{"Signatur": "CH_VB_031", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1995-01-10", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_031_JAAC-60-30--_1995-01-10.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003035.pdf?ID=150003035", "Checksum": "312f58827d5cc1f723f54456d4a8bdad"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 60.30 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 10.01.1995 JAAC 60.30 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile 10.01.1995 JAAC 60.30 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo 10.01.1995 JAAC 60.30 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission suisse de recours en matière d'asile"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Commission suisse de recours en matière d'asile, jusqu'à 2006"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:29:23", "Checksum": "9b982089a741619ad3601b1e9ab5d670", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 10.01.1995 JAAC 60.30 \r\n\n 5\nzurechnen lassen muss, wenn er diese anregt, unterstützt, billigt oder tatenlos\nhinnimmt, obwohl er zur Schutzgewährung in der Lage wäre, und damit\nseinen fehlenden Schutzwillen zum Ausdruck bringt.\nUmstritten ist jedoch die Frage der mittelbaren Verfolgung bei - beispielsweise\naufgrund einer Bürgerkriegssituation - fehlender staatlicher Schutzfähigkeit,\nwobei hier je nach der Kategorie der Täter zwei Konstellationen zu\nunterscheiden sind: Die Asylrelevanz der Verfolgung durch private Dritte\nim schutzunfähigen Staat wird von der massgebenden Lehre uneinheitlich\nbeurteilt (zurückhaltend bejahend: Kälin, a. a. O., S. 64 ff.; eher verneinend:\nWerenfels, a. a. O., S. 222 ff.; hier unklar: Achermann/Hausammann, a. a. O.,\nvgl. S. 86 f.), während die Praxis der schweizerischen Asylbehörden diese\nFrage verneint. Den Fall der Verfolgung durch «private» Körperschaften,\nwelche, ohne anerkannte Träger der Staatsordnung zu sein, faktisch die\nHerrschaft über bestimmte Teilgebiete des staatlichen Territoriums und die\ndort lebende Bevölkerung ausüben, qualifiziert die Lehre hingegen einhellig\nals sogenannte quasi-staatliche Verfolgung und stellt sie hinsichtlich der\nAsylrelevanz derjenigen der (unmittelbar) staatlichen gleich (Kälin, a. a. O.,\nS. 70; Achermann/Hausammann, a. a. O., S. 87; Werenfels, a. a. O., S. 219). Die\nfrühere Praxis folgt, soweit feststellbar, dieser Auffassung nicht, während\ndie Asylrekurskommission die Existenz und Relevanz quasi-staatlicher\nVerfolgung im erwähnten Sinne in neueren Entscheidungen anerkannt hat\n(vgl. beispielsweise die unveröffentlichten Urteile vom 9. März 1994 i. S.\nT. V., und 27. Mai 1994 i. S. Z. A., beide Bosnien-Herzegowina, sowie vom\n19. August 1994 i. S. G. K., Sri Lanka). Zur diesbezüglichen Praxis des BFF\nist folgendes festzustellen: Die Tatsache, dass die Vorinstanz im Jahre 1993\n«fast die Hälfte» der Asylgesuche bosnischer Staatsangehöriger gutgeheissen\nhat (ASYLON, Ausgabe März 1994, S. 9; gemäss der Darstellung in ASYL\n1994/1, S. 20 betrug die betreffende Quote im Jahre 1993 45,1%), legt für die\nAsylrekurskommission - angesichts des Umstands, dass Angehörige dieser\nGruppe als Asylgründe erfahrungsgemäss am häufigsten den Aufenthalt\nin einem auf dem Territorium ihres Heimatstaats von bosnischen Serben\noder Kroaten geführten Internierungslager unter schlechten Bedingungen\ngeltend machen - den Schluss nahe, die Vorinstanz anerkenne im Falle von\nBosnien-Herzegowina (nicht nur in Einzelfällen) die asylrechtliche Relevanz\nquasi-staatlicher Verfolgung im dargelegten Sinne. Hingegen scheint das\nBFF diese Frage nach den Erfahrungen der Kommission bei vergleichbaren\nKonstellationen in anderen Staaten - etwa bei der Verfolgung durch die im\nnordöstlichen Teil Sri Lankas die faktische Herrschaft ausübenden tamilischen\n«Liberation Tigers of Tamil Eelam» (LTTE) - regelmässig zu verneinen. Ein\nnachvollziehbarer Grund für eine solche Ungleichbehandlung wäre allerdings\nnicht ersichtlich, beziehungsweise eine solche je nach Herkunftsland der\nbetreffenden Asylbewerber uneinheitliche Rechtspraxis würde als kaum\nzulässig erscheinen.\nAufgrund der vorstehend dargelegten Lehrmeinungen sieht die\nAsylrekurskommission zur Zeit keine Veranlassung, von der konstanten\nbisherigen Praxis der Nichtanerkennung der Asylrelevanz von Verfolgung\ndurch private Dritte im schutzunfähigen Staat abzuweichen. Hingegen\nerachtet es die Kommission angesichts der in der Praxis (des BFF wie\nder Asylrekurskommission) diesbezüglich offensichtlich herrschenden\nUnklarheiten aus Gründen der Rechtssicherheit als geboten, die Frage der\n\n"}