{"Signatur": "CH_VB_010", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1997-03-07", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_010_JAAC-61-67--_1997-03-07.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003566.pdf?ID=150003566", "Checksum": "758bba82924167e396b6eeb63bc3ccc0"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 61.67 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 07.03.1997 JAAC 61.67 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP 07.03.1997 JAAC 61.67 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR 07.03.1997 JAAC 61.67 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Autorité indépendante d'examen des plaintes en matière de radio-télévision"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:28:05", "Checksum": "38272935ea0a44b28a49cd0b8cd68577", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 07.03.1997 JAAC 61.67 \r\n\n(...)\n2. Der Beschwerdeführer wirft der Schweizerischen Radio- und\nFernsehgesellschaft (SRG) hauptsächlich vor, eine Sendung ausgestrahlt zu\nhaben, die «gläubige Christen verschiedener Konfessionen als blasphemisch\nempfinden müssen» und «eine öffentliche Verunglimpfung tiefster religiöser\nÜberzeugungen von Christen» bedeute. Deshalb liege ein Verstoss gegen den\nkulturellen Leistungsauftrag von Radio und Fernsehen vor.\n2.1. Der Leistungsauftrag von Art. 55bis Abs. 2 der Bundesverfassung der\nSchweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 (BV, SR 101) verpflichtet\ndie Veranstalter von Radio- und Fernsehsendungen insbesondere zum\nSchutz kultureller Werte. Darunter fallen namentlich die juristisch fassbaren\nRechtsgüter, die der BV, der Europäischen Menschenrechtskonvention\nder Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte\nund Grundfreiheiten (SR 0.101) und dem Internationalen Pakt vom\n16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte (SR 0.103.2) selbst\nzu entnehmen sind. Zu diesem Ensemble unbestrittener Grundelemente eines\ndemokratischen Verfassungsstaates gehört ebenfalls die Glaubensfreiheit im\nSinne von Art. 49 BV (VPB 59.66, S. 552; 53.48, S. 342).\nArt. 3 Abs. 1 RTVG konkretisiert das kulturelle Mandat insoweit, als er dessen\nErfüllung in der Gesamtheit der Programme fordert. Daraus folgt, dass nicht\njede einzelne Sendung einen positiven Beitrag zur Hebung der kulturellen\nWerte leisten muss. Unzulässig wäre indessen eine Sendung, die in direktem\nGegensatz zu dieser Verpflichtung stünde, ihr geradezu entgegenwirkte, etwa\ninfolge vorwiegend destruktiven Charakters (VPB 60.85, S. 765; 59.66, S. 553;\n53.47, S. 337).\n2.2. In diesem Zusammenhang ist jedoch stets der in Art. 55bis Abs. 3 BV\ngarantierten Programmautonomie des Veranstalters Rechnung zu tragen, die\nihm insbesondere bei der Bestimmung seiner Themen, ihrer gestalterischen\nUmsetzung und der Wahl des Stilkonzepts einen weiten Spielraum gewährt\n(VPB 60.85, S. 760; 56.13, S. 99). Im Rahmen des Leistungsauftrags muss es\nsomit jedem Veranstalter erlaubt sein, sich kritisch mit den verschiedensten\nBereichen des staatlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen\nLebens auseinanderzusetzen. Insbesondere muss an Radio und Fernsehen\nKritik und Opposition auch gegen dominierende politische Meinungen,\nherrschende Strukturen, Mehrheitsauf-fassungen und etablierte Ansichten\nund Institutionen möglich sein. Es ist kein Thema denkbar, das einer\nkritischen Erörterung in den elektronischen Medien entzogen sein müsste.\nEine Grenze liegt indessen in der Art und Weise der redaktionellen und\ngestalterischen Umsetzung (VPB 59.67, S. 559; 59.66, S. 553).\n3. Ein Interessenkonflikt, der sich aus der Konfrontation der Glaubensfreiheit\nmit der Programmfreiheit des Veranstalters ergeben kann, ist im Rahmen\neiner Güterabwägung zwischen den widerstreitenden Verfassungsrechten zu\nlösen.\n\n"}