{"Signatur": "CH_VB_031", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1996-03-11", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_031_JAAC-61-11--_1996-03-11.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003332.pdf?ID=150003332", "Checksum": "6edf6f032294c0a2c49f43d408c9c631"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 61.11 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 11.03.1996 JAAC 61.11 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile 11.03.1996 JAAC 61.11 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo 11.03.1996 JAAC 61.11 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Commission suisse de recours en matière d'asile, jusqu'à 2006"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:28:41", "Checksum": "38ee9546c1f4b67cff01f2489b62b897", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 11.03.1996 JAAC 61.11 \r\n\n2.a. Das BFF begründet seinen Nichteintretensentscheid damit, dass der\nBeschwerdeführer im Asylverfahren mittels eines gefälschten Ausweises seine\nIdentität verheimlicht und damit seine gesetzlichen Mitwirkungspflichten\nvorsätzlich und in grober Weise verletzt habe.\nArt. 16 Abs. 1 Bst. e des Asylgesetzes vom 5. Oktober 1979 (AsylG, SR 142.31)\nsieht vor, dass auf ein Gesuch nicht eingetreten wird, wenn der Gesuchsteller\n«seine Mitwirkungspflicht vorsätzlich in grober Weise verletzt». Art. 12b\nAbs. 1 Bst. a AsylG verpflichtet Asylgesuchsteller - unter der Marginalie\n«Mitwirkungspflicht und Durchsuchung» (Fassung gemäss BG vom 18. März\n1994, AS 1995 146, in Kraft seit 1. Februar 1995) - zur Mitwirkung bei\nder Feststellung des Sachverhalts und bestimmt, dass der Gesuchsteller\n«insbesondere seine Identität offenlegen» müsse.\nArt. 16 Abs. 1 Bst. b AsylG hält fest, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten\nwird, «wenn der Gesuchsteller seine Identität verheimlicht und dies aufgrund\ndes Ergebnisses der erkennungsdienstlichen Behandlung feststeht».\nb. Angesichts der zitierten Gesetzesbestimmungen fällt zunächst auf, dass\ndie Vorinstanz ihren Nichteintretensentscheid wegen des Verheimlichens der\nIdentität nicht auf den spezifisch dafür zur Verfügung stehenden gesetzlichen\nNichteintretensgrund (Art. 16 Abs. 1 Bst. b AsylG), sondern auf denjenigen der\n«allgemeinen» Verletzung gesetzlicher Mitwirkungspflichten (Art. 16 Abs. 1\nBst. e AsylG) abgestützt hat. Der Grund hierfür liegt offensichtlich darin, dass\ndie in ersterer Bestimmung enthaltene Anwendungsvoraussetzung («und dies\naufgrund des Ergebnisses der erkennungsdienstlichen Behandlung feststeht»)\nvorliegend nicht erfüllt war. In diesem Sinne äussert sich sinngemäss auch das\nBFF in seiner Stellungnahme vom 28. November 1995.\nEs stellt sich die naheliegende Frage nach der rechtlichen Zulässigkeit dieses\nVorgehens der Vorinstanz. Insbesondere ist zu prüfen, ob beim Tatbestand des\nVerheimlichens der Identität als prozessuale Sanktion ausschliesslich der dafür\n\n3\neigens vorgesehene Art. 16 Abs. 1 Bst. b AsylG zur Verfügung steht, oder ob auf\nein solches Verhalten eines Asylgesuchstellers alternativ (beziehungsweise\nsubsidiär) mit der Anwendung des Nichteintretensgrundes von Art. 16 Abs. 1\nBst. e AsylG reagiert werden darf beziehungsweise muss.\nc. In diesem Zusammenhang führt das BFF in seiner Vernehmlassung\nim wesentlichen aus, in Art. 16 Abs. 1 Bst. b AsylG werde zwar auf\ndie erkennungsdienstliche Behandlung abgestellt, dies bedeute aber\nkeineswegs, dass eine Verheimlichung der Identität keine Verletzung der\nMitwirkungspflicht darstelle, wenn sie nicht aufgrund eines daktyloskopischen\nVergleichs feststehe. Im französischsprachigen Gesetzestext werde denn\nauch die erkennungsdienstliche Behandlung nur als eine Möglichkeit\n(«notamment») zur Feststellung einer falschen Identität angeführt, und\ndie ARK habe «folgerichtig in einem Leitentscheid eine Falschaussage\nzur Identität nach Art. 16 Abs. 1 Bst. e AsylG sanktioniert, obwohl diese\naufgrund der erkennungsdienstlichen Behandlung festgestellt wurde - und die\nAnwendbarkeit von Art. 16 Abs. 1 Bst. b AsylG offengelassen (Entscheidungen\nund Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995\nNr. 19, S. 193).»\nd. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz wurde die Frage der Exklusivität\nder Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Bst. b AsylG im Falle des Verheimlichens\nder Identität von der ARK bisher nicht in einem publizierten Entscheid\nausdrücklich beantwortet. Auch die Lehre hat sich zu diesem Punkt\nbislang offenbar nicht geäussert (vgl. etwa: Gottfried Zürcher, Vollzug der\nWegweisung von Nichteintretensentscheiden, ASYL 1992/2+3, S. 37 f.; Alberto\nAchermann / Christina Hausammann, Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl.,\nBern/Stuttgart 1991, S. 224 ff. und 294 ff.; Niccolò Raselli, Zur Problematik\ndes Nichteintretensgrundes der groben Verletzung der Mitwirkungspflicht\ngemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. e AsylG, ASYL 1991/3, S. 8 ff.; Walter Stöckli,\nNichteintretensfälle Entzug und Wiederherstellung der aufschiebenden\nWirkung von Beschwerden -Ausreisefristen, ASYL 1991/2, S. 13 f.; Walter\nKälin, Grundriss des Asylverfahrens, Basel / Frankfurt am Main 1990, S. 261 ff.;\nWalter Kälin / Walter Stöckli, Das neue Asylverfahren, ASYL 1990/3, S. 6 f.).\nDer publizierten Praxis der ARK ist in diesem Zusammenhang folgendes zu\nentnehmen:\nIm Entscheid EMARK 1995 Nr. 18 hielt die ARK im wesentlichen fest,\ndie Mitwirkungspflicht umfasse auch die Pflicht, wahrheitsgemässe\nund vollständige Angaben zum Sachverhalt zu machen, und bewusstes\nVerschweigen einer relevanten Tatsache (in casu: Aufenthalt in\neinem Drittstaat) sei grundsätzlich als Verletzung dieser gesetzlichen\nMitwirkungspflicht zu werten. Unwahre Angaben seien indessen primär\nbei der materiellen Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen zu\nberücksichtigen, wogegen die schwere prozessuale Sanktion eines\nNichteintretensentscheids «nur mit grösster Zurückhaltung» anzuwenden\nsei und sich nur bei einer Kumulation von Irreführungen rechtfertigen lasse,\nwelche die Abklärungen effektiv behindern würden. EMARK 1995 Nr. 18\näussert sich also nicht zur Frage der Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Bst. b\nAsylG, sondern beschlägt im wesentlichen den Anwendungsbereich von Art. 16\nAbs. 1 Bst. e AsylG.\n\n"}