich Bestimmungen über den ausserprozessualen Zeugenschutz erlassen. Der Regelungsinhalt darf nicht Sachbereiche beschlagen, die in der Kompetenz des Bundes liegen.\n\nVPB/JAAC/GAAC/PAAF 2007 351\nSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften\nArchives fédérales suisses, Publications officielles numérisées\nArchivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali\n\nJAAC 2007.19 - Aussergerichtlicher Zeugenschutz, Gutachten vom 7. Mai 2007\n\nIn Verwaltungspraxis der Bundesbehörden\nDans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération\nIn Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione\n\nJahr 2007\nAnnée\nAnno\n\nBand -\nVolume\nVolume\n\nSeite 336-351\nPage\nPagina\n\nRef. No 150 000 029\n\nDas Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.\nLe document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.\nIl documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.\n"}