{"Signatur": "CH_VB_031", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1995-03-07", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_031_JAAC-60-32--_1995-03-07.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003041.pdf?ID=150003041", "Checksum": "beba62ea9846edc8fe5badc468d3efcf"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 60.32 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 07.03.1995 JAAC 60.32 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile 07.03.1995 JAAC 60.32 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo 07.03.1995 JAAC 60.32 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Commission suisse de recours en matière d'asile, jusqu'à 2006"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:29:32", "Checksum": "b5107f69cf2fabaa62313dc34213c660", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 07.03.1995 JAAC 60.32 \r\n\n 5\nEine historische, an der Entstehungsgeschichte ausgerichtete Auslegung\nkommt daher zum Schluss, dass der Asylausschlussgrund von Art. 8a AsylG\nabsolut - ungeachtet einer Unterscheidung zwischen missbräuchlicher und\nnichtmissbräuchlicher Schaffung von subjektiven Nachfluchtgründen - gilt.\nc. Zum gleichen Ergebnis wie die historische führt auch die systematische\nAuslegung von Art. 8a AsylG. Jener ist - genau besehen - eine\nAusnahmebestimmung zu Art. 2 AsylG, wonach Flüchtlingen «nach diesem\nGesetz Asyl» zu gewähren ist (zum Flüchtlingsbegriff: vgl. Art. 3 AsylG).\nMit der vierten Asylgesetzrevision vom 22. Juni 1990 ist durch die Statuierung\nvon Art. 8a AsylG die gesetzliche Grundlage geschaffen worden, um Personen\nvom Asyl auszunehmen, wenn sie erst (...) wegen ihres Verhaltens nach\nder Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG geworden sind. Die\nFlüchtlingseigenschaft führt demnach nur noch zu einem Asylanspruch, wenn\n(asylrelevante) (Vor)Fluchtgründe oder objektive Nachfluchtgründe gegeben\nsind. Sind sie erfüllt, entfällt die Anwendbarkeit von Art. 8a AsylG, selbst wenn\nder Gesuchsteller zusätzlich subjektive Nachfluchtgründe verwirklicht hat.\nSind sie demgegenüber nicht (bzw. nicht ganz) erfüllt, entfällt mit Blick auf\nArt. 8a AsylG die Möglichkeit, Asyl zu gewähren.\nd. Die Schweiz hatte schon vor Erlass des Asylgesetzes vom 5. Oktober\n1979 Gesuchstellern mit subjektiven Nachfluchtgründen regelmässig Asyl\nverweigert und führte diese Praxis auch später fort (Kälin, a. a. O., S. 186 f.).\nBegründet wurde die Praxis letztlich damit, dass es nicht in das Belieben des\neinzelnen gestellt werden sollte, einen Asylanspruch zu begründen (Werenfels\nSamuel, Der Begriff des Flüchtlings im schweizerischen Recht, Bern u. a. 1987,\nS. 359). Auch Gesuchstellern, die schon in ihrer Heimat politisch tätig waren\nund erst durch die Fortsetzung ihres Engagements im Exil eine offenkundige\nVerfolgungsgefahr auslösten, wurde kein Asyl gewährt. Zeitweise Versuche des\nBFF, die Praxis hier etwas zu lockern, scheiterten schlussendlich daran, dass\n«eine verbindliche Grenzziehung bezüglich der Asylrelevanz sich als kaum\nmöglich erwies» (Werenfels, a. a. O., S. 359 f.).\nAnlässlich der Revision des Asylgesetzes im Jahre 1990 ist mit Art. 8a AsylG\neine klare gesetzliche Grundlage für den Asylausschluss bei Vorliegen\nsubjektiver Nachfluchtgründe eingeführt worden. Damit wurde gleichzeitig\n- im Sinne eines Mindeststandards - erreicht, dass Personen mit subjektiven\nNachfluchtgründen prinzipiell als Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG\nanerkannt und hiermit automatisch vom Grundsatz der Nichtrückschiebung\ngemäss Art. 45 AsylG erfasst werden (vgl. Botschaft, BBl 1990 II 613). Der\nZweck der neugeschaffenen Geset-zesnorm des Art. 8a AsylG bestand also\neinzig darin, die gesetzesanwendenden Behörden künftig zur strikten\nEinhaltung der Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 (FK, SR 0.142.30),\ninsbesondere deren Art. 33 Abs. 1, zu zwingen, also jeweils klar zwischen\nFlüchtlingen und Nicht-Flüchtlingen zu unterscheiden (vgl. Botschaft, BBl\n1990 II 658 f.; zu den weiteren Rechten des Konventionsflüchtlings vgl. Amann\nChristine, die Rechte des Flüchtlings, Baden-Baden 1994, S. 84 ff., 164 f.).\n8. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass Art. 8a AsylG\nabsolut verstanden werden muss, subjektive Nachfluchtgründe mithin\nunbekümmert darum, ob sie rechtsmissbräuchlich gesetzt werden oder nicht,\ngenerell zu einem Asylausschluss führen, solange sie für die Zuerkennung\nder Flüchtlingseigenschaft bestimmend sind. Die vom Gesetzgeber gewollte\n\n6\nBestimmung subjektiver Nachfluchtgründe als Asylausschlussgrund\nverbietet ein Addieren solcher Gründe mit (Vor)Flucht- beziehungsweise\nobjektiven Nachfluchtgründen, die für sich allein nicht zur Anerkennung\nder Flüchtlingseigenschaft ausreichen (entgegen der Meinung von Kälin,\na. a. O., S. 188; und Bersier Roland, Droit d’asile et statut du réfugié en\nSuisse, 2. Aufl., Lausanne 1991, S. 62, für die eine Kombination von Vor- und\nNachfluchtgründen Asylrelevanz schaffen kann).\n9. Zusammenfassend gelangt die Kommission mit der Vorinstanz zum\nSchluss, dass die Beschwerdeführer und ihre Kinder zufolge subjektiver\nNachfluchtgründe Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG sind, ihre Asylgesuche\njedoch gestützt auf Art. 8a AsylG abzuweisen sind.\nLehnt das BFF das Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf ein, so verfügt\nes in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet deren Vollzug\nan (Art. 17 Abs. 1 AsylG). Mangels entsprechender Anzeige der kantonalen\nBehörden können die Beschwerdeführer nicht mit der Erteilung einer\nfremdenpolizeilichen Aufenthaltsbewilligung rechnen. Ihre Wegweisung\nerfolgte demnach zu Recht. Da der Vollzug der Wegweisung gestützt auf\nArt. 14a Abs. 3 des BG vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung\nder Ausländer (ANAG, SR 142.20) als unzulässig zu betrachten ist, ordnete das\nBFF mit Verfügung vom 10. März 1993 zu Recht die vorläufige Aufnahme der\nBeschwerdeführer an.\n[15] Vgl. oben Fussnote 1, S. 239.\n[16] Cf. ci-dessus note 2, p. 240.\n[17] Cfr. sopra nota 3, pag. 242.\n\n7\nSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften\nArchives fédérales suisses, Publications officielles numérisées\nArchivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali\n\nJAAC 60.32 - Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission\nvom 7. März 1995\n\nIn Verwaltungspraxis der Bundesbehörden\nDans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération\nIn Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione\n\nJahr 1996\nAnnée\nAnno\n\n"}