{"Signatur": "CH_VB_034", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2003-04-30", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_034_JAAC-68-13--_2003-04-30.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150006320.pdf?ID=150006320", "Checksum": "af336256c1e2c5892c336046609c3b55"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 68.13 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Bundesanwaltschaft (BA) 30.04.2003 JAAC 68.13 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Ministère public de la Confédération (MPC) 30.04.2003 JAAC 68.13 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ministero pubblico della Confederazione (MPC) 30.04.2003 JAAC 68.13 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Bundesanwaltschaft (BA)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Ministère public de la Confédération (MPC)"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ministero pubblico della Confederazione (MPC)"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:22:46", "Checksum": "60dd5a5fb5370d4265d303c880dcdcd8", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Bundesanwaltschaft (BA) 30.04.2003 JAAC 68.13 \r\n\n 11\nHinzu kommt, dass ein in Abweichung vom gesetzlichen Gerichtsstand durch\nVereinbarung (bzw. Anerkennung) der Kantone bestimmter Gerichtsstand\ndurch den Beschuldigten nur dann mit Erfolg angefochten werden kann, wenn\neine Ermessensüberschreitung und damit eine Rechtsverletzung vorliegt,\nwas dann der Fall ist, wenn die Abweichung nicht auf triftigen Gründen\n(wie z. B. Prozessökonomie, Versehen der beteiligten Behörden, Wahrung\nneu ins Gewicht fallender Interessen, veränderte Verhältnisse) beruht.[47]\nWie soeben dargestellt wurde, beruht die Abweichung vom gesetzlichen\nGerichtsstand durch die Kantone in diesem Fall sehr wohl auf triftigen\nGründen. Daher vermag die Gesuchstellerin ihrerseits keine triftigen Gründe\ngegen die Gerichtsstandsvereinbarung vorzubringen. Insbesondere legt sie\nnicht dar, weshalb die Behörden ihres Wohnsitzkantons die persönlichen\nVerhältnisse von Y besser kennen und schneller abklären könnten als jene\nim Kanton Basel-Stadt. Verschiedentlich macht die Gesuchstellerin eher\nvage Andeutungen zu Mängeln im kantonalen Verfahren (so hinsichtlich\nZustellung und Inhalt des Überweisungsbeschlusses sowie der Mitteilung der\nEinleitung eines Strafverfahrens). Abgesehen davon, dass diese Andeutungen\nkaum substantiiert werden, sind sie für das vorliegende Verfahren\nirrelevant. Behauptete Mängel in der von der kantonalen Behörde geführten\nUntersuchung können durch andere Rechtsmittel gerügt werden und\nvermögen nach ständiger Rechtsprechung keine Änderung des Gerichtsstandes\nim Sinne von Art. 262-263 BStP zu begründen.[48] Ebenso irrelevant ist der\nvon der Gesuchstellerin vorgebrachte Wunsch nach einer «unverbrauchten»\nBehörde. Der Beschuldigte hat kein Recht auf eine «unverbrauchte» Behörde,\nsondern Anspruch auf ein unabhängiges und unparteiisches, auf Gesetz\nberuhendes Gericht, wie dies bereits Art. 6 der Konvention zum Schutze\nder Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK,\nSR 0.101) und Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen\nEidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) statuieren.\n(…)\nWenn nun davon die Rede ist, dass die Bestimmung des Gerichtsstandes\nnicht zuletzt auch im Interesse des jugendlichen Beschuldigten und seiner\nweiteren Entwicklung erfolgt, darf nicht vergessen werden, dass Y zwar\nnoch nicht ganz, aber doch beinahe mündig sowie urteilsfähig ist. Etwas\nGegenteiliges geht aus den eingereichten Unterlagen jedenfalls nicht hervor.\nEntsprechend kann auch er selbst sich zur Gerichtsstandsfrage äussern.\nWie aus den Akten hervorgeht, ist Y ausserdem anwaltlich vertreten, d. h.\nsein Rechtsvertreter kann ihn in der Frage des Gerichtsstandes beraten\nund für ihn allenfalls notwendige Eingaben bei Gericht vornehmen. Der\nRechtsvertreter ist verpflichtet, ausschliesslich die rechtlichen Interessen\nseines Klienten Y wahrzunehmen und ihn auf Unzulänglichkeiten im\nZusammenhang mit der Gerichtsstandsfrage aufmerksam zu machen. Die\nGesuchstellerin hat demgegenüber eine eigene Anwältin mandatiert, welche\nihrerseits dazu verpflichtet ist, die Interessen ihrer Mandantin zu vertreten.\nOb sich nun die Interessen der Gesuchstellerin mit denjenigen ihres Sohnes\nüberhaupt decken, erscheint unwahrscheinlich. Denn bis heute hat Y bzw.\nsein Rechtsvertreter keinerlei Einwände gegen den Gerichtsstand Basel-Stadt\nvorgebracht. Aus diesem Verhalten kann auf konkludente Zustimmung zum\n\n12\nGerichtsstand Basel-Stadt geschlossen werden. Wenn sich nun aber der Wille\ndes jugendlichen Beschuldigten mit demjenigen seiner gesetzlichen Vertreterin\nnicht deckt, ist ohne Zweifel dem ersteren der Vorzug zu geben.[49]\nHieraus folgt, dass das vorliegende Gesuch um Festlegung des Gerichtsstandes\nim Kanton Basel-Landschaft, eventualiter Kanton Bern, abzuweisen ist und der\nGerichtsstand im Kanton Basel-Stadt zu verbleiben hat.\n9. (Prüfung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung).\n[6] Marie Boehlen, Kommentar zum Schweizerischen Jugendstrafrecht, Bern\n1975, N. 8 zu Art. 372 StGB.\n[7] BBl 1918 IV 215/222.\n[8] AB 1930 N 82 ff. (Berichterstatter Seiler); AB 1931 S 736 f. (Berichterstatter\nBaumann).\n[9] BBl 1937 III 728.\n[10] BBl 1929 II 634, 709.\n[11] BBl 1943 I 97 ff.\n[12] BBl 1943 I 213, 215.\n[13] BBl 1943 I 158.\n[14] AB 1943 S 197 ff. (Berichterstatter M. Piller: S. 200).\n[15] AB 1943 N 216 f.\n[16] BGE 67 I 152.\n[17] BGE 68 IV 4.\n[18] BBl 1943 I 158.\n[19] BGE 69 IV 190 f., BGE 70 IV 95 f.\n[20] BGE 68 IV 121 f., BGE 69 IV 52.\n[21] BGE 73 IV 56 f., BGE 74 IV 189 f., BGE 76 IV 114.\n[22] Erhard Schweri, Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde in Strafsachen\n(im Folgenden: Nichtigkeitsbeschwerde), Bern 1993, N. 131.\n[23] BGE 91 IV 109; Christian Ferber, Die eidgenössische\nNichtigkeitsbeschwerde in Strafsachen an den Kassationshof des\nBundesgerichts, Zürich 1993, S. 109.\n[24] BGE 80 I 266.\n[25] Erhard Schweri, Nichtigkeitsbeschwerde, (Fussnote 17), Bern 1993, N. 92.\n[26] Vgl. BGE 68 IV 160.\n[27] Erhard Schweri, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen\n(im Folgenden: Gerichtsstandsbestimmung), Bern 1987, N. 552 (mit Verweis auf\nBGE 68 IV 160).\n[28] Vital Schwander, Das Schweizerische Strafgesetzbuch, Zürich 1964,\nNr. 490a (S. 293); BGE 85 IV 252, BGE 86 IV 197.\n[29] Gestützt auf Art. 26 Bst. e der Organisationsverordnung vom\n17. November 1999 für das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement\n(OV-EJPD, SR 172.213.1).\n[30] Erhard Schweri, Gerichtsstandsbestimmung, (Fussnote 22), N. 366.\n[31] BGE 97 IV 54.\n[32] BBl 1999 2412.\n[33] BBl 1999 2262 f.\n[34] SG 257.500: Systematische Gesetzessammlung Basel-Stadt, einsehbar über\nwww.gesetzessammlung.bs.ch/sgmain/default.html.\n[35] Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch - Kurzkommentar, N. 1\nzu Art. 372 StGB.\n[36] Erhard Schweri, Gerichtsstandsbestimmung, (Fussnote 22), N. 321.\n\n"}