{"Signatur": "CH_VB_031", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1995-05-16", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_031_JAAC-60-38--_1995-05-16.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003059.pdf?ID=150003059", "Checksum": "19fb28c4fa7baed563184f4245998ff6"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 60.38 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 16.05.1995 JAAC 60.38 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile 16.05.1995 JAAC 60.38 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo 16.05.1995 JAAC 60.38 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Commission suisse de recours en matière d'asile, jusqu'à 2006"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:29:45", "Checksum": "98bbe1614dc9a8bea2eb8b4b8040433b", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 16.05.1995 JAAC 60.38 \r\n\n 6\nöffentlicher Interessen - wozu etwa auch die Rechtssicherheit gehöre - keine\nEinschränkungen zulasse (vgl. Kälin, Gutachten, S. 4 f., mit Hinweis auf Kälin\nWalter, Grundriss des Asylverfahrens, Basel / Frankfurt a. M. 1990, S. 247).\nDer von den soeben zitierten Autoren vertretenen Auffassung ist im Grundsatz\nzuzustimmen: Neben den bereits angeführten Aspekten ist von Bedeutung,\ndass der massgebliche Zeitpunkt für die Anwendung von Art. 3 EMRK der\nMoment der effektiven Wegweisung ist (vgl. Villiger Mark E., Handbuch\nder Europäischen Menschenrechtskonvention, Zürich 1993, S. 186, Rn. 307).\nSodann ist nicht nur der Heimatstaat eines Gesuchstellers (sofern er die\nEMRK ratifiziert hat, was bei der Türkei der Fall ist) zur Einhaltung der\nkonventionsrechtlichen Garantien verpflichtet, sondern ebenso der Gaststaat,\nwas zur Folge hat, dass letzterer selber gegen Art. 3 EMRK verstösst und\ndadurch völkerrechtlich verantwortlich wird, wenn er einen Ausländer\nin dessen Heimatstaat zurückschafft, obwohl feststeht, dass er dort der\nFolter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung\nunterworfen würde (Villiger, a. a. O., S. 183, Rn. 301; Kälin, Gutachten, S. 5;\nBGE 111 Ib 71). Dazu hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte\n(EGMR) im sogenannten «Soering-Fall» ausgeführt, dass «(...) es mit den der\nKonvention zugrundeliegenden Werten kaum vereinbar (wäre), und auch\nnicht mit dem , auf die sich die Präambel bezieht, wenn ein Mitgliedstaat\nwissentlich einen Flüchtling an einen anderen Staat ausliefert, obwohl es\nbegründete Anhaltspunkte dafür gibt, dass der Flüchtling dort Gefahr läuft,\nder Folter ausgesetzt zu werden, (...). Die Auslieferung steht in solchen Fällen,\n(...), schlicht im Gegensatz zum Sinn und Zweck dieses Artikels (gemeint\nist Art. 3 EMRK)» (Urteil vom 7. Juli 1989 - Nr. 1/1989/161/217 - Soering\nc. Vereinigtes Königreich, in deutscher Übersetzung publiziert in Europäische\nGrundrechte Zeitschrift [EuGRZ] 1989, S. 314 ff.). Als Zwischenergebnis ist\nsomit festzuhalten, dass aus völkerrechtlicher Sicht der Umstand, dass ein\nWeggewiesener seine Vorbringen, welche nach dem materiellen Völkerrecht\nerheblich sind, mit Blick auf das Landesrecht prozessual verspätet geltend\ngemacht hat, tatsächlich nicht von Bedeutung sein kann.\nDamit ist indessen noch nicht gesagt, dass die völkerrechtliche Bestimmung\ndem Landesrecht ohne weiteres übergeordnet ist, mithin absoluten\nVorrang gegenüber diesem geniesst; das Verhältnis zwischen Völkerrecht\nund nationalem Recht ist in der Schweiz nämlich bis heute Gegenstand\ndogmatischer Kontroversen (vgl. für das Folgende Epiney Astrid, Das Primat\ndes Völkerrechts als Bestandteil des Rechtsstaatsprinzips, Schweizerisches\nZentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl], Bd. 95 [1994] Nr. 12,\nS. 537 ff.; Grisel André, A propos de la hiérarchie des normes juridiques, ZBl\n88/1987, S. 377 ff.; Häfliger Arthur, Die Hierarchie von Verfassungsnormen\nund ihre Funktion beim Schutz der Menschenrechte, EuGRZ 1990, S. 474 ff.;\nHangartner Yvo, Bemerkungen zu BGE 117 Ib 367, Aktuelle Juristische\nPraxis [AJP] 1993, S. 195 ff.; derselbe, Die Bindung von Verwaltungs- und\nJustizbehörden an die EMRK, AJP 1995, S. 131 ff.; Jacot-Guillarmod Olivier,\nFondements juridiques internationaux de la primauté du droit international\ndans l’ordre juridique suisse, Zeitschrift des bernischen Juristenvereins [ZBJV]\n1984, S. 227 ff.; derselbe, La primauté du droit international face à quelques\nprincipes directeurs de l’Etat fédéral suisse, Zeitschrift für Schweizerisches\nRecht [ZSR] 1985 I 383 ff.; derselbe, Le juge national face au droit européen,\nBasel / Frankfurt a. M. 1993; Kälin Walter, Der Geltungsgrad des Grundsatzes\n\n"}